Nur gemeinsam sind wir stark

Erstellt: 29. März 2008, 00:00 Uhr
Nur gemeinsam sind wir stark Jungen Spielern sind alte Rivalitäten herzlich wurscht. – Die Kameradschaft in den Handballmannschaften der SG Vaihingen-Illingen sei intakt, betont Helmuth Lindner, der Handball-Abteilungsleiter des TV Vaihingen. Dort werde nicht danach gefragt, wer aus Illingen und wer aus Vaihingen komme, sondern mit großer Begeisterung gemeinsam Handball gespielt. Die ausgesprochene Trennung der Spielgemeinschaft hält Lindner für eine riesengroße Dummheit, unter der seiner Meinung nach nun insbesondere die Handballabteilung im SV Illingen zu leiden habe. Foto: Archiv

Befürworter der Handballspielgemeinschaft Vaihingen-Illingen geben noch nicht klein bei.

Illingen – Die Befürworter der Handballspielgemeinschaft Vaihingen-Illingen haben offenbar noch nicht aufgegeben. Nun hat auch der Vorstand der SG selbst Stellung bezogen. In einer Pressemitteilung übt die SG-Vorsitzende Ingrid Göbgen zwar Kritik an den Verantwortlichen des SV Illingen – jedoch ohne die Tür zuzuschlagen.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

Zwei Wochen ist es nun her, dass die Hauptversammlung des SV Illingen überraschend die Spielgemeinschaft mit dem TV Vaihingen gekündigt hat. Seither reißen die öffentlichen Diskussionen über das Für und Wider dieser Spielgemeinschaft und die zweifelhaften Umstände ihres plötzlichen Endes nicht ab. Auf sechs Din-A-4-Seiten hat nun die derzeitige Vorsitzende der Spielgemeinschaft, Ingrid Göbgen, Kritik am bisherigen Vorgehen des SV Illingen geübt. Dennoch will Göbgen an der Spielgemeinschaft festhalten: „Nur gemeinsam sind wir stark“, resümiert sie am Ende ihres Schreibens.

 Dass einige im SV Illingen das Gefühl gehabt haben, nicht mehr in die Entscheidungen eingebunden zu sein, wie jüngst von dessem langjährigen Handballabteilungsleiter Roland Mannhardt beklagt, habe seine Ursache im von Illingen praktizierten System selbst. „Der SV Illingen hat bei der Gründung der Spielgemeinschaft darauf gepocht, dass Vorstandsmitglieder der SG nicht zugleich im Vorstand der SVI-Abteilung sein dürften.“ Eine solche Einschränkung sei ihr von keiner anderen Spielgemeinschaft bekannt. Selbst den Illinger Vertretern im SG-Vorstand sei die Teilnahme an Ausschussitzungen der SVI-Handballabteilung verwehrt worden. Auch seien die Illinger Abteilungsvorstände nie den Einladungen zu SG-Besprechungen gefolgt. Das habe die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch erschwert.

 Entschieden wendet sich Ingrid Göbgen gegen den Vorwurf Mannhardts, Spieler aus Illingen seien beim Training benachteiligt worden. „Welcher Spieler in welchem Verein war oder ist, ist den Verantwortlichen der SG nicht wichtig. Jeder darf sich dem Verein anschließen, dem er sich emotional verbunden fühlt“, stellt Ingrid Göbgen klar. Dass ein Trainer von seinem Wohnort Stuttgart nach Illingen fahre, um dort seine Jugendspieler abzuholen, und sie nach dem Spiel in Remseck auch wieder nach Illingen zurückbringe, spreche für sich. Ohnehin spielten in der SG Vaihingen-Illingen mittlerweile viele Handballer, die weder aus Vaihingen noch aus Illingen stammten.

 Die Spielgemeinschaft hat nach Meinung Göbgens den Jugendabteilungen beider Vereine genutzt. „Kinder einer Altersstufe sollten nicht zu früh in die nächst höhere Altersstufe wechseln müssen, wo sie dann überfordert sind. Und umgekehrt sollten Kinder des älteren Jahrgangs nicht in der niedrigeren Altersstufe mitspielen müssen, was diese dann unterfordert“, argumentiert die SG-Vorsitzende. Beides sei vor der SG-Gründung sowohl in Illingen als auch in Vaihingen aus Spielermangel häufig praktiziert worden. Göbgen wehrt sich auch gegen den Vorwurf Mannhardts, durch die SG habe die Handballabteilung des SV Illingen 99 Mitglieder verloren. Die Illinger Männermannschaft habe schließlich schon vor der SG-Gründung vor dem Zusammenbruch gestanden und ein großer Teil des von Mannhardt bezifferten Mitgliederschwundes sei der Beseitigung einer erheblichen Anzahl von Karteileichen im Jugendbereich geschuldet.

 Schließlich kritisiert Ingrid Göbgen auch die von Illinger Seite durchgesetzte Klausel im SG-Vertrag, wonach die SVI-Abteilung ihre finanziellen Rücklagen auf keinen Fall für den Spielbetrieb der SG nutzen dürfe. „Eine solche Vereinbarung gibt es in Vaihingen nicht. Wozu sind Rücklagen da, wenn nicht, um finanzielle Engpässe zu überbrücken“, hält Göbgen diese Klausel für unsinnig.

 Über die Frage der Finanzen baut Göbgen den SG-Skeptikern im SV Illingen jedoch auch eine Brücke, um zu dem gemeinsamen Projekt zurückzukehren. Nach wie vor bestehe die Vaihinger Seite nicht darauf, die Kosten für Hallengebühren und Jugendtrainer nach dem Proporz der Mitgliederzahlen auf die beiden Vereine zu verteilen. Gegegen dieses Vorgehen, das ansonsten dem gesamten Budget der SG Vaihingen-Illingen hatte sich der SV Illingen bislang stets gewehrt. Göbgen macht keinen Hehl daraus, dass sie ein solches Proporzsystem für sinnvoll hält. Doch einstweilen geht es ihr nur darum, die Spielgemeinschaft der beiden Vereine doch noch irgendwie zu retten.

 Weit weniger diplomatisch geht unterdessen Helmuth Lindner, der Leiter der Vaihinger Handballabteilung, mit Roland Mannhardt ins Gericht. Er vergleicht den langjährigen Abteilungsleiter der SVI-Handballer unverhohlen mit einem trotzigen Kind. Er könne sich Mannhardts Gemütslage beim Zusammenschluss vor zwei Jahren lebhaft vorstellen „Wahrscheinlich hat er trotzig auf den Boden gestampft und gesagt: Eine Spielgemeinschaft mit Vaihingen – unfassbar, das darf es nicht geben. Ohne mich!“, malt Lindner beinahe spöttisch aus und wirft Mannhardt vor, beim SV Illingen nun verbrannte Erde hinterlassen zu haben. Aber auch Lindner fordert Roland Mannhardt auf, seine Emotionen beiseite zu schieben, um die Spielgemeinschaft Vaihingen-Illingen doch noch zu retten. „Der Handballbezirk Enz-Murr hat die SG Vaihingen-Illingen für die beste Jugendarbeit nach den Großvereinen SG Bitigheim-Metterzimmern, 2. Bundesliga, und Kornwestheim ausgezeichnet. Die spielen beide in Ligen, von denen wir nur träumen können. Da erübrigen sich doch alle weiteren Argumente.“

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