Nieferner Normanne holt Silber

Erstellt: 24. Februar 2009, 00:00 Uhr
Nieferner Normanne holt Silber 2,01 Meter und 127 Kilogramm geballte Urkraft: Marco Schmidt aus Niefern jubelt über DM-Silber, eine neue persönliche Bestweite und das EM-Ticket. Foto: dpa

Marco Schmidt stößt die Kugel auf 19,63 Meter und wird Deutscher Vizemeister.

Leipzig – Marco Schmidt aus Niefern-Öschelbronn hat allen Grund zum Jubeln. Der Kugelstoßer beförderte bei den Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaften am Wochenende in Leipzig sein Sportgerät auf 19,63 Meter: DM-Silber und das Ticket zur EM.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

 Bereits mit seinem ersten Versuch hatte Schmidt, der für den VfL Sindelfingen startet, eine neue persönliche Bestleistung erzielt: 19,53 Meter – die EM-Norm bereits geschafft und der Konkurrenz zudem eine harte Nuss vorgesetzt, die letztlich nur der Titelfavorit und amtierende Europameister Ralf Bartels vom SC Neubrandenburg mit 20,08 Metern zu knacken wusste. Dennoch musste Marco Schmidt lange um seine Medaille zittern.

 „Ich hatte eigentlich gedacht, dass Andy Dittmar und David Storl vor mir landen. Schließlich lagen die vor den Meisterschaften in der Bestenliste um einen halben Meter vor mir. Dass ich hier eine Medaille hole, ist der absolute Wahnsinn“, sagt Marco Schmitt. Tatsächlich kam Andy Dittmar (Gotha) dem Nieferner im vierten Versuch mit 19,50 Metern gefährlich nahe, und auch den Jugendweltmeister David Storl aus Chemnitz hatte Schmidt noch bis zum Schluss auf der Rechnung.

 Aus gutem Grund: Storl schaffte im letzten Versuch seine Tagesbestweite, blieb aber mit 19,46 Metern auf Rang vier. Damit hatte Marco Schmidt vor seinem letzten Versuch die Silbermedaille bereits sicher und haute vor lauter Freude noch mal einen raus: Mit seinem sechsten Stoß schraubte Schmidt seinen persönlichen Rekord erneut um zehn Zentimeter nach oben: 19,63 Meter.

 Mit zwölf Jahren war der heute 25-Jährige durch seine Schwester zur Leichtathletik gekommen. Zuvor hatte er bei der TSG Niefern Handball gespielt. Aber auch in seiner neuen Sportart faszinierte den Nieferner, Sportgeräte zu werfen, obwohl er einige Zeit auch als Sprinter über 100 Meter unterwegs war. Seinen ersten Kreismeister-Titel holte Marco Schmidt im Speerwurf, doch letztlich gefiel ihm das Kugelstoßen besser: „Da kann man besser die Gewalt rauslassen“, scherzt er.

Neun Trainingseinheiten an sieben Tagen in der Woche

Gewaltig ist auch seine körperliche Erscheinung: Wer Marco Schmidt die Hand schüttelt, muss aufschauen – es sei denn, man heißt Dirk Nowitzki und spielt Basketball. Mit 2,01 Metern Körpergröße und 127 Kilogramm ist Schmidt ein wahrer Hüne, den man sich schwerlich in seinem Beruf als Versicherungsfachangestellten im Stuttgarter Büro einer Krankenkasse vorstellen mag – eher schon als wackeren Wikinger mit Schwert und eisernem Schild.

 Tatsächlich hat Marco Schmidt ein Faible für die Nordmänner und verbringt schon mal ein paar freie Tage mit Gleichgesinnten bei einem mittelalterlichen Zeltlager. „Dazu habe ich leider wenig Zeit“, bedauert Schmidt, der außerdem Weltrekordhalten im Steinstoß-Zehnkampf und dreifacher Deutscher Meister im 50-Kilogramm- Steinstoßen ist. Der Sport steht neben seinem Schreibtisch-Job mehr denn je im Mittelpunkt seines Lebens.

 Seit Dezember wohnt Marco Schmidt im Sportlerwohnheim beim Leichtathletik-Stützpunkt in Stuttgart-Bad Cannstatt. Täglich, auch an Samstagen und Sonntagen, absolviert er dort sein Training. „Neun Einheiten die Woche, jede zwischen zweieinhalb und drei Stunden“, erklärt Schmidt. Dabei stößt er nicht nur die exakt 16 englische Pfund (7,257 Kilogramm) schwere Eisenkugel. Auch Sprints und Einheiten im Kraftraum gehören zum üblichen Programm. In den kommenden Tagen wird er da noch eine Schippe drauflegen, denn die Hallen-EM, für die er sich am Samstag qualifiziert hat, steht bereits vor der Tür: Am 7. und 8. März werden die kontinentalen Titelkämpfe in Turin ausgetragen.

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