Nicht für Mühlacker entschieden

Erstellt: 26. Mai 2006, 00:00 Uhr
Nicht für Mühlacker entschieden Die Front zur Fußgängerzone: Modell des geplanten Sparkassen-Neubaus in Mühlacker.

Gemeinderat übt harte Kritik an den Neubauplänen der Sparkasse – und an der Informationspolitik

Mühlacker – Der Stachel der Enttäuschung im Gemeinderat sitzt tief, und die Kritik an den Neubauplänen der Sparkasse Pforzheim Calw fällt deutlich aus. „Die Sparkasse hat sich nicht für Mühlacker entschieden“, bemängelt Stadtrat Frank Schneider das Konzept. Hauptvorwurf der Kommunalpolitik an die Bank und ihre Planer: Der neue Komplex werde mit seiner nüchternen Front und rein funktionalen Ausrichtung in keiner Weise dem Wunsch der Stadt nach einer Bereicherung der Fußgängerzone gerecht.

VON THOMAS EIER

„Wir haben uns mehr erhofft“, sagt CDU-Fraktionschef Günter Bächle, „man hat fast den Eindruck, die Sparkasse wende sich mit Grausen von Mühlehof und Bahnhofstraße ab.“ Was in Nagold noch geklappt habe – ein Neubau, der alle zufrieden stellt – sei in Mühlacker gescheitert.

 „Es wird ein alter Block durch einen neuen ersetzt“, zeigt sich FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Schneider „zutiefst enttäuscht“ über die Neubau-Pläne, welche am Dienstag unter anderem in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderats vorgestellt worden waren. „Der rückwärtige Bereich in Richtung Hindenburgstraße ist städtebaulich noch gelungen“, bewertet Harald Töltl (SPD) das Vorhaben, „aber die Ansicht zur Bahnhofstraße ist enttäuschend.“ Zumal, wie Rolf Leo von den Freien Wählern erinnert, die Stadt über zwei Jahre hinweg mehrfach in öffentlichen und internen Appellen darauf hingewiesen habe, dass sie sich eine attraktive Lösung zur Fußgängerzone hin wünscht. „Ich bin enttäuscht – als Stadtrat und als Kunde.“ Klemens Köberle (LMU): „Es ist traurig, aber nicht zu ändern.“

 Eine Arkadenlösung mit kleinen Geschäften und womöglich einem Café – in diese Richtung gingen die Wünsche der Stadtväter. Nun sehen sie im künftigen, neun Millionen Euro teuren Sparkassensitz einen Bau, der zwar die innerbetrieblichen Abläufe verbessere, jedoch keinerlei städtebaulichen Anforderungen erfülle. „Wenn wegen einer Ladenzeile der Platz nicht mehr reicht“, nennt Frank Schneider die Alternative aus seiner Sicht, „dann hätte man lieber eine Etage aufgestockt.“
 Weiterer Kritikpunkt des Gemeinderats: die Verlegung des Eingangsbereichs in Richtung Norden, abgewandt vom Konrad-Adenauer-Platz und der Stadtmitte. „Es ist insgesamt ärgerlich“, fasst Rolf Leo zusammen, „dass nicht versucht wurde, intensiver mit der Kommune zu verhandeln.“ Immerhin, so wird aus Reihen des Gemeinderats betont, handle es sich bei der Sparkasse nicht um eine Privatbank, sondern um ein Unternehmen im gemeinsamen Besitz des Enzkreises, der Stadt Pforzheim und des Landkreises Calw. „Und wir sind die größte Stadt im Enzkreis“, erinnert Frank Schneider.

 Die Präsenz der Sparkasse beim abendlichen Termin im Ratssaal hat nicht zu einer besseren Stimmung beigetragen. „Wenn ich sehe, dass zum Pressetermin am Mittag der Vorstandschef und alle maßgeblichen Vertreter da sind, und abends im Gemeinderat ist keiner da, dann empfinde ich das schon als einen gewissen Affront gegenüber dem Gemeinderat“, macht Rolf Leo an die Adresse des Kreditinstituts deutlich, das die funktionale Konzeption für seinen Neubau vorrangig mit dem eigenen Platzbedarf begründet. Im Übrigen, hieß es am Mittwoch aus der Sparkasse, dessen Vorstand an diesem Tag geschlossen auf dem Sparkassentag in Karlsruhe weilte, sei die neue Fassade durch eine großzügige Schaufensterfront, die auch eine Plattform für punktuelle Aktionen des örtlichen Einzelhandels sein könne, durchaus aufgelockert.
 Trotzdem: Im Ratssaal hadert man nicht nur mit der Ausführung. „Man hätte den Gemeinderat viel früher einbinden sollen“, sagt ein ärgerlicher Harald Töltl, „und das ist ein Vorwurf sowohl an die Stadtverwaltung wie auch an die Sparkasse.“

Vom OB vollen Einsatz verlangt

Er erfahre mittlerweile mehr aus der Presse als von der Verwaltung, beklagt Frank Schneider. „Es ist erste Aufgabe des Oberbürgermeisters, bei den drei wichtigsten Bauvorhaben in Mühlacker mehr als aktiv zu sein“, fordert der Stadtrat mit Blick auf den Sparkassen-Neubau, den Mühlehof-Umbau und den geplanten Neubau der Volksbank in der Bahnhofstraße vom Verwaltungschef „vollstes Engagement und Information des Gemeinderats“.

 Die Hoffnungen der Stadträte, an den Sparkassen-Plänen kurzfristig noch etwas ändern zu können, sind gering – steht doch der Baubeginn unmittelbar bevor. Günter Bächle als Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbands Sparkasse Pforzheim Calw hat am Mittwoch dennoch in einem Schreiben an den Verbandsvorsitzenden, Enzkreis-Landrat Karl Röckinger, seinen Unmut zum Ausdruck gebracht.

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