Nachbarn werden sich nicht einig

Erstellt: 9. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Nachbarn werden sich nicht einig Rein räumlich trennen Maulbronn und Knittlingen nur wenige Kilometer, doch die jeweiligen Vorstellungen, wie eine gemeinsame Werkrealschule aussehen könnte, scheinen derzeit zu weit voneinander entfernt. Archivfoto: Fotomoment, Montage: Fitzner

Maulbronn erteilt gemeinsamer Werkrealschule mit Knittlingen für 2011/2012 eine Absage – Felchle „irritiert“ über Hopp.

„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir Farbe bekennen müssen“, sagt der Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle. Im Fall der geplanten gemeinsamen Werkrealschule mit Knittlingen bedeutet das fürs Erste, dass die Ampel auf Rot springt.

Von Carolin Becker

Maulbronn. „Was wir heute verkünden, wird kein Spaß im Verhältnis zu Knittlingen“, ordnete Felchle in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz die Tragweite seiner öffentlichen Erklärung ein. Wovon seit Monaten die Rede war, was die Gemeinderäte beider Städte im Grundsatz beschlossen haben und wofür es, wie Andreas Felchle betont, auch viele gute Argumente gegeben hätte, ist nun für den Start des nächsten Schuljahres geplatzt und damit in weite Ferne gerückt: eine gemeinsame Werkrealschule, die an der Knittlinger Dr. Johannes-Faust-Schule und der Maulbronner Schule am Silahopp im Herbst 2011 hätte an den Start gehen können.

 Hätte – darauf liegt die Betonung, denn die beiden Kommunen hätten, wie der Maulbronner Rathauschef gestern ausführlich darlegte, zu seinem Bedauern keinen tragfähigen Kompromiss gefunden.

 Felchle war es, der gemeinsam mit Hauptamtsleiterin Barbara Pfisterer, aber ohne den Knittlinger Amtskollegen die vom Gemeinderat unterstützte Entscheidung verkündete. Lange habe er gezögert, „doch jetzt muss etwas passieren“, begründete Felchle den Vorstoß und verwies auf den nahen 15. Oktober als Ende der Frist, die den Schulträgern gesetzt ist, um für 2011/2012 eine Werkrealschule neuen Typs beantragen zu können. Um bis dahin eine Vereinbarung zu schließen, sei es nun definitiv zu spät – was weder am Maulbronner Gemeinderat noch an der Stadtverwaltung liege, wie Andreas Felchle anhand der Chronologie der Ereignisse aufzuzeigen versuchte. So habe Maulbronn sich frühzeitig mit dem Thema Werkrealschule befasst, früher jedenfalls, „als in der Nachbarschaft die Diskussion angelaufen ist, wie man damit umzugehen gedenkt“.

„Die Absagen an Ölbronn-Dürrn
und Neulingen waren nicht
vergnügungssteuerpflichtig“
Bürgermeister Andreas Felchle

Der Gemeinderat, erinnerte Felchle, habe die Verwaltung zunächst mit Sondierungen in Richtung Ölbronn-Dürrn und Neulingen beauftragt, die sich konstruktiv entwickelt hätten, bis schließlich –  über die Gemeinderatsberichterstattung in den Medien – das Knittlinger Interesse an einer Kooperation kundgetan worden sei. Zwar „leicht irritiert“ über den Weg, aber mit Blick auf die traditionell bestehenden Verbindungen in Sachen Realschule sei schließlich in Maulbronn der Grundsatzbeschluss zugunsten einer Partnerschaft mit Knittlingen gefallen. Wie diese Schule an zwei Standorten aussehen könnte, sei Thema von vier Gesprächen der Verwaltungsspitzen gewesen –  allesamt „von wirklicher Kollegialität geprägt“, wie der Maulbronner Bürgermeister unterstreicht. Er selbst habe nicht die „beleidigte Leberwurst“ gespielt, obwohl die Absagen in Richtung der versetzten Partner in Neulingen und Ölbronn-Dürrn „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen seien.

 In den Verhandlungen habe sich herausgestellt, dass zwar die verwaltungstechnische Organisation keine Probleme bereiten würde. Die „rein politische Frage“ allerdings, wer die Stammschule bekäme und wie die Schüler aufgeteilt würden, sei von Seiten der Stadtverwaltungen „nicht konsensual zu lösen“ gewesen. Eine gemeinsame Sitzung beider Gemeinderäte sei von Knittlinger Seite nicht gewünscht gewesen, stattdessen, berichtete Felchle, habe am 21. Juni „in konstruktiver Atmosphäre“ ein Treffen der Fraktionsvorsitzenden und der Verwaltungen stattgefunden. Dabei habe er den Knittlingern einen „sehr weitgehenden Kompromissvorschlag“ unterbreitet: Maulbronn würde auf seine Hauptschule verzichten und als Außenstelle die Klassen fünf bis sieben aus beiden Orten beherbergen. Im Zug dieser sogenannten horizontalen Teilung würden die Acht- bis Zehntklässler der Werkrealschule alle in Knittlingen unterrichtet. „Mein Amtskollege Heinz-Peter Hopp hat wenig gesagt, aber immer wieder betont, er wolle nicht, dass schon die Knittlinger Fünftklässler mit dem Bus nach Maulbronn fahren müssen“, blickte Andreas Felchle zurück. „Wir sind so verblieben, dass die Knittlinger mit dem Angebot in den Gemeinderat gehen.“

 Das Schreiben Heinz-Peter Hopps allerdings, das ihn Mitte Juli erreicht habe, habe keinerlei Entgegenkommen gezeigt. Nach Rücksprache mit dem Maulbronner Rat habe er daraufhin den Kompromissvorschlag noch einmal schriftlich abgefasst und Ende Juli ans Knittlinger Rathaus geschickt. „Seither gibt es keine Antwort, kein Lebenszeichen, nichts“, äußerte sich Felchle „überrascht und irritiert“.

 Die Konsequenz: Nun müsse Maulbronn allein in die Offensive gehen. „Nein, den Krieg wollen wir natürlich nicht erklären“, betonte der Bürgermeister, aber einen vorläufigen Schlussstrich ziehen. Die Stadt werde das Ziel verfolgen, den eigenen Hauptschulstandort zu stärken und – nach Rücksprache mit dem Gemeinderat – die zumindest vorläufige Fortführung der im Rahmen der alten Werkrealschule schon bestehenden Klasse zehn beantragen. Nichtsdestotrotz schlug der Maulbronner Rathauschef die Tür in Richtung Knittlingen nicht endgültig zu. „Wir sind hochgradig interessiert an einer Werkrealschule neuen Typs“, sagte er. Doch um diese mit Knittlingen dann zum übernächsten Schuljahr starten zu können, brauche es „einen Kompromiss auf gleicher Augenhöhe“.

„Knittlingen wird nicht unter
Zeitdruck handeln“
Bürgermeister Heinz-Peter Hopp

Es sei „noch lang nicht aller Tage Abend“, reagierte Heinz-Peter Hopp, als er durch unsere Zeitung von der neuen Entwicklung erfuhr, auf die Nachricht aus Maulbronn. Er respektiere die Maulbronner Sicht. Die bekannten Argumente seien ausgetauscht. Die durchaus „fruchtbaren“ Gespräche hätten aber leider kein weiterführendes Ergebnis erbracht, und Knittlingen werde nicht unter Zeitdruck handeln. Zu einem möglichen Plan „B“ wolle er sich ebenso wenig äußern wie generell zu Verhandlungen hinter geschlossenen Türen.

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