Mundwerker fehlen die Worte

Erstellt: 7. Juni 2006, 00:00 Uhr
Mundwerker fehlen die Worte Der Junge Chor aus Enzberg, der einst „Mundwerk“ hieß, muss sich einen neuen Namen suchen. Foto: Archiv

Chorvereinigung Enzberg wird in Rechtsstreit verwickelt – Münchner Ensemble bietet Wiedergutmachung an

Mühlacker-Enzberg – Der Name „Mundwerk“ ist in der Unterhaltungsbranche markenrechtlich geschützt. Dies musste jetzt der einstige Junge Chor „Mundwerk“ der Chorvereinigung Enzberg schmerzhaft erfahren. Dessen Vorsitzendem, Peter Storch, ist ein Brief einer Augsburger Rechtsanwaltskanzlei ins Haus geflattert mit einer Abmahnung wegen Markenverletzung und einer Unterlassungserklärung, den Namen „Mundwerk“ weiter zu benutzen. Verbunden ist das Schreiben mit einer Zahlungsaufforderung von 1600,57 Euro „Geschäftsgebühr“. Der Rechtsanwalt wurde von einem Ex-Mitglied der Münchner A-Capella- Gruppe „Mundwerk“ beauftragt.

VON FRANK GOERTZ

Was hat ein international gefeierter, semiprofessioneller A-Cappela-Chor aus München daran auszusetzen, wenn im fernen Enzberg eine kleine Chortruppe auch den Namen „Mundwerk“ trägt ? Und vor allem: Warum schießt sie gleich so scharf auf die Konkurrenz, die doch eigentlich gar keine ist ? Unsere Zeitung hat sofort nachrecherchiert und dabei etliche Skurrilitäten ans Tageslicht gezerrt. Den Münchner „Mundwerkern“ ist die Sache nämlich selbst offensichtlich peinlich. Sie bieten sogar ein Benefizkonzert in Enzberg an, um den Schaden wieder gutzumachen.
 Der Reihe nach. Erster Anruf bei Guido Weber, Ensemblemitglied von „Mundwerk“ in München. Weber bestätigt, dass die Gruppe sich den Namen hat markenrechtlich schützen lassen und auch die Initiative ergriffen hat, weil die Enzberger ebenfalls unter dem Namen „Mundwerk“ aufgetreten sind. „Wir haben höflich gebeten, dass der Chor durch eine Namensänderung kenntlich macht, dass er nicht identisch mit uns ist“, sagt Weber. „Wir wollen ihnen nicht den Spaß am Namen verderben. Sie könnten sich ja ,Chor Mundwerk Enzberg‘ nennen.“

 Was hat denn das drastische Schreiben des Rechtsanwalts, der eine Vertragsstrafe von 7500 Euro bei Verstößen androht und 1600,57 Euro „Geschäftsgebühr“ bei einem Streitwert von 50 000 Euro verlangt, mit einer „höflichen Bitte“ zu tun ? Mundwerker Weber fehlen jetzt plötzlich selbst die Worte: „Wir haben keinen Rechtsanwalt beauftragt“, sagt er.

 Weitere Recherchen ergeben, dass die Kanzlei Zanker & Vorbuchner aus Augsburg einen Auftrag von Hans-Jürgen Wieneke hat, der auf der Internetseite von Mundwerk als Ensemblemitglied geführt wird. Hat Weber gelogen ? Ein neuerlicher Anruf bei ihm lüftet den Schleier etwas weiter. „Wieneke ist vor zwei Wochen bei uns ausgeschieden. Die Markenrechte an ,Mundwerk‘ laufen allerdings auf seinen Namen. Er müsste sie auf uns übertragen. Wieneke handelt nicht in unserem Sinn.“

 Unsere Zeitung erwischt Wieneke auf seinem Handy. Es sei jetzt ganz schlecht, er befinde sich in den USA und sitze in einem Meeting. Er könne nicht reden. Es ist 11 Uhr vormittags in Mühlacker. Je nachdem, in welcher US-Zeitzone sich Wieneke gerade aufhält, ist es bei ihm entweder drei, vier oder fünf Uhr morgens. Merkwürdiges Meeting im Morgengrauen. Aber Wieneke bestätigt, dass der Chor ,Mundwerk‘ auf die höflichen Aufforderungen nicht reagiert hat und er die Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet hat. „Die Namensrechte liegen bei mir“, betont Wieneke.

 Unterdessen versucht Weber, den Rechtsanwalt zurückzupfeifen. Ohne Erfolg. Formaljuristisch ist die Sache nämlich einwandfrei, weil die Markenrechte bei Wieneke liegen. Weber meldet sich in der MT-Redaktion, betrübt über den Vorfall: „Ich habe schon mit den anderen beiden Ensemblemitgliedern gesprochen. Wenn die Chorvereinigung Enzberg uns die Zugtickets bezahlt, kommen wir gerne zu einem gemeinsamen Auftritt. Wir treten selbstverständlich ohne Gage auf, so dass die Einnahmen den Schaden decken.“

 Jürgen Hölzle, Ehrenvorsitzender der Chorvereinigung, hört diese Nachricht gerne. Überhaupt bedauert er den Vorgang. Schließlich habe der Verein schon im November nach einem Schriftverkehr mit Wieneke beschlossen, den Namen „Mundwerk“ nicht mehr zu verwenden. „Wir haben schon eine Ausschreibung gestartet, um einen neuen Namen zu suchen“, berichtet Hölzle. Allerdings sei durch Kommunikationsprobleme bei der Einweihung der Hartfeldschule der Name „Mundwerk“ im Programm und in der Presse aufgetaucht.

 Inzwischen hat der Vereinsvorstand die Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterzeichnet. „Wir wollen als Chorvereinigung den Namen ,Mundwerk‘ niemand streitig machen, sondern junge Leute animieren, in einem modernen Chor mitzusingen – und das zu unserem Vergnügen und ohne finanzielle Interessen“, schreibt Peter Storch, Vorsitzender der Chorvereinigung „Freundschaft“ an die von „Original“-Mundwerker Wieneke beauftragte Rechtsanwaltskanzlei.

Weiterlesen
Seltener Gast ist kein Schmusetier

Seltener Gast ist kein Schmusetier

Jäger bestätigt: Waschbär streift auch durch die Region Von Maik Disselhoff Enzkreis. Ein von der Pforzheimer Polizei gemeldeter Wildunfall mit einem Waschbär in der Nähe von Pforzheim macht stutzig, denn… »