Multimedialer Blick über Klostermauern

Erstellt: 31. März 2007, 00:00 Uhr
Multimedialer Blick über Klostermauern Kulturlandschaft aus der VogelperspektiveAnhand der interaktiven Kombination aus Reliefmodell und Animation können Besucher im Infozentrum des Kloster Maulbronn die Kulturlandschaft aus der Vogelperspektive sehen. Foto: Hansen

 Interaktives Landschaftsmodell zeigt Wasserbaukunst und Wirtschaftsweise der Zisterzienser

Maulbronn – Wer sich die Mühe macht, im Info-Zentrum des Klosters Maulbronns die Treppe zum Medienraum hinaufzusteigen, bekommt künftig tiefe Einblicke in die Kulturlandschaft im Umkreis. Ein interaktives Modell veranschaulicht dreidimensional die besondere Topographie der Stadt, aber auch die Wirtschaftsphilosophie und das Wassersystem der Zisterzienser-Mönche, deren Wirken das Erscheinungsbild des ehemaligen Sumpfgebietes bis heute geprägt hat.

VON ISABEL HANSEN

„Es ist erstaunlich, was noch alles von der Arbeit der Mönche zu erkennen ist“, war selbst Konservatorin Dr. Carla Müller von der Abteilung Staatliche Schlösser und Gärten überrascht, wie stark die mittelalterliche Landschaftsarchitektur erhalten geblieben ist. Rund ein Jahr hat sie mit ihrer Kollegin Elke Valentin die Gegend durchstreift, knapp 1000 Fotos geschossen, Bücher gewälzt und in Archiven gestöbert, um Daten für das interaktive Modell zu sammeln. „Die schwierigste Aufgabe war es, die Informationen zu verdaulichen Häppchen zu bündeln und übersichtlich zu gliedern. Es gibt soviel Interessantes zu entdecken, soviel tolle Literatur“, ist Müller begeistert. Rund 45 000 Euro hat das Pforzheimer Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg in das Projekt investiert.

 Die Umsetzung erforderte neben akribischer Handarbeit auch mit viel Hightech. „Die Technik, um ein derartiges interaktives Modell zu realisieren, ist erst in den vergangenen beiden Jahren entwickelt worden. Das Modell wurde exakt nach Höhenangaben maschinell gefräst und ist so robust, so dass es auch angefasst werden kann. Für Videoanimation und Fotos sind enorme Rechnerkapazitäten notwendig“, erläuterte gestern Thomas Krüger von Quomodo Informationssysteme (Reutlingen) bei der Präsentation des Modells.

 In vier Kapiteln zur Lage des Klosters, der Wirtschaft, des Wassersystems und der Wassernutzung finden Besucher am Touchscreen jetzt einen Wegweiser durch die Kulturlandschaft der Klosterumgebung. Die Menü-Unterpunkte führen dabei Schritt für Schritt weiter in die Tiefe und eröffnen in vier Stufen neue Einblicke. Jeder Text wird dabei durch wechselnde Videoprojektionen auf dem 3D-Modell visualisiert. Insgesamt illustrieren noch 200 bis 300 Fotos zusätzlich die Informationen.

  Ein Sonnentag mit seinen Licht- und Schattenseiten lässt sich genauso verfolgen, wie die Lage der Sonnenhänge. Mal zieht das Wege- und Straßennetz seine Linien durch die grüne Landschaft, mal die Bäche und Kanäle der ausgeklügelten Wasserversorgung über Seen und Weiher. Per Knopfdruck können Besucher Klostermühlen mit rotierenden Schaufeln erscheinen lassen oder die Lage der Grenzsteine. Für den Bereich Fischerzeugnisse hat das Recherche-Duo sogar ein Original-Kochrezept von anno dazumal aufgetrieben. Der Wissbegierde sind kaum Grenzen gesetzt. Und: „Das System ist so angelegt, dass es jederzeit ausgebaut werden kann“, hat Konservatorin Müller schon weitere Pläne im Kopf.

 „Die Kulturlandschaft hier legt ein beredtes Zeugnis vom Schaffen der Zisterzienser-Mönche ab und ist ein wesentlicher Faktor des Klosters Maulbronn“, betont Günter Bachmann, Leitender Baudirektor beim Amt Vermögen und Bau. „Die baulichen Meisterleistungen der Mönche erfahren häufig nicht die Beachtung, die sie verdienen“, so Bachmann. Das interaktive Landschaftsmodell soll das Interesse der Besucher an einer Entdeckungsreise über die Klostermauern hinaus wecken. Denn eines kann und soll die Miniaturlandschaft im ersten Stock des Infozentrums nicht ersetzten: den echten Spaziergang. „Das Erleben der Realität – eins zu eins – ist besser als jede Projektion“, verspricht Baudirektor Bachmann.

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