Mühlehof-Kultursäle auf dem Prüfstand

Erstellt: 3. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Mühlehof-Kultursäle auf dem Prüfstand Volles Haus im Mühlehof beim Neujahrsempfang der Stadt. Vordergründig gilt der Gottlob-Frick-Saal als Mühlackers gute Stube, doch vor und hinter den Kulissen nagt der Zahn der Zeit. Die Kosten für eine grundlegende Renovierung der Ausstattung und der technischen Einrichtungen belaufen sich nach einer früheren Schätzung auf annähernd sechs Millionen Euro. Archivfoto: Fotomoment

Technik ist veraltet – Parkett löst sich – Sanierung oder Neubau: Experten sollen dem Gemeinderat Entscheidungshilfe leisten.

Was ist sinnvoller und wirtschaftlicher: die in die Jahre gekommenen Mühlehof-Kultursäle sanieren oder als Ersatz eine Kulturhalle bauen? Diese Frage soll eine Studie klären, die der Gemeinderat in der nächsten Woche voraussichtlich in Auftrag geben wird.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. Im Mühlehof finden regelmäßig hochkarätige Veranstaltungen statt. TV-bekannte Stars geben sich hier die Klinke in die Hand. Doch der Zustand des rund 30 Jahre alten Kulturzentrums, dessen Betrieb die Stadt einschließlich der derzeit zurückgehaltenen Miete an die Firma Echo, des Theaterbetriebs und der Bauunterhaltung jährlich rund 700000 Euro kostet, ist nicht mehr zeitgemäß.

 Die Technik sei so betagt, dass sich kaum Ersatzteile finden ließen, sagt Bürgermeister Winfried Abicht. Junge Techniker täten sich sogar schwer, mit den Apparaturen zurechtzukommen, weil sie ihnen nicht mehr geläufig sind. Ob Licht, Ton oder Steuerung – die veraltete Ausstattung der Schaltzentrale im Mühlehof sei heute nicht mehr marktgerecht.

 Aber auch an anderer Stelle ist das Innere des Mühlehofs vom Zahn der Zeit angenagt. Im großen Saal löst sich der Parkettboden auf, und die jahrzehntealten Stühle seien „abgewirtschaftet“, so Abicht.

 Doch dies ist nur ein Problempaket von mehreren. Ebenfalls ein Manko sei, dass sich der Frick-Saal nicht unterteilen lasse. Wäre dies möglich, könnten vielleicht zwei Veranstaltungen gleichzeitig nebeneinander laufen. Und bei nur einer, weniger stark besuchten kämen sich die Gäste im Publikum nicht so verloren vor wie in einem Raum von riesigen Ausmaßen.

 Und schließlich, so der Bürgermeister, verfügten die Kultursäle, die in harter Konkurrenz zu Veranstaltungsstätten in anderen Kommunen stehen, nicht über Tageslicht, was aber notwendig wäre, falls der Mühlehof künftig verstärkt als Austragungsort für Kongresse dienen sollte.

 „Mithin türmt sich die Frage auf: Welcher Art von Kultur muss und will ich gerecht werden ?“, bringt Abicht es auf den Punkt. Ungeachtet des Dilemmas, dass die Zukunft des Mühlehofs noch immer unklar ist, müsse die Stadt sich überlegen, was sie im Hinblick auf die Kultursäle anstrebe.

 Dazu ist freilich die Grundsatzfrage zu klären, ob die Kultursäle samt Volkshochschulräumen erhalten und saniert werden oder ob es längerfristig wirtschaftlicher wäre, eine neue Kulturhalle zu bauen. Unterstützung und Entscheidungshilfe soll die Firma Drees &Sommer leisten, die als Projektsteurer schon an Theatern in anderen Städten tätig war, und der der Gemeinderat laut Tagesordnung am Dienstag den Auftrag über eine Machbarkeitsstudie für rund 28738 Euro erteilen soll.

 In einer Schätzung der Stadtverwaltung wurden vor einiger Zeit die Kosten für eine Sanierung der Räume, für deren Unterhaltung die Kommune zuständig ist, auf etwa 5,8 Millionen Euro veranschlagt. Aktuelle Zahlen soll nun das Fachbüro liefern, von dem außerdem Auskünfte zu Funktionsschema und Raumprogramm sowie zu einem Konzept für eine etwaige Sanierung und – alternativ – zu Möglichkeiten eines Neubaus erwartet werden. Von „fünf Standorten“ ist in den Sitzungsunterlagen die Rede. Um welche es sich dabei handelt, wollte Bürgermeister Abicht noch nicht sagen, weil darüber im Gemeinderat zuerst nichtöffentlich gesprochen werden solle. Indes: Bereits in der Vergangenheit waren das Areal Lienzinger Tor (ehemaliger Busbahnhof), das Käppele oder – im Falle eines Mühlehof-Abrisses – dessen Standort inoffiziell im Gespräch. Ausreichend Platz wäre überdies auf dem früheren Produktionsgelände in der Ziegelei vorhanden.

 Übrigens: Die anstehenden Entscheidungen sollen nicht unter Ausschluss der an dem Thema stark interessierten Öffentlichkeit fallen. Wie Winfried Abicht schon mal ankündigt, sei eine große Informationsveranstaltung samt Diskussionsrunde für Bürger vorgesehen. Die Moderation, so ist es angedacht, könnte ebenfalls die Firma Drees&Sommer übernehmen. Ort: passenderweise vermutlich der Mühlehof.

Weiterlesen
Statt Feuern nur noch Feiern

Statt Feuern nur noch Feiern

Nach 35 bewegten Jahren ist Schluss: Schützenteam des ESV Mühlacker beendet sportliche Laufbahn. Beim Eisenbahnersportverein Mühlacker ist eine Ära zu Ende gegangen: Im Dezember beendeten die Schützen ihren letzten Runden-Wettkampf…. »