Mühlehof: erweitern oder abreißen

Erstellt: 30. Juli 2009, 00:00 Uhr
Mühlehof: erweitern oder abreißen Ein Hoffnungsschimmer am Horizont oder die endgültige Götterdämmerung: Die Eigentümerfirma Echo hat für den Mühlehof-Standort zwei neue, spektakuläre Konzepte vorgelegt, die einen Abriss ebenso ins Kalkül ziehen wie eine Erweiterung um ein neues Kaufhaus auf der anderen Straßenseite. Dazu soll die vierspurige Bundesstraße auf einer Länge von 55 Metern überbaut werden. Foto: Eier

Eigentümer Echo legt ein neues, spektakuläres Konzept für ein Einkaufszentrum in der Stadtmitte vor

Ein neues Einkaufszentrum, das sich vom ehemaligen Mühlehof über die B10 bis auf die andere Straßenseite erstreckt: Nach jahrelangem Stillstand meldet sich die Eigentümerfirma Echo mit einem völlig neuen und sehr ehrgeizigen Konzept zurück. Ein Abriss des Mühlehofs gilt als eine Option.

 Von Thomas Eier

Mühlacker. Bernhard Haas geht aufs Ganze. Nach über drei Jahren, in denen die Vertreter der Echo Immobilien Entwicklung GmbH bei ihren Auftritten in Mühlacker nicht viel mehr zu bieten hatten als Durchhalteparolen, legt der neue Geschäftsführer nach einem halben Jahr im Amt zwei konkrete Bauvoranfragen auf den Tisch – und beide haben es in sich. Die Verkaufsflächen verdoppeln, die vierspurige Bundesstraße überdeckeln, den Mühlehof abreißen oder gegenüber ein neues Kaufhaus bauen? Sogar Oberbürgermeister Arno Schütterle, der den Vorstoß der Firma Echo ausdrücklich unterstützt, spricht von „zwei extremen Varianten“. Auf weit mehr als zehn Millionen Euro schätzt Bernhard Haas die für einen echten Neuanfang notwendigen Investitionen seines Unternehmens.

 Klotzen statt kleckern, heißt das neue Motto, und es ist aus der Erkenntnis geboren, dass mit dem Mühlehof in heutiger Form kein Staat zu machen ist. „Die Ziele, die wir uns gemeinsam mit der Stadt gesetzt haben, sind im alten Bestand nicht zu verwirklichen“, erklärt Haas das Unternehmen Wiederbelebung für gescheitert. Für die bescheidenen 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Mühlehof, die von Stützen durchzogen und nur über Stufen zugänglich sind, werde sich kein zugkräftiger Hauptmieter finden lassen, weder ein größerer Supermarkt noch ein Kaufhaus. „Ohne diesen großen Ankermieter und seine Magnetwirkung kann jedoch auch der kleinere Einzelhandel im Umfeld nicht funktionieren“, macht der Echo-Chef klar. Deshalb sei die einzige Lösung, größere Verkaufsflächen auf einer Ebene zu schaffen, und dafür brauche es eine Erweiterung des Mühlehofs – oder einen Abriss.

 Doch der Gedanke an einen Abschied von den Kultursälen fällt vielen Stadträten schwer (siehe Artikel unten). Auch OB Schütterle redet noch keinem Abbruch das Wort, kann sich stattdessen „Kombinationen“ aus beiden Varianten und „Kompromisslösungen“ vorstellen. Was er sich aber nicht vorstellen kann, ist ein Rückkauf des Mühlehofs durch die Stadt. Die Stadt wäre damit überfordert, die Gewerbeflächen selbst zu vermarkten, und als Zentrum für städtische Einrichtungen wie dem Jugendhaus wiederum seien die Kosten für die Sanierung und den laufenden Betrieb des Mühlehofs viel zu hoch, warnt Schütterle.

 Der Vorstoß von Echo entspreche dem Wunsch der Stadt und ihres Gemeinderats, die Stadtmitte als attraktiven Einzelhandelsstandort zu stärken und neu zu beleben. Mühlacker brauche zusätzliche Verkaufsflächen, verweist Schütterle auf den starken Kaufkraftabfluss in die Großstädte und wirbt für die Echo-Pläne als einer großen Chance für die Stadt. Die zusätzlichen 4000 bis 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Stadtmitte seien allein dafür nötig, die heutigen Kunden in der Stadt zu halten, relativiert der OB die Bedenken aus den Reihen des Gemeinderats, ein neues Einkaufszentrum könnte zu Lasten der kleineren Geschäfte gehen.

 Nach der Sommerpause hoffen Bernhard Haas und Echo auf ein rasches Signal der Stadt, ob diese große Lösung –  unabhängig von der konkreten Variante –  mitgetragen werde. Parallel dazu prüfe bereits ein Ingenieurbüro die technische Machbarkeit. Gebe die Stadt grünes Licht, würden zunächst die weiteren Schritte mit dem künftigen Ankermieter abgestimmt. Kontakte zu Interressenten gebe es, sagte Haas ohne Namen zu nennen. Allerdings hatte es in der Vergangenheit schon geheißen, Kaufland hätte generell Interesse am Standort Mühlacker, jedoch nicht im heutigen Mühlehof.

„Ich habe unterstellt, die Stadt
wäre froh über neue Räume. Das habe ich falsch eingeschätzt.“

Echo-Chef Bernhard Haas nach einer internen Diskussion im Gemeinderat

 Die Frage des Kulturbetriebs hält der Echo-Chef nicht für eine unüberwindliche Hürde. „Ich habe unterstellt, die Stadt wäre froh über neue Räume, aber das habe ich falsch eingeschätzt“, berichtet Haas von einem internen Schlagabtausch im Gemeinderat. Er empfiehlt der Stadt ein Betreibermodell, wonach ein privater Investor eine Stadthalle baut und danach an die Stadt vermietet. „Sie bezahlt schließlich heute auch viel Geld für die Miete.“

In der Übergangszeit bis zum Baubeginn in der Stadtmitte könnte sich im Mühlehof für zwei oder drei Jahre ein Bonus-Supermarkt ansiedeln, berichten Haas und Schütterle von erfolgreichen Gesprächen. Die circa 20 Bonus-Supermärkte im Land werden von sozial benachteiligten Jugendlichen und von Langzeitarbeitslosen betrieben und in aller Regel von der Arbeitsagentur und der Kommune subventioniert.

Info
Zwei Varianten: Echo hat große Pläne – mit oder ohne Mühlehof

Variante 1: Der Mühlehof wird inklusive seiner Tiefgarage abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dieses neue Einkaufszentrum erstreckt sich mit einer Verkaufsfläche von 8000 Quadratmetern vom heutigen Mühlehof-Areal quer über die B10, die auf einer Länge von 55 Metern überdeckelt wird, bis auf die andere Straßenseite. Die Stadt zieht mit ihrem Kulturbetrieb aus und baut –  möglicherweise im Käppele – eine neue Stadthalle oder eine Mehrzweckhalle für Kulturveranstaltungen und Sportbetrieb.
Variante 2: Der Mühlehof bleibt stehen und dient mit seinen kleineren Geschäften als eine Art von Eingangstor ins neue Einkaufszentrum, das sich direkt auf der überdeckelten B10 anschließt. Gegenüber, auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Keefer, entsteht ein neues Kaufhaus, das den Mühlehof ergänzt. Insgesamt ergäbe dies – mit den 4000 Quadratmetern im Mühlehof – eine Verkaufsfläche für den Einzelhandel von 10000 Quadratmetern. Die heutigen Kultursäle bleiben erhalten. (the)

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