Mühlehof blockiert Revier am Bahnhof

Erstellt: 26. August 2010, 00:00 Uhr
Mühlehof blockiert Revier am Bahnhof Auslaufmodell: Im Revier in der Goldshalde leiden die Beamten unter akuter Platznot. Doch das ehemalige Metzler-Areal und die alte Post sind mittlerweile als Alternativen ausgeschieden. Foto: Sadler

Zwei wichtige Projekte in Mühlacker sind eng miteinander verquickt – Bau einer Kulturhalle? OB will rasch entscheiden

Wo das künftige Revier der unter Platznot leidenden Mühlacker Polizei angesiedelt wird, ist weiter unklar. Dass die Suche so schwierig ist, liegt auch daran, dass die Standortfrage mit der ungewissen Zukunft des Mühlehofs und dem eventuellen Bau einer städtischen Kulturhalle verknüpft ist.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. „Ich kann nicht sagen, wie lange die Suche noch dauern wird“, sagt Thea Karcher-Kastner, Leiterin der Abteilung Immobilienmanagement der Landesbehörde Vermögen und Bau in Pforzheim, die in der Angelegenheit sowohl mit der Polizei als auch mit der Stadtverwaltung in engem Kontakt steht. Gewünscht sei eine „wirtschaftliche Lösung“, wobei das Land lieber ein altes oder neues Gebäude anmieten würde, als selbst für viel Geld – im Gespräch sind geschätzte Kosten von sechs Millionen Euro – zu bauen.

 Klar ist derzeit nur, wo nach dem heutigen Stand kein Domizil für die Ordnungshüter eingerichtet wird: Mit dem ehemaligen Metzlergebäude an der Ziegeleistraße und der ehemaligen Post an der Ecke Bahnhof-/Poststraße sind gleich zwei Alternativen inzwischen aus dem Rennen.

 Dennoch seien derzeit mehrere „gleichwertige Standorte“ im Gespräch, berichtet Karcher-Kastner. Einer von ihnen ist das Areal Lienzinger Tor beim früheren Busbahnhof, wo ein Neubau für das Revier günstig gelegen wäre. Das Dilemma: Unter Umständen benötigt die Kommune diese Fläche selbst. Was wiederum mit der Zukunft des Mühlehofs und den damit verbundenen Unklarheiten zusammenhängt.

 „Alles ist miteinander verquickt“, stellt Oberbürgermeister Frank Schneider fest. Würde der Mühlehof abgerissen, bräuchte die Stadt einen geeigneten Platz für eine neue Kulturhalle. Ein möglicher Standort, so Schneider, könnte eben gerade das Lienzinger Tor sein, das einzige in Frage kommende Gelände in städtischem Eigentum.
 Dass dort ein Polizeirevier und eine Halle gleichermaßen angesiedelt werden könnten, bezweifelt der OB. Vermutlich würde es dann zu eng zugehen, schließlich sei die Polizei auch auf ausreichende Anfahr- und Parkmöglichkeiten angewiesen.

 „Wir wollen, dass das Revier und die Außenstelle der Kriminalpolizei Pforzheim in Mühlacker bleiben und sind bemüht, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird“, macht Frank Schneider klar. „Es ist ein gewisser Zeitdruck da“, weiß der Rathauschef, der dafür Verständnis zeigt, dass die Polizei aufs Tempo drückt.

 Er sei daran interessiert, dass der Gemeinderat noch im laufenden Jahr Grundsatzentscheidungen – etwa: Mühlehofnutzung durch die Stadt wie bisher oder ersatzweiser Hallenneubau – treffen könne, doch hänge dies nicht zuletzt von der Firma Echo und dem Ausgang des Verfahrens am Landgericht Karlsruhe ab.

 Wie berichtet, klagt Echo auf Zahlung von rund 63000 Euro Miete, die die Stadt dem Unternehmen wegen mangelnder Vertragserfüllung vorenthalten hat. Darauf hat die Stadt mit einer Klageerwiderung und einer Teilwiderklage reagiert und fordert Schadensersatz in Höhe von angeblich einer Million Euro. Einen Verhandlungstermin gebe es noch nicht, so Schneider, der hofft, dass die Streitsache vom Landgericht bis spätestens Oktober auf die Tagesordnung genommen wird, „damit man mal eine konkrete Verhandlungsposition hat“. Befinde das Gericht, dass die Kommune verpflichtet sei, Miete für die Kultursäle im Mühlehof zu entrichten, werde keine Kulturhalle gebaut. Weder er noch der Gemeinderat wolle das Thema vor sich herschieben; leider „sind es bislang nur winzige Schritte, die man vorwärtskommt“, bedauert Oberbürgermeister Schneider, der sich darüber im Klaren ist, dass die Mühlehof-Frage eines der wichtigsten Probleme der Stadt ist und „alle Bürger belastet“.

 Dass es weitergeht, und zwar speziell im Hinblick auf einen Standort für das Polizeirevier, wünscht sich auch der stellvertretende Mühlacker Revierleiter Siegfried Albrecht. In der derzeitigen Bleibe „klemmt es an allen Ecken und Enden“, moniert er. Die Mühlacker Polizei habe einen Platzbedarf für rund 75 Beamte; auch wenn im Revier derzeit, ohne die erhoffte Personalaufstockung, etwa zehn Beschäftigte weniger unterzubringen seien.

 Abgesehen von der Enge weise das jetzige, 1998 bezogene Revier auch bezüglich seiner „Struktur“ Defizite auf. Im Klartext: Die räumliche Einteilung werde den Arbeitsabläufen nicht mehr gerecht.

 Ideal fände es Siegfried Albrecht, wenn das Land nicht ein Gebäude anmieten, sondern selbst ein Revier hinstellen würde, das den Bedürfnissen der Polizisten besser entspräche, als wenn ein Investor baue.

Weiterlesen
Ötisheim feiert und trauert

Ötisheim feiert und trauert

Tennis: Damen 50 feiern die Vizemeisterschaft in der Württembergliga – Herren 55 steigen aus dem WTB-Oberhaus ab Freud und Leid liegen beim TC Ötisheim nahe beisammen. Während die Damen 50 Platz… »