Mühlacker fürchtet Stuttgart 21 nicht

Erstellt: 29. November 2011, 00:30 Uhr
Mühlacker fürchtet Stuttgart 21 nicht Ab nach Stuttgart: Das Misstrauen gegenüber der Bahn hält sich in Mühlacker und der Region in Grenzen. Allerdings gibt es klare Forderungen nach einem attraktiven Fahrplan.Archivfoto: Disselhoff

Mühlacker. 2019 soll der Tiefbahnhof in der Landeshauptstadt fertig sein, und bis dahin ist nach dem bisherigen Zeitplan der barrierefreie Umbau des Mühlacker Bahnhofs längst über die Bühne. Noch vor Weihnachten, kündigt Bürgermeister Winfried Abicht an, fänden weitere Gespräche mit den Vertretern der DB Station und Service statt, in denen es um erste Entwürfe für die Modernisierung gehen soll.

Die Stadt hat bereits ihre Zusage gegeben, sich mit 900000 Euro an einem „neuen“ Bahnhof zu beteiligen. Er gehe davon aus, macht der OB-Stellvertreter klar, dass sowohl der Zeitplan als auch der Kostenrahmen von etwa fünf Millionen Euro eingehalten werde. Das Milliardenprojekt S21, das auch in Mühlacker einen großen Rückhalt genießt (siehe Infokasten), sei völlig getrennt davon zu betrachten, hätten die Vertreter der Bahn stets betont.

Erst kommt Pforzheim dran, dann Mühlacker, und die Stadt drängt darauf, dass spätestens im Frühjahr 2015, wenn die Besucher zur kleinen Gartenschau anreisen, der Bahnhof keine Baustelle mehr ist. Gleichzeitig will die Bahn bis dahin kräftig in den Lärmschutz entlang der Trasse durch Mühlacker und Enzberg investieren.

Weil aber der schönste behindertengerechte Bahnhof ohne attraktive Verbindungen nichts bringt, hat Matthias Lieb aus Mühlacker als Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland unmittelbar nach dem S-21-Votum seine Forderung nach einem konsequenten, durchgängigen 30-Minuten-Takt mit schnellen Regionalzügen für die Strecke von Karlsruhe nach Stuttgart erneuert (wir haben berichtet). Nur dann ließen sich die heutigen Anschlüsse an den ICE halten. „Wir wollen nicht abgehängt werden“, pflichtet Bürgermeister Abicht bei, was den Fahrplan nach 2019 betrifft.

Der Enzkreis, betont Landrat-Stellvertreter Wolfgang Herz, halte an seinen Forderungen fest, wobei die Region den Halbstundentakt vor allem in den Hauptverkehrszeiten wünscht und dazu einen Ausbau des Stadtbahnverkehrs zwischen Mühlacker und Pforzheim. „Da gibt es ein klares Signal“, sagte Herz, „und wir werden uns mit Blick auf unsere Ziele immer wieder einbringen.“ Matthias Lieb hatte bereits kritisiert, die gemeinsame Forderung der Region gehe nicht weit genug und bedeute sogar eine Verschlechterung gegenüber dem Status quo.

Axel Hofsäß, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Pforzheim-Enzkreis (VPE), rechnet nicht damit, dass sich S21 negativ auf den etablierten Nahverkehr auswirken könnte. Stattdessen weist er auf das neue Metropolticket hin, das ab dem neuen Jahr einen reibungsloseren Übergang ins Gebiet des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) und damit eine bessere Anbindung an die Landeshauptstadt gewährleiste. „Das Ticket ist einfach zu nutzen, und man kann von der Bahn bis zum Bus alles fahren“, fasst Hofsäß die Vorzüge zusammen.

Allerdings gibt es vorerst nur das Tagesticket für 18,50 Euro, der Einzelfahrschein soll ein Jahr später folgen. „Hier ist es sehr viel schwieriger, die Einnahmen unter allen Partnern entsprechend aufzuteilen“, nennt der VPE-Chef die Finanzen als Grund für die langwierigen Verhandlungen. Beteiligt sind neben VPE und VVS der Heilbronner Verbund, der Kreisverkehr Schwäbisch Hall, der Verbund Ostalb Mobil, der Filsland Mobilitätsverbund, der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau und die Verkehrsgesellschaften Freudenstadt und Calw. Wer das Metropol-Tagesticket für 18,50 Euro löst, kann – analog zum System „21 + 4“ des Baden-Württemberg-Tickets – vier Mitreisende zum Fahrpreis von jeweils vier Euro mitnehmen. Damit bezahlt eine fünfköpfige Gruppe, die von Mühlacker auf den Wasen will, für Zug und Straßenbahn insgesamt 32,50 Euro.

Für Gäste von außerhalb, die das Metropolticket vorzeigen, gewähren das Kloster Maulbronn und die Schmuckwelten in Pforzheim einen Nachlass beim Eintritt.

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