Mit Kraft und Mut Gemeinschaft spüren

Erstellt: 28. März 2009, 00:00 Uhr
Mit Kraft und Mut Gemeinschaft spüren Wie nimmt man seinen Gegner richtig in den Schwitzkasten? Manfred Stüber zeigt es seinen jungen Schülern. Foto: Stahlfeld

Manfred Stüber bringt 17 Schülern das Ringen bei und hofft auf Nachwuchs für den TV Mühlacker.

Auf der Matte lernen die Hauptschüler auch für’s Leben. Denn: „Ringen ist ein Sport mit Regeln“, sagt Manfred Stüber. Seit Anfang Februar trainiert der Vater der Europameisterin 2007 und mehrmaligen Deutschen Meisterin Stefanie Stüber 17 Schüler der Schillerschule in der Enztalsporthalle. Der Routinier hofft, dass dem TV Mühlacker daraus in einiger Zeit wieder eine konkurrenzfähige Ringerriege erwächst. Und die Schüler lernen beim ihm nicht nur den Sport kennen.

VON ULRIKE STAHLFELD

„Es sind viele Talente dabei“. Manfred Stüber ist zufrieden, wenn er nach den ersten sechs Wochen in die Runde schaut. Die 17 Schüler der Klassen fünf bis neun der Schillerschule in Mühlacker haben in kurzer Zeit ein gutes Gemeinschaftsgefühl entwickelt und den Spaß am Sport entdeckt. Als der Konrektor der Schule, Hans-Gerd Barth, vor Monaten bei Stüber anfragte, ob er Interesse hätte, eine Arbeitsgemeinschaft im Ringen zu leiten, da zögerte der nicht lange: „Meine Tochter ging auch in diese Schule.“ Und als Trainer von Stefanie Stüber war der Papa bekanntlich sehr erfolgreich. Die inzwischen 25-Jährige war unter anderem 1998 Vize-Weltmeisterin in ihrer Alters- und Gewichtsklasse, seither mehrmals Deutsche Meisterin bei den Frauen bis 63 Kilogramm und nicht zuletzt vor zwei Jahren Europameisterin.

Insgeheim hat der Trainer mit der Gruppe große Pläne

Am kommenden Freitag steht Stefanie Stüber übrigens wieder bei den Europameisterschaften auf die Matte, dann geht es in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, um die Medaillen. Da wird ihr Vater Manfred Stüber sicherlich das Handy ständig bei sich tragen, um ganz schnell vom Abschneiden seiner Tochter zu erfahren. Und auch die Schüler seiner AG drücken ihr natürlich die Daumen.

 Das Ringen insgesamt liegt Manfred Stüber am Herzen, und ganz besonders natürlich das in Mühlacker. Bis 2003 kämpften die Ringer des TV Mühlacker in der Verbandsliga. „Dann wurden uns die Ringer weggekauft“, beklagt Manfred Stüber. Der Versuch, dann eben mit dem eigenem Nachwuchs eine Etage tiefer in der Landesliga zu ringen, scheiterte. Die jungen Sportler waren ihren Gegnern in dieser Leistungsklasse noch nicht gewachsen. „Wir haben da einige deftige Niederlagen kassiert. Einige verloren darüber gar den Spaß am Ringen und hörten ganz auf“, wie Stüber erzählt. Und so verfolgt Stüber mit der Ringer-AG noch ganz andere Pläne.

 „Vielleicht bringen wir auf diesem Weg wieder eine Mannschaft zusammen“, hofft er. Bis dahin ist es zwar noch weit. Doch einige der Schüler hat das Fieber schon gepackt. Sieben Jugendliche nehmen bereits am Training des TV Mühlacker teil. Manfred Stüber ist es wichtig, dass die Schüler Spaß haben. Auf Grundlagentraining hat er bislang in der AG verzichtet. „Weil dafür bei einigen noch die Voraussetzungen fehlen“, begründet Stüber.

Am letzten Mittwochnachmittag geht es dafür erst mal im leichten Dauerlauf durch die Halle. Stüber will, dass seine Schützlinge fit werden. Denn für das Ringen brauche es Ausdauer, Kraft, Mut und Risikobereitschaft, wie er sagt. Stüber: „Und es ist wichtig, in einer Gemeinschaft zu sein.“

Die ersten Purzelbäume überzeugen Emir Aydin

Der Trainer hat den richtigen Draht zu seinen Schützlingen. Die kommen gern zum Training. Emir Aydin gefällt es, Sport zu treiben. Und nach den ersten Trainingseinheiten mit Purzelbäumen und Judorollen ist sich der Elfjährige sicher: „Ich möchte Ringer werden.“ Als einzige Mädchen in der Runde fühlen sich die Schwestern Julia und Schükran Barutcu ganz wohl in der Gruppe. „Wir haben Spaß und wollen üben, üben“, sagen die beiden und demonstrieren mit einem Kopfzug, was sie bereits gelernt haben.

 Ob die Schüler eines Tages Griechisch-Römisch oder im Freistil ringen, das ist für Stüber im Moment völlig zweitrangig. Für ihn ist es wichtig, dass die Jugendlichen die ersten Grundlagen lernen und fit werden. Fit nicht nur für das Ringen, sondern auch für das Leben außerhalb der Turnhalle.

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