Mit Gurt wären einige noch am Leben

Erstellt: 31. Januar 2009, 00:00 Uhr
Mit Gurt wären einige noch am Leben Wer ohne Gurt ertappt wird, zahlt 30 Euro. Polizeihauptmeister Roland Meyer kontrolliert, ob die Autofahrer angeschnallt sind. Foto: Heinemann

Polizei startet in Pforzheim eine zweiwöchige Kampagne – Nicht angeschnallte Autofahrer leben gefährlich.

Pforzheim – Rot-weiße Warnhütchen und ein Polizist mit erhobener Kelle, da regt sich bei vielen Autofahrern fast automatisch das schlechte Gewissen. Die meisten Fahrzeuglenker hatten gestern aber nichts zu befürchten. Auf der Eisinger Landstraße in Pforzheim hielten Polizeibeamte schwerpunktmäßig nach Gurtmuffeln Ausschau.

VON CHRIS HEINEMANN

Die zweistündige Aktion, an der insgesamt neun Verkehrspolizisten des Nord- und des Südstadtreviers beteiligt waren, bildete den Auftakt zu einer bis zum 12. Februar geplanten Gurtkampagne der Pforzheimer Polizeidirektion in Stadt und Enzkreis. „Unter 100 kontrollierten Fahrzeugen waren zwei Fahrer nicht angegurtet“, verkündet Einsatzleiter Joachim Salewski schon nach einer Dreiviertelstunde. Seine Folgerung: „Der Warneffekt ist da.“

 Doch offenbar nicht bei allen. „Guten Morgen, Polizeikontrolle, Sie hatten keinen Gurt angelegt“, begrüßt Polizeihauptmeister Roland Meyer den Fahrer eines Pritschentransporters. Vom offensichtlich über die Brust gespannten Gurt lässt sich der Beamte nicht beirren und verweist auf die Beobachtung seiner 400 Meter weiter vorne in einem Zivilfahrzeug stationierten Kollegen. Da der Mann auch noch seinen Führerschein vergessen hat, muss er eine Überprüfung über sich ergehen lassen. Ergebnis: zehn Minuten Wartezeit und eine Verwarnung von 30 Euro wegen Fahrens ohne Gurt. Dabei habe er nur mal schnell einen Kilometer weit zu einem Kunden fahren wollen, rechtfertigt sich der Fahrer, zeigt dann aber auch Einsicht: „Eigentlich weiß man es ja.“

 Rund 90 Prozent der Ertappten äußerten Verständnis, so die Erfahrung von Polizeihauptmeister Meyer. Vorausgesetzt, man gebe ihnen das Gefühl, dass sie nicht abgezockt werden, sondern dass ihre Sicherheit im Vordergrund steht. Für den Beamten ist klar: „Viel kommt darauf an, wie man mit den Leuten redet.“ Dennoch gebe es Unbelehrbare. „Die Leute meinen, dass ihnen nichts passieren kann, wenn sie sich selbst richtig verhalten.“

 Diese Sorte Fahrer versuchen die Beamten mit Bildern und einem Kurzfilm in einem Leitstellenfahrzeug zu beeindrucken: Schockierende Fotos von einem Unfall auf der Autobahn bei Pforzheim, bei dem ein nicht angegurteter Fahrer halb zum Beifahrerfenster hinausgeschleudert und von der Leitplanke buchstäblich geköpft wurde. Daneben Filmszenen, die vorführen, wie ein Einzelner ohne Gurt zwei angeschnallte Insassen mit in den Tod reißen kann. „Mit Gurt wären einige noch am Leben“, ist sich Roland Meyer sicher.

 Die wachsende Zahl von Verunglückten, deren Tod auf das Nichtanlegen des Gurts zurückzuführen ist, bildet den Hintergrund der Polizeiaktion. 14 von 37 in den vergangenen vier Jahren tödlich verunglückten Fahrzeuginsassen waren ohne Gurt unterwegs, betont Polizeisprecher Andreas Reuster. Allein im vergangenen Jahr traf dies auf sieben von elf Getöteten zu. Erst vor 14 Tagen starb auf der Eisinger Landstraße der Fahrer eines Mittelklassewagens, als er mit einem Kleinwagen zusammenstieß.

 „Obwohl er das stabilere Auto fuhr, kam er ums Leben, weil er nicht angegurtet war“, so der Einsatzleiter.

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