Mit flatternden Ohren über Stock und Stange

Erstellt: 31. Dezember 2008, 00:00 Uhr
Mit flatternden Ohren über Stock und Stange Snowflake und Magic (v.l.) freuen sich auf die leckere Belohnung von Karen Conrad.

Die Hundesportart Agility fordert körperliche und geistige Fitness – nicht nur von den Vierbeinern

Wo für gewöhnlich Hufe trappeln und Nüstern schnauben, tapsen dieser Tage Pfoten und schnuppern Schnauzen. Hundegebell statt Pferdewiehern dringt samstagabends aus der Reithalle von Pegasus Mühlacker. Denn von Weihnachtspause halten vierbeinige Leistungssportler nichts. Deshalb hat die Agility-Gruppe des Hundesportvereins Mühlacker ihr Winterquartier auf dem Dörnichhof bei Dürrmenz aufgeschlagen.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

„Slalom“, ruft Karen Conrad ihrer Magic zu. Die achtjährige Border-Terrier-Dame lässt sich nicht zweimal bitten und wuselt mit leuchtenden Augen durch die Reihe von zwölf blaugelben Stangen. Rechts, links, rechts, links. Dass sie die erste Stange dabei immer von rechts umrunden muss, weiß Magic längst. Schließlich ist sie ein „alter Hase“ im Agilitysport und hat bereits seit 2002 mit ihrem Frauchen allerlei hochkarätige Wettkämpfe, darunter einige Deutsche Meisterschaften, absolviert.

 Bei Snowflake, zu deutsch „Schneeflocke“, Magics designierter Nachfolgerin, ist das noch anders. Die Zweijährige, ebenfalls ein Border Terrier, ist sozusagen noch Agility-Lehrling, hat erst im September ihre Turnierkarriere begonnen. Darauf musste sich auch Karen Conrad erst einstellen: „Unlängst habe ich sie beim Wettkampf verwirrt. Ich habe ,Tunnel‘ gerufen und mich dann gleich dem darauf folgenden Hindernis im Parcours zugewandt. Magic lässt sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen, aber Snowflake ist stehen geblieben. Sie wusste nicht, welches Gerät sie zuerst passieren sollte.“

Zum Schluss sind lediglich die Hundeführer außer AtemBis Karen Conrad auch mit Snowflake bei einer DM auf dem Treppchen steht, und bei WM-Qualifikationen startet, wie sie es mit Magic geschafft hat, ist also noch einiges zu tun. Doch die 38-Jährige vom HSV Mühlacker hat genug Erfahrung mit Agility-Training, gibt seit 2005 entsprechende Seminare. Unterstützt wird sie dabei von Diplom-Sportlehrer Rainer Moser aus Mühlacker, der sich um die Fitness der Hundeführer kümmert.

 Denn auch die Zweibeiner sind beim Agility gefordert – geistig und körperlich. „Bevor die Hunde in den Parcours gehen, sind wir ihn schon mindestens zehnmal abgelaufen“, erklären die Agility-Sportler während des abendlichen Trainings in der Reithalle. Dabei prägen sie sich die Reihenfolge ein, in der die Hunde die Geräte zu absolvieren haben. „Wenn der Hund das falsche Gerät ansteuert, bedeutet das die Disqualifikation“, erklärt Konrad. Im Wettkampf erfahren die Hundeführer die vorgegebene Reihenfolge erst fünf Minuten vor dem Lauf. Im Training lässt Ralf Bauer, einer der HSVM-Trainer, den Aktiven ein wenig mehr Zeit. Er hat sich den Übungsparcours in der Reithalle ausgedacht.

 Die Szenerie erinnert ein wenig an ein Skirennen oder ein Turnier im Springreiten, wo sich die Rennläufer oder Reiter ebenfalls bei der Besichtigung eine Torfolge oder einen Parcours einprägen müssen. Mit ausgestrecktem Zeigefinger schreiten die Hundeführer die Geräte mehrmals ab, dann dürfen endlich auch – einer nach dem anderen – die Vierbeiner ran, die schon die ganze Zeit ungeduldig bellen und fiepsen.

 Im gestreckten Sprung durch einen alten Mofareifen, mit flatternden Ohren über bunte Stöcke, mit wedelnder Rute um die Slalomstangen, wie der Blitz durch einen Plastiktunnel und über eine Rampe: Den Hunden macht das sichtlich Spaß, und danach gibt es zur Belohnung ja auch noch ein Leckerli. Außer Atem sind anschließend lediglich die Hundeführer, denn sie spurten neben ihren wieselflinken vierbeinigen Athleten her, um ihnen immer rechtzeitig das nächste Gerät anzuzeigen. „Mündliche Kommandos, Klatschen, Pfeifen und Gesten, das ist dabei alles erlaubt. Nur berühren darf man den Hund nicht“, erklärt Karen Conrad. Auch Halsband und Leine sind beim Agility tabu, schon allein aus Sicherheitsgründen.

 Im Turnier gewinnt – wie beim Springreiten – derjenige, der den Parcours in der schnellsten Zeit bewältigt und dabei die wenigsten Fehler macht. Abgeworfene Hindernisstangen, Umkehren im Tunnel, zu frühes Abspringen von der Rampe, Auslassen von Slalomstangen – das alles zieht im Wettkampf unweigerlich Strafpunkte nach sich. „Strafen für die Hunde gibt es jedoch nicht“, betont Conrad, „das Training fußt allein auf Belohnung und Spaß. Nur wenn es dem Hund Spaß macht, macht er es auch richtig.“

Mit zwölf Wochen kann ein Welpe ins Training einsteigen

Ihren eigenen Spaß am Agilitysport hat Karen Conrad vor 13 Jahren in Kassel entdeckt, wo sie damals lebte. Als sie ihren ersten Hund, einen West Highland White Terrier namens Strolch anschaffte, ging Conrad auf Anraten der Züchterin mit ihm zum Agility-Training. „Ich fand es so geil“, schwärmt sie heute noch davon und betont: „Bereits als Welpe im Alter von zwölf Wochen kann ein Hund mit dem Training beginnen.“ Drei Größenklassen gibt es im Agility. Mit 34,9 Zentimetern Schulterhöhe hat Magic ideale Voraussetzungen für die kleinste Klasse „Small“, denn bei 35 Zentimetern beginnt „Medium“. Hunde mit mehr als 45 Zentimetern starten in der Klasse „Large“. Die Höhe der Sprunghindernisse passt sich entsprechend an.

 Im Laufe einer Hundekarriere arbeiten sich die Vierbeiner durch mehrere Leistungsklassen, beginnend mit A0. Die höchsten Weihen erreicht ein Athlet mit Schnauze, wenn er die Klasse A3 erreicht. Dort bekommt er es im Wettkampf mit dem größten Repertoire an unterschiedlichen Hindernisgeräten zu tun, aber auch mit den anspruchsvollsten Parcours. „Da ist dann nicht immer das am nächsten liegende Gerät das, das auch als nächstes an der Reihe ist“, erläutert Conrad. Aber dafür ist Magic längst schlau genug. Und Snowflake, die bereits den Sprung in die A1 geschafft hat, wird es – so hofft Karen Conrad – in naher Zukunft werden.

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