Mit 70 ist noch lange nicht Schluss . . .

Erstellt: 31. Januar 2008, 00:00 Uhr
Mit 70 ist noch lange nicht Schluss . . . Winfried Scheuermann hegt privat eine große Vorliebe für gute Literatur. Foto: Goertz

Winfried Scheuermann feiert heute einen runden Geburtstag und schmiedet politische Zukunftspläne

Illingen – Heute feiert der Landtagsabgeordnete, Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag und Illinger Gemeinderat Winfried Scheuermann seinen 70. Geburtstag. Von Politikmüdigkeit ist bei ihm wenig zu spüren. Auch wenn er damit rechnet, dass mit der Landespolitik 2011 für ihn Schluss sein wird, kann er sich gut vorstellen, sich auf kommunaler Ebene im Kreistag und im Gemeinderat weiter zu engagieren.

VON FRANK GOERTZ

Eine kleine Einschränkung macht er dann aber doch: „Wenn ich im Kreistag weitermache, möchte ich einmal in der letzten Reihe sitzen. Den Fraktionsvorsitz werde ich wohl nicht mehr übernehmen.“ Im Illinger Gemeinderat ist er sowieso „nur“ ein normales Ratsmitglied, allerdings auch stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister. Und natürlich weiß jeder, dass das Wort von Scheuermann in seiner Fraktion großes Gewicht hat. Anders ausgedrückt: Er ist der Kapitän der Illinger CDU-Fraktion. Das könnte auch nach der nächsten Kommunalwahl im Sommer 2009 noch Bestand haben. „Ich ärgere meine Frau immer damit, dass ich im Illinger Gemeinderat mein 40-Jähriges noch erleben will“, lacht Scheuermann. Seit 1971 sitzt er im Illinger Kommunalparlament, seit 1979 im Kreistag, dem Landtag gehört er seit 1988 an.

Engagement in der Kirche zeichnet politischen Weg vor

Eine politische Laufbahn ist ihm zwar nicht in die Wiege gelegt worden, aber der Weg war doch schnell vorgezeichnet. „Schuld“ an seiner Entwicklung seien nicht zuletzt die katholische Kirche und ein wenig seine schwerhörige Großmutter gewesen, verrät Scheuermann. „Ich war Messdiener und Pfadfinder in der katholischen Kirche, als noch gepredigt wurde, dass ein Katholik kein Sozialist und andersherum kein Sozialist ein Katholik sein kann.“ So führte – geprägt von der Kirche – der weltliche Pfad Winfried Scheuermann in den 50er Jahren nahtlos in die Junge Union und in die CDU.

 Was hat es mit der Großmutter auf sich ? „Sie hat bei uns im Haus gelebt, und ich habe ihr Bild noch gut vor Augen, wie sie immer auf dem Stuhl kniete, um die großen Reden im Bundestag, die im Radio übertragen wurden, besser hören zu können. Das Radio stand etwas höher auf einem Regal, und meine Großmutter stellte es stets gehörig laut, weil sie nicht mehr so gut hören konnte.“ So war der junge Winfried Scheuermann – ob er wollte oder nicht – stets gut informiert über die ersten Jahre des jungen Nachkriegs-Deutschlands. Jahre, denen Konrad Adenauer seinen Stempel aufgedrückt hat, den Scheuermann noch heute verehrt: „So einen Politiker gibt es nur alle 100 Jahre einmal.“

 Große Wertschätzung hat sich Winfried Scheuermann aber auch selbst in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet. Wobei es sogar nicht selten die vemeintlichen politischen Gegner, vor allem die Grünen, sind, die das CDU-Urgestein umarmen. Was Winfried Scheuermann keineswegs unangenehm ist. „Die Grünen und ich haben in einigen entscheidenden Fragen, etwa wenn es um den Flächenverbrauch geht, identische Ansichten“, sagt der umwelt- und verkehrspolitische Sprecher seiner Fraktion. „Wenn ich Unterstützung von den Grünen bekomme, ist das doch gut“, findet Scheuermann und kratzt schnell die Kurve: „Als Politiker ist es nicht unbedingt gut, wenn man dauernd Beifall aus der anderen Ecke erhält.“ Scheuermann wählt seine Worte mit Bedacht, denn dass die Parteien immer weniger unterscheidbar werden, hält er für eher schlecht als gut: „Das sorgt beim Bürger schnell für Politikverdrossenheit, wenn die Parteien am Ende kein klares Profil mehr haben.“

 Die Bezeichnung „Vollblutpolitiker“ zur Charakterisierung seiner Person lässt Winfried Scheuermann unwidersprochen stehen. Nach eigenem Bekunden treibt ihn das Interesse an der Sache an und vor allem ein gutes Gedächtnis. Nicht zuletzt sei auch die positive Resonanz aus der Bevölkerung eine starke Motivation. Dabei, gibt Scheuermann zu, hat er bei der einen oder anderen Entscheidung im Landtag auch schon einmal die eine Hand gehoben und die andere Hand in der Tasche zur Faust geballt. Letzten Endes zählte dann für ihn die Fraktionsdisziplin mehr als die persönliche Ansicht. Trotzdem nagen keine grundsätzlichen Zweifel an ihm. „Es gibt zwar schon einmal Situationen, da würde man am liebsten davonlaufen. Aber wer davonläuft, kann doch gar nichts mehr ändern.“

 Wie ist Winfried Scheuermann eigentlich privat ? „Ich bin gerne zu Hause und freue mich über eine große Familie. Ich bin zwar als Einzelkind aufgewachsen, habe mit meiner Frau zwei Kinder und inzwischen sechs Enkel. Und ich bin in gewisser Hinsicht sehr altmodisch. Den Hochzeitstag mit meiner Frau habe ich noch nie vergessen.“ Die versuchte Überleitung von „altmodisch“ zu „wertkonservativ“ scheitert dann jedoch bei Winfried Scheuermann. „Wertkonservativ . . .“, sagt er halblaut vor sich hin. „Wissen Sie, ich kann mit dem Begriff gar nichts Richtiges anfangen.“

 Auf jeden Fall werden ihm heute in der Schützinger Festhalle auf Einladung des CDU-Kreisverbands rund 150 Geburtstagsgäste gratulieren. Ob er das Bad in der Menge genießt ? Ob er es genießt, so im Mittelpunkt zu stehen ? „Das war nicht zu umgehen“, antwortet Scheuermann – ganz diplomatisch, versehen mit einem Schuss feiner Weisheit.

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