Misshandlung des Babys bleibt ungeklärt

Erstellt: 31. Oktober 2007, 00:00 Uhr

Kleiner Junge erleidet gleich zweimal ein Schütteltrauma – Amtsgericht Maulbronn spricht die Eltern frei

Maulbronn (ra) – Mit einem Freispruch ist gestern am Amtsgericht Maulbronn das Verfahren gegen die Eltern eines Kleinkinds zu Ende gegangen. Der schwere Vorwurf: Misshandlung ihres wenige Monate alten Säuglings.

Nach der Beweisaufnahme stand zwar fest, dass das Kind Anfang des Jahres 2006 zweimal ein Schütteltrauma erlitten hat. Wer jedoch dafür verantwortlich war, konnte auch der Prozess nicht klären.

 Wie von unserer Zeitung berichtet, war die Beweisaufnahme am 6. September unterbrochen worden, weil wichtige Zeugen nicht greifbar waren. Gestern wurde die Verhandlung mit der Anhörung des Chefarztes der Kinderklinik Pforzheim, des Kinderarztes und der sachverständigen Rechtsmedizinerin fortgesetzt.

 Das Kind sei elf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt gekommen, erläuterte der Klinikleiter. Nach rund sieben Wochen hätten die Eltern ihren Sohn Mitte Oktober 2005 mit nach Hause nehmen können. „Das Kind war hirnorganisch gesund“, so der Mediziner. Doch vom 27. Januar bis 2. Februar 2006 war der Junge wegen einer Lungenentzündung wieder in der Klinik. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das erste Schütteltrauma bereits erlitten.

 Drei Tage später brachte die Mutter ihren Sohn erneut mit Fieber in die Klinik. Diesmal schlugen die Ärzte wegen der Anzeichen für eine Misshandlung Alarm. Das Kind müsse schon sehr heftig geschüttelt werden, damit es zu einem Einriss der Gefäße und zu Blutungen im Gehirn komme, meinte der Klinikarzt vor Gericht. Die Aussage der Eltern, das Trauma könne durch ein heftiges Bremsmanöver bei einer Autofahrt entstanden sein, bezeichnete er selbst bei einer Vorschädigung als „extrem unwahrscheinlich“.

 Anders sah dies die Rechtsmedizinerin Dr. Gisela Zimmer. Das zweite Trauma könne durchaus bei einem Bremsmanöver entstanden sein, zumal das Kind in einer falsch herum montierten Babyschale gesessen habe und eventuell durch das erste Schütteltrauma vorgeschädigt gewesen sei.

 Blieb die Frage, wer für die ersten Verletzungen verantwortlich war. Eine Frage, die offen bleibt. Auch für eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung, wie sie der Staatsanwalt Florian Bähr gegen den Vater gefordert hatte, sah Richter Klaus Droxler keinen Ansatzpunkt: Es gebe keine gesetzliche Vermutung, dass immer der Vater der Bösewicht sei. Droxler schloss sich in seinem Urteilsspruch dem Rechtsanwalt Uwe Oehler an, der Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. Dass die Mutter ebenfalls freizusprechen sei, dafür hatten sowohl der Staatsanwalt als auch ihr Verteidiger plädiert.

 Die gute Nachricht: Der kleine Junge, der zurzeit in einer Pflegefamilie lebt, ist nicht dauerhaft schwer behindert. Stattdessen entwickle sich das Kind gut und sei auf einem Stand, der seinem Alter entspreche.

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