Ministerin geht in den Untergrund

Erstellt: 30. September 2008, 00:00 Uhr
Ministerin geht in den Untergrund Umweltministerin im Mühlehof zu Gast Informationen für Bauherren und Behörden: Tanja Gönner und Sebastian Schnitzler vom Regierungspräsidium Karlsruhe stellen in Mühlacker detaillierte Nachschlagewerke zu den Grundwasservorkommen und zur Bodenbeschaffenheit für den Enzkreis, die Stadt Pforzheim und das Kraichgau vor.

Tanja Gönner präsentiert in Mühlacker die neuen Grundwasserkarten für die Region

Mühlacker – Als „Meilenstein“ hat die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner gestern in Mühlacker die neuesten Grundwasser- und Bodendaten für den Enzkreis, Pforzheim und den Kraichgau bezeichnet.

VON MAIK DISSELHOFF

Bevor die Ergebnisse der Hydrogeologischen Erkundung (HGE) von Experten näher vorgestellt wurden, ging Gönner darauf ein, wie wichtig diese Daten sind.

 Durch die HGE wisse man nun wesentlich besser darüber Bescheid, was im Untergrund vor sich gehe. „Bei Anträgen zu Erdwärmesonden können die Erkundungsergebnisse zu Rate gezogen werden“, nannte die Umweltministerin ein immer wichtiger werdendes Anwendungsfeld. Die Karten könnten helfen, bei Bohrungen Missgriffe zu vermeiden. „Das ist wichtig, damit diese sinnvolle Art der Energiegewinnung nicht zurückgeworfen wird.“

 Dank der Kooperation zwischen den beteiligten Behörden und Kommunen habe ein neuer Meilenstein für die Zusammenhänge beim Grundwasser im Raum Enzkreis, Pforzheim und Kraichgau gesetzt werden können, so die Ministerin gestern im Kleinen Saal des Mühlehofs. HGE helfe, das Grundwasser effektiv zu schützen. Viele Institutionen, Behörden und Fachleute seien an der umfangreichen Studie beteiligt gewesen. Umweltministerin Gönner dazu: „Die Darstellung der Ergebnisse ist vortrefflich gelungen. Diese Arbeit war nur mit viel Fleiß und Sachverstand machbar.“

 Die Wasser- und Bodenexperten haben für die HGE ausschließlich Erkenntnisse genutzt, die bereits vorhanden waren. Diese, so Gönner, hätten in verschiedensten Behörden in Akten geschlummert und würden jetzt als systematische Datengrundlage für weitere Auswertungen vorliegen. Die 600000 Euro aus dem Ministerium seien bei diesem Projekt gut angelegt gewesen, betonte die Landesumweltministerin.

 Die neuen Karten sind für den Grundwasserschutz von großem Wert. „Allein im Enzkreis sind 41 Prozent der Kreisfläche Wasserschutzgebiet“, stellte die Ministerin fest. Zwar habe die Nitratbelastung des Grundwassers seit 1994 im Land um 18 Prozent gesenkt werden können, doch das Thema sei immer noch aktuell. „Die Messwerte zeigen uns, dass das Grundwasser ein Elefantengedächtnis hat.“

 Die HGE sei aber auch vor dem Hintergrund des Klimawandels interessant. So warf Gönner im Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung die Frage auf: „Vielleicht brauchen wir für manche Regionen künftig eine stärkere Bevorratung mit Trinkwasser, weil die heißen Sommer die Neubildung von Grundwasser zunehmend zunichte machen.“

 Sebastian Schnitzler vom Regierungspräsidium Karlsruhe erklärte, dass die Experten die Stadt Mühlacker als Präsentationsort auserkoren hätten, weil diese im Zentrum der einzelnen Erkundungen liege. An der Altlastenproblematik im Eckenweiher und unter dem Mühlehof zeige sich auf anschauliche Weise, wie wichtig Kenntnisse über das Grundwasser für Behörden und Bauherren seien. Bis auf die Altlasten, die es überall gebe, seien die Grundwasservorkommen in der Region insgesamt in einem „guten Zustand“, so Schnitzler.

 Mühlackers Oberbürgermeister Arno Schütterle bot der Umweltministerin im Rahmen ihres Besuchs im Mühlehof an, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. Eine Offerte, die Tanja Gönner gerne annahm. Schütterle meinte, es ehre die Stadt, dass die Fachtagung in Mühlacker stattfinde. Denn Grundwasserschutz sei „ein zentrales Thema“.

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