Maulbronner Verwaltung bessert nach

Erstellt: 27. Juni 2008, 00:00 Uhr
Maulbronner Verwaltung bessert nach Baugrube mit Folgen: Arbeiten an der Frankfurter Straße sorgen für Verkehrsprobleme und Umsatzeinbußen. Foto: Disselhoff

Änderungen an Umleitungsstrecke: Ausnahmen für Traktor- und Autofahrer – Verwirrende Schilder abgebaut

Maulbronn – Die Baustelle in der Frankfurter Straße ist nach wie vor das alles beherrschende Thema in Maulbronn. Die Stadtverwaltung hat an mehreren Stellen der Umleitungsstrecke bereits nachbessern müssen.

VON MAIK DISSELHOFF

„Es war von Anfang an klar, dass es Anpassungen geben wird“, machte Bürgermeister Andreas Felchle in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in Maulbronn deutlich. Auf Druck der Geschäftsleute, die an der Frankfurter Straße von der Baustelle direkt betroffen sind, hat die Stadt an der Bundesstraße 35 und an einigen Landesstraßen das Schild entfernt, das auf die Sperrung der Ortsdurchfahrt in Maulbronn hingewiesen hat. Stefanie Gläsle, im Rathaus zuständig in Sachen Verkehr, berichtet, dass die Händler Sturm gegen diese Hinweise gelaufen seien. Seit die Brücke bei Maulbronn West gesperrt worden sei, habe sich die Situation für die Gewerbetreibenden noch verschärft. „Deshalb haben wir gehandelt.“

 Die Chefin von Getränke Münsinger, Regina Pelz, dürfte stellvertretend für diejenigen sprechen, die direkt von den Bauarbeiten betroffen sind: „Wir haben rund ein Drittel weniger Kunden im Laden.“ Und das, obwohl man von der Sparkasse aus problemlos direkt vor die Türe des Getränkegeschäfts fahren kann. „Wir sind jederzeit erreichbar und dankbar für unsere treue Kundschaft.“

Einfahrverbot für Autos in Seehausweg aufgehoben

Nicht nur die Händler leiden unter der derzeitigen Verkehrssituation. Auch einige Landwirte, die zur BayWa in der Bahnhofstraße fahren wollen, hatten es schwer. Sie konnten aufgrund der Umleitung nur über die Hölderlinstraße zu ihrem Ziel gelangen. „Die steile Hölderlinstraße ist jedoch besonders für kleine Traktoren ein Problem. Die schaffen das schlichtweg nicht“, erklärt Gläsle. Auch an diesem Punkt hat die Stadt reagiert. Bürgermeister Felchle kündigte am Mittwoch an: „Die Landwirte, die mit ihrem Traktor zur BayWa müssen, sollen in die Bahnhofstraße gegen den Einbahnverkehr die paar Meter bis zu ihrem Ziel fahren dürfen.“

 Außerdem wird das Einfahrverbot für Pkws von der Frankfurter Straße in den Seehausweg aufgehoben. Viele Autofahrer hätten sich ohnehin nicht daran gehalten, weiß Gläsle. Doch das ist nicht der Grund dafür, dass die Stadt die Verkehrsregeln ändert. Fakt sei, dass es an dem Knoten nicht zum befürchteten Verkehrschaos komme, wenn Autos von der Ortsdurchfahrt in den Seehausweg abbiegen, erklärt Gläsle.
 Klaus Huss, Fraktionssprecher der Liste Mensch und Umwelt, regte an, auch für die Anwohner der Hölderlinstraße eine Ausnahme zu machen. Sie sollten gegen den Einbahnverkehr auf die Frankfurter Straße fahren dürfen. „Wenn die Bürger, die dort wohnen, nach Bretten oder Knittlingen wollen, müssen sie den ganzen Ringverkehr durch die Stadt fahren.“ Stefanie Gläsle will die Angelegenheit mit dem Verkehrsamt des Landratsamts Enzkreis besprechen. Doch sie ist skeptisch, was eine Ausnahme für die Anwohner angeht.

 Während sich die meisten Autofahrer an die Verkehrsregeln der Umleitungsstrecke halten, gibt es auch Zeitgenossen, die Verbote ignorieren. Einen besonders krassen Fall schilderte der Rathauschef im Gemeinderat. An dem Verbindungssträßchen zwischen Schmie und Ötisheim, das wegen der besonderen Verkehrssituation dichtgemacht wurde, hat ein Führerscheinbesitzer mit dem Bolzenschneider das Schloss einer Schranke aufgebrochen, um freie Fahrt zu haben. „Das macht überhaupt keinen Sinn. Die Straße ist zu gefährlich und bleibt geschlossen“, so Felchles glasklarer Standpunkt. Der Schultes berichtete weiter, dass einige Autofahrer nachts im Wald gesichtet worden seien. „Auf irgendwelchen Waldwegen rumzufahren – das ist nun wirklich völlig rechtswidrig und gefährlich.“

 Bauamtsleiter Dieter Rein hat indessen gute Nachrichten: „Wir kommen mit den Arbeiten schneller voran als gedacht.“ Das bedeutet, dass die Wanderbaustelle schon in vier Wochen weiterrücken könnte. „Wir sind unserem Zeitplan ein bis zwei Wochen voraus“, so Rein. Das ist nicht unwichtig, schließlich verlässt die Baugrube dann den neuralgischen Punkt, der für die Bauplaner und die Verkehrsteilnehmer eine echte Herausforderung war.

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