Maulbronn verändert

Erstellt: 30. Juli 2009, 00:00 Uhr
Maulbronn verändert Zeit zu gehen: Diese Schüler verlassen das Evangelische Seminar in Maulbronn. Zum großen Finale erklingt jede Menge Musik. Foto: Filitz

Der letzte Seminaristen-Jahrgang verabschiedet sich von der Klosterschule, um in Blaubeuren das Abitur zu machen.

Auch die Maulbronner Seminaristen starten in die Sommerferien. Für 26 von ihnen geht damit nicht nur ein Schuljahr zu Ende, sondern auch ihre Zeit in der Klosterstadt.

Von Eva Filitz

Maulbronn. Dies ist zugleich der letzte Jahrgang, der ins Seminar Blaubeuren umziehen muss, um dort das Abitur zu machen. Gestern wurden die Schüler mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche und einer Feier im Oratorium verabschiedet. Schüler, Eltern, Lehrer, auch von anderen Maulbronner Schulen, und viele, die sich dem Seminar verbunden fühlen, nahmen am Gottesdienst teil, den einige Seminaristen mitgestalteten. Beispielsweise Simon Albrecht, der an der Orgel mit einem Präludium in c-moll von Felix Mendelsohn-Bartholdy die Feierstunde einleitete und mit einem Stück von Olivier Messiaen ausklingen ließ. Die Ansprache hielt Repetent Markus Epting, der das Seminar ebenfalls verlässt und ins Pfarramt nach Ötisheim wechselt. Ephorus Tobias Küenzlen, der Schulleiter, reichte das Abendmahl, und die Promotion empfing geschlossen den Segen. Die geschulten Stimmen der Seminarchormitglieder ließen auch die mit der Gemeinde gesungenen Lieder zu einem Hörgenuss werden.

  Bei der offiziellen Abschlussfeier im Oratorium herrschte drangvolle Enge. Vieles geschieht bei einem Abschied zum letzten Mal und so präsentierte sich auch das Seminarorchester letztmalig in alter Besetzung und musizierte unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Jürgen Budday „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg einige Sätze, die mit ihrem Wechsel zwischen rhythmischen und melodiösen Passagen, zwischen Melancholie und Lebenslust die Instrumentalisten durchaus forderte. Die Brazaleira für zwei Klaviere zu vier Händen aus „Scaramouche“ von Darius Milhaud, interpretiert von Ricarda Münch und Julian Rusch am Flügel, ließen jedoch die nordischen, düsteren Schatten schnell wieder vergessen. „Was Honig für den Gaumen, ist die Weisheit für die Seele“ begann der Vertreter der Eltern Ernest Ahlfeld seinen Dank an die Lehrerschaft mit einem Bibelzitat und überreichte jedem ein Glas Honig. Der größte Wunsch der Eltern sei es, dass ihre Kinder zu Persönlichkeiten heranreiften, denen zu begegnen gut für andere sei. Schülersprecher Martin Ahlfeld fand Shakespears Worte vom „bittersüßen Schmerz des Abschieds“ passend für den Augenblick und dankte im Namen der Promotion allen, die die Schüler bis zu diesem Tag begleitet haben. Die Maulbronner Zeit habe geprägt. „Ich weiß nicht, was Maulbronn verändert, ich weiß nur, dass Maulbronn verändert. Für mich ist das Wichtigste das, was ich im Umgang mit Menschen gelernt habe.“

  Ephorus Tobias Küenzlen verabschiedete die Gesangspädagogin Annetraut Flitz und Repetent Markus Epting und hob in seiner Rede das besondere Anliegen der Bildung der Schüler in klösterlicher Tradition hervor. Das Seminar beinhalte etwas, was man nicht kaufen könne. Die Schüler nähmen eine tiefe Prägung mit; das Wort Maulbronn lasse keinen los, der einmal hier gewesen sei. „Ich wünsche mir, dass dies ein Ort bleibt, wo man sich um die Wahrheit reißt.“ Angelehnt an ein Luther-Zitat „Und dass niemand empor kommt, der geizt und lügt“, schlug der Kirchenmann und Pädagoge eine Brücke zum herrschenden Zeitgeist.

 Traditionell gibt der Ephorus jeder Promotion ein Gedicht mit auf den Weg. Dieses Jahr wählte er Hölderlin aus, in dessen Gedicht „An Neuffer“ es heißt: „Getrost, es ist der Schmerzen werth, dies Leben, so lang uns Armen Gottes Sonne scheint.“ Die Stille, die auf die bewegenden Worte folgte, fand mit Mozarts Allegro aus seinem Konzert für Klavier und Orchester A-Dur KV 414 ein heiteres Ende. Das Seminarorchester mit Ricarda Münch als Solistin setzte mit frohem Musizieren einen funkelnden Schlusspunkt.

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