Maschinenbauer mit Benzin im Blut

Erstellt: 27. August 2010, 00:00 Uhr
Maschinenbauer mit Benzin im Blut Gestern noch saß er auf gepackten Koffern, heute beginnt das US-Abenteuer. Daniel Meinl absolviert sein Praxissemester in Dayton/Ohio. Weil das passende Visa inzwischen in seinem Reisepass pappt, dürfte auch die Immigration kein Problem werden. Foto: Goertz

Daniel Meinl aus Illingen startet heute nach Dayton/Ohio, um sein Praxissemester bei einer Behr-Tochter zu absolvieren.

 Illingen – Frankfurt – Chicago – Dayton: Daniel Meinl geht heute in die Luft. Der 24-jährige angehende Maschinenbauer absolviert sein Praxissemester bei der Behr-Tochter in Ohio. In dieser Zeit muss die „Rennschmiede Pforzheim“, ein studentisches Projekt zur Konstruktion von Rennwagen, ohne ihren Teamchef auskommen.

Von Frank Goertz

Illingen „ Das ist kein Problem“, gibt sich Meinl ganz bescheiden. Per Email und Internet-Telefonie könne er einen guten Draht zu seinen Mitstreitern halten. Das ist auch nötig: Schließlich will die Rennschmiede bei dem Konstruktionswettbewerb „Formula Student“ nächstes Jahr auf dem Hockenheimring die Konkurrenz in Schach halten.

 Meinl hat von Kindesbeinen an Benzin im Blut –  schließlich ist sein Vater ein begeisterter Oldtimer-Tüftler und Motorsportfan. So war es auch kein Wunder, dass er nach seiner Mittleren Reife an der GHRS Illingen eine Ausbildung bei Behr als Mechatroniker begonnen hat – etwas mit Metall und Technik sollte es schon sein. 

 Am Berufskolleg in Karlsruhe hat Meinl etwas später seine Fachhochschulreife erworben – auf dem steinigen Weg. Zwei Jahre lang ist der junge Mann direkt nach Feierabend in seinem Job bei Behr als Prozessfachkraft in die Fächerstadt gefahren, um dort auf der Abendschule seine Fachhochschulreife zu machen. „Privatleben? Null!“, erinnert er sich an diese Zeit. „Von montags bis donnerstags Schule, und am Wochenende musste ich lernen.“ Er wollte aber auf jeden Fall seinen guten Job bei Behr nicht aufgeben und weiter Berufserfahrung sammeln, ehe er mit dem Studium an der Pforzheimer Hochschule begann. „Das Praxissemester wollte ich auf jeden Fall im Ausland machen“, erzählt Meinl. Und da er in den letzten Jahren auch noch regelmäßig 30 Stunden im Monat als Werksstudent bei Behr gearbeitet hat, lag natürlich nichts näher, als sich um einen Job bei den US-Töchtern des Automobilzulieferers zu bemühen. In Sachen Finanzierung des Auslandsaufenthalts traf es sich gut, dass Meinl im Juli mit dem „Förderpreis der Wirtschaft“ der IHK Nordschwarzwald ausgezeichnet wurde, der auch mit einer Finanzspritze verbunden ist.

 Für den Förderpreis der Wirtschaft hält die Kammer Ausschau nach Studenten mit besonderen Leistungen und Persönlichkeitsstrukturen, wie der inzwischen ausgeschiedene IHK-Hauptgeschäftsführer Achim Rummel in seiner Laudatio erklärte. „Während und nach seiner Ausbildungszeit machte Daniel Meinl durch sein engagiertes Arbeiten, hohes technisches Verständnis und seine Zielstrebigkeit auf sich aufmerksam“, lobte Rummel bei der Preisverleihung auf dem Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer.

 „Den Vertrag über das Auslandssemester in Dayton hatte ich aber schon in der Tasche, bevor klar war, dass ich den Förderpreis bekomme“, macht Meinl deutlich. „In Dayton werde ich an der Optimierung einer Dichtprüfvorrichtung für Kühler mitwirken.“

 Neben der neuen technischen Aufgabe freut sich Meinl aber auch besonders darauf, Erfahrungen in einer fremden Kultur und in einer fremden Sprache zu sammeln. Dass auch andere ihm bekannte Mitarbeiter aus Mühlacker in Dayton sind, dürfte den Einstieg in das Abenteuer USA erleichtern. Vor allem weil sich das Unternehmen um die „Gastarbeiter“ vorbildlich kümmert. „Ich habe schon ein Appartment von Behr“, muss sich Meinl nicht um die Wohnungssuche kümmern. Und auch die Automobilfrage – in den USA eine existenzielle Frage – ist bereits geklärt. Meinl übernimmt in Dayton den Ford Explorer vom Sohn seines Ex-Chefs.

 Damit ist er auf jeden Fall standesgemäß motorisiert, und dank des Vierradantriebs dürfte auch der Ausflug in die nahe gelegenen Skiregionen Kanadas für den Skischulleiter des Ski- und Snowboardclubs Illingen nicht zur unkontrollierten Rutschpartie werden.

 Die letzte Hürde Richtung Dayton hat Meinl erst kurz vor seinem Abflug genommen: die Visumformalitäten. „Wahnsinnig viele Formulare und zum Abschluss ein Gespäch im Konsulat der USA in Frankfurt, in dem ich erklären musste, warum ich unbedingt in die USA möchte und warum ich nach sechs Monaten unbedingt wieder zurück nach Deutschland möchte“, macht Meinl deutlich, dass Bürokratie nicht unbedingt nur eine deutsche Erfindung ist. „Ich habe schon ein wenig gezittert, dass doch etwas schiefgeht“, gibt Meinl zu. Schließlich war der Flug schon gebucht. Ein Riesenstein sei ihm vom Herzen gefallen, als das Visum schließlich in seinem Reisepass pappte.

 Damit war der US-Aufenthalt endgültig gesichert – und Meinl kann seine Pläne für den Weihnachtsurlaub nach New York konkretisieren. Schließlich sind die 900 Kilometer zwischen der „Gem City“ Dayton im Bundesstaat Ohio zum „Big Apple“ New York für US-amerikanische Verhältnisse nur ein Katzensprung.

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