Mappus genießt sein Heimspiel

Erstellt: 14. Januar 2011, 00:00 Uhr
Mappus genießt sein Heimspiel Mappus Motto: In die Hände klatschen und kräftig anpacken. Foto: Hansen

Ministerpräsident stimmt beim Neujahrsempfang der CDU Mühlacker in Enzberg auf den Wahlkampf ein

In der Mühlacker CDU ist er groß geworden, jetzt ist er Ministerpräsident und kämpft um die Mehrheit bei der Landtagswahl. Beim Neujahrsempfang der CDU Mühlacker in Enzberg hatte Stefan Mappus gestern Abend vor über 400 Zuhörern auf jeden Fall ein Heimspiel erster Klasse.

Von Frank Goertz

 Mühlacker-Enzberg.„Ich wünsche ihm auf jeden Fall viel Glück und hoffe, dass der Knoten platzt“, sagt der Enzberger Gemeinderat Theo Bellon. Früher habe Mappus immer „klare Kante“ gezeigt, zuletzt seien die Kanten aber etwas runder geworden. Aber er sei sich immer sicher gewesen, dass Stefan Mappus unbeirrt seinen Weg gehe.
 Auch Hans-Dieter Slobodkin, Vorsitzender des Gewerbe-, Handels- und Verkehrsvereins erhofft sich von Mappus eine klare Linie. „Wir haben nicht mehr viele kantige Typen“, findet Slobodkin. „Schmale und anpassungsfähige gibt es hingegen genug.“

 „Es ist toll, wenn ein Lokalmatador es soweit bringt“, findet Rolf Leo, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Mühlacker Gemeinderat. Mühlacker könne nichts besseres passieren, als dass Stefan Mappus die Wahl gewinnt und Ministerpräsident bleibt, ist Leo überzeugt.

 Der Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle versteht sich zwar nicht als Parteipolitiker, will aber trotzdem in den kommenden Wochen bewusst Flagge zeigen. „Baden-Württemberg steht so gut da, das ist nicht das Land für einen Regierungswechsel.“

 Auf die Stärke der Wirtschaft, gute Plätze im Bildungs-Ranking und der zweitniedrigsten Arbeitslosenquote in Deutschland zielte auch CDU-Landtagskandidatin Viktoria Schmid ab. „Das ist uns nicht in den Schoß gefallen, das ist das Ergebnis harter Arbeit“, so Schmid. „Mit permanentem Nein-Sagen erreicht man so etwas nicht.“ Die CDU habe das Land zu dem gemacht, was es ist.

 Nach der Rede von Viktoria Schmid, war es erst einmal Aufgabe der Mühlacker Jagdhornbläser, die gemeinsam mit dem Musikverein Enzberg, für den guten Ton sorgten, dem Ministerpräsidenten unter anderem den Tiroler-Jägermarsch zu blasen.
 Mappus nahm die Herausforderung locker an und ging in seiner knapp 50-minütigen Rede auf die wichtigsten Zukunftsfragen des Landes Baden-Württemberg ein. Obwohl er zugeben musste, dass er sich „das eine oder andere einfacher vorgestellt habe“, als er am 10.Februar 2010 das Amt des Ministerpräsidenten übernommen hat, hätten die letzten sechs Monate doch bewiesen, dass „wenn man nicht gleich wegkippt, nicht automatisch die Mehrheiten weg sind.“ Damit spielte Mappus, der glaubt, dass sich die Wähler mit guten Argumenten überzeugen lassen, auf die Umfragewerte der Union an, die sich allmählich erholen.

 Mappus verzichtete in Enzberg darauf, die verbale Keule herauszuholen und auf den politischen Gegner einzuschlagen. Die Grünen nannte er namentlich nur ein einziges Mal, die SPD kam in seinen Ausführungen gar nicht vor. Trotzdem schwang immer deutliche Kritik an den Grünen in seinen Worten mit. Sie hat er als „Dagegen-Partei“ ausgemacht, er wolle aber lieber sagen, für was die CDU steht – und natürlich, was sie in den letzten Jahrzehnten erreicht hat.

 Nahtlos knüpfte er an die Ausführungen von Viktoria Schmid an, wenn er die wirtschaftliche Stärke des Landes in den Fokus rückte. „Wir haben ein Bruttosozialprodukt, das größer ist als das von Belgien und Luxemburg zusammen. Ein solches Land führt man nicht, indem man sagt, wogegen man ist, sondern wofür.“
 Und Mappus erklärte klipp und klar, wofür er steht. Etwa Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur (Stichwort: Stuttgart 21) oder Investitionen in Bildung, angefangen von den Kindergärten bis hin zu den Hochschulen. Auch seine Kritik am Länderfinanzausgleich sprach er in Enzberg an. „Wowereit und Beck hätten noch nicht einmal das Fahrgeld, um nach Baden-Württemberg zu kommen, wenn sie nicht Geld von uns aus dem Länderfinanzausgleich bekämen“, würzte Mappus an diesem Punkt seine Rede mit etwas Wahlkampf-Polemik – und erntete gleich donnernden Applaus. „Mit unserem Geld aus dem Länderfinanzausgleich können die Berliner und Rheinland-Pfälzer sich Sachen bezahlen, die wir uns nicht leisten können“, sieht Mappus das Solidaritätsprinzip missbraucht.

 Zum Schluss seiner Ausführungen sprach der gebürtige Enzberger noch ein ganz heikles Thema an: den EnBW-Aktiendeal mit einem Volumen von 4,67 Milliarden Euro, den er in einer Nacht- und Nebelaktion durchgezogen hat.

 „Ich bin der tiefen Überzeugung, die Menschen in unserem Land wollen Sicherheit. Und dazu zählt die Energieversorgung.“ Schon jetzt müsste Baden-Württemberg 17 Prozent seines Stroms importieren.

 Auch angesichts dieser Konstellation sei es fatal, wenn die EnBW in die Hände eines ausländischen Investors gefallen wäre. „Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass wir die Aktien bekommen“, so Mappus. Am Ende sei es einzig und allein um die Frage gegangen, ob das Geschäft gut für das Land ist oder nicht. „Und diese Transaktion ist gut“, beteuerte Mappus, ehe beim anschließenden Bad in der Menge in seinem Heimatort unzähligen Nachbarn, Schulfreunden und Parteikollegen die Hand schüttelte. „Einmal Enzberger, immer Enzberger“, beteuerte Mappus. Ein echtes Heimspiel.

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