Manchmal hilft auch nur Schweigen

Erstellt: 29. August 2009, 00:00 Uhr
Manchmal hilft auch nur Schweigen Hilfestellung: Auch nach dem Amoklauf von Winnenden war der DRK-Notfallnachsorgedienst gefordert. Foto: DRK

Notfallnachsorgedienst des Roten Kreuzes ist bei Tragödien wie in Pforzheim vor Ort

Pforzheim/Enzkreis. Ein Familienvater in Mühlacker stürzt sich aus dem Fenster eines Hochhauses in den Tod, eine Mutter in Pforzheim wirft ihre beiden Kinder vom Balkon und springt – zwei Tragödien aus der jüngsten Vergangenheit, und jeweils ist der Notfallnachsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes vor Ort. In der Region stehen die Helfer, die für die seelischen Wunden zuständig sind, seit 2002 parat.

Von Martin Zanker 

Mehr als 40 ehrenamtliche Kräfte kümmern sich um die oftmals stark traumatisierten Angehörigen der Opfer. „Unser Ziel ist es, am Ereignisort beizustehen, soziale Netzwerke zu aktivieren und auch praktische, weiterführende Hilfe zu geben“, beschreibt die Leiterin Gudrun Augenstein das Aufgabenpaket der Freiwilligen. Der Notfallnachsorgedienst helfe den Beteiligten, ihre Kräfte zu mobilisieren, und gebe ihnen das Gefühl, nicht alleine dazustehen. Außerdem pflege der Dienst den Kontakt zu Notarzt, Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr und Kirche, damit im Ernstfall die Zusammenarbeit stimmt.

 Doch nicht nur die Familien und Freunde der Opfer brauchen Unterstützung, auch die Rettungskräfte werden durch Einsätze wie am Mittwoch in Pforzheim stark belastet. Augenstein: „Das Einsatzkräfte-Nachsorge-Team ist in der Lage, in Nachsorgegesprächen die richtigen Takte zu treffen, denn die Einsatzkräfte helfen nicht nur, sondern sind nach katastrophalen Ereignissen selbst auf Hilfe angewiesen.“ Zusätzlich stünden in der Region zehn Seelsorger als Kriseninterventionshelfer für Angehörige und Retter zur Verfügung.

 Zur Notfallnachsorge braucht es die notwendige Qualifikation. „Die Helfer benötigen eine klassische Erste-Hilfe- und Sanitätsausbildung“, sagt Augenstein, „und dazu eine insgesamt 80-stündige Schulung, um die Situation richtig bewältigen zu können; zum Beispiel, was die Gesprächsführung oder den Umgang mit verschiedenen Kulturen betrifft.“ Nach 60 Schulungsstunden bestehe für die Neueinsteiger die Möglichkeit, Notfallhelfer im Einsatz zu begleiten und erste Eindrücke in der Praxis zu sammeln. Die Mitglieder seien zur Teilnahme an Weiterbildungen ebenso verpflichtet wie zur Anwesenheit an den einmal im Monat stattfindenden Teamabenden, an denen die Einsätze abgestimmt und die Erfahrungen ausgetauscht würden.

 „Die Helfer sollen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln“, fasst Augenstein zusammen und macht klar, dass dies nicht nur durch Reden, sondern je nach Situation auch durch Schweigen geschehen könne.

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