Mängel beim Brandschutz an Schulen

Erstellt: 28. Juni 2006, 00:00 Uhr
Mängel beim Brandschutz an Schulen Was tun, wenn’s brennt? Auch die Schillerschule ist von mangelnden Brandschutzeinrichtungen betroffen. Foto: Kugler

Für den Fall eines Feuers: Verschärftes Sicherheitskonzept verlangt zweiten baulichen Rettungsweg für Schüler

Mühlacker – Die Stadt Mühlacker, finanziell ohnehin gebeutelt, hat ein neues Problem: Der Brandschutz an städtischen Gebäuden ist mangelhaft. Allein die Erstmaßnahmen zur Beseitigung der Mängel kostet schätzungsweise mehr als netto 860000 Euro.

VON THOMAS SADLER

Die bislang letzte so genannte Brandverhütungsschau hatte im Jahr 1995 stattgefunden. Inzwischen wurde die Schau 2005/2006 durchgeführt. Bei der Begehung der städtischen Gebäude entdeckten die kritischen Experten, wie Oberbürgermeister Arno Schütterle dem Ausschuss für Umwelt und Technik jetzt mitgeteilt hat, „erhebliche Mängel“. Hintergrund sei eine Änderung der Muster-Schulbau-Richtlinie 1998, die ein geändertes Sicherheitskonzept vorsieht.

 Schulen erfordern ein besonderes Rettungskonzept. Im normalen Wohnungsbau ist es grundsätzlich vorgesehen, dass in jedem Gebäude der erste Rettungsweg über eine Treppe führt und ein zweiter Rettungsweg über Leitern der Feuerwehr hergestellt werden kann. In Schulen funktioniere dies nicht: Eine Rettung über die Leiter wäre im Brandfall nicht machbar, weil die Zahl der zu rettenden Schüler dafür zu groß wäre. Außerdem sollten Paniksituationen vermieden werden.

 Ziel des neuen Konzepts ist es, „im Gefahrenfall eine geordnete Evakuierung über baulich vorhandene Rettungswege in wesentlich kürzerer Zeit und bereits vor Eintreffen der Feuerwehr zu ermöglichen. „Der zweite Rettungsweg muss daher bei allen Schulen nun immer ein zweiter baulicher Rettungsweg sein“, ließen OB Schütterle und das Bau- und Planungsamt den Ausschuss wissen. Früher sei dies erst bei Schulen mit mehr als zwei Vollgeschossen und mehr als 1600 Quadratmetern Gesamtgeschossfläche zwingend gewesen.

 Doch jetzt besteht in Mühlacker Handlungsbedarf: „In nahezu allen mehrgeschossigen Schulen und Kindergärten der Stadt fehlt der zweite bauliche Rettungsweg ganz oder sind Gebäudeteile ohne zweiten Rettungsweg. Besonders problematisch ist dabei die Situation im Altbau des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Schiller-Hauptschule. Teilweise stehen dort im Brandfall keine Flucht- und Rettungsmöglichkeiten zur Verfügung“, so Schütterle vor den Ausschussmitgliedern.

 Um im Falle eines Feuers das Risiko zu mindern, will die Stadtverwaltung die in einem ersten Schritt vorgeschlagenen Maßnahmen „unverzüglich“ in die Tat umsetzen. Die Ergebnisse der Brandverhütungsschau werden derzeit vom zuständigen Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement aufgearbeitet. Nach einer ersten groben Schätzung kosten die Erstmaßnahmen samt Planung rund 863000 Euro. Die in diesem Jahr noch kassenwirksam werdenden Maßnahmen belaufen sich auf circa 116000 Euro.

 Der UTA fasste am Montagabend noch keinen Beschluss; die Verwaltung wollte die Informationen über die Missstände lediglich als „Einbringung“ verstanden wissen. Indes appellierte Oberbürgermeister Schütterle schon mal an den Gemeinderat, „die für die Sicherheit erforderlichen Mittel bereitzustellen“, damit mit den Verbesserungen bald begonnen werden kann. Mit den betroffenen Fachämtern, so der Rathauschef, gelte es „Nutzungskonzeptionen zu erarbeiten“. Darüber hinaus, so Karin Münzmay (SPD) und Fraktionschef Günter Bächle (CDU), sollte die Verwaltung eine Prioritätenliste anfertigen. „Das hat uns gerade noch gefehlt“, kommentierte FW-Vorsitzender Rolf Leo die anstehenden hohen, aber wohl nötigen Investitionen.

 Ermöglicht werden sollen diese, indem andere Vorhaben – falls der Gemeinderat zustimmen sollte, was zu erwarten ist –, verschoben werden. Zur Disposition gestellt werden von der Stadtverwaltung Arbeiten im Rathaus (Innenanstrich), an der Wendlerschule (Schließanlage), am Heimatmuseum (Fassadensanierung), im Kindergarten Villa Emrich (Dach- und Untergeschoss-Ausbau), am Kindergarten an der Hauptmannstraße (Wärmedämmung am Dach) und am Wohnhaus Hindenburgstraße 14/16 (Wohnungssanierung).

 Käme es zu einer Verschiebung dieser Projekte, würden circa 100000 Euro freigestellt, die noch 2006 zur Erfüllung der Brandschutzauflagen verwendet werden könnten. Für Erstmaßnahmen wären dann im nächsten Jahr noch etwa 800000 Euro lockerzumachen.

 „Leben und Gesundheit der Benutzer städtischer Einrichtungen und insbesondere Kinder genießen Priorität“, machte Arno Schütterle unmissverständlich klar.

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