Loveparade wird Albtraum

Erstellt: 27. Juli 2010, 00:00 Uhr
Loveparade wird Albtraum Foto von Manuela Neu: Hunderttausende sind bei der Loveparade durch die Tunnel zum Bahngelände geströmt – für 19 Menschen wird der enge Zugang zur Todesfalle. Foto: p

19-jährige Schülerin aus Serres entgeht mit ihrem Freund nur knapp der Katastrophe

Die Bilder, die Manuela Neu nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg gesehen hat, werden der 19-Jährigen aus Serres nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Nur kurze Zeit, bevor es am Eingang zum Festgelände zur Tragödie mit 19 Toten kam, hatte die Schülerin das Nadelöhr passiert.

Von Maik Disselhoff

Wiernsheim-Serres. Manuela Neu, die nächstes Jahr am Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasium ihr Abitur machen will, war mit ihrem Freund Marco Stümpfig mit einem Sonderzug von Stuttgart nach Duisburg gereist, um ausgelassen zu feiern.

 Doch dann wird die große Party zu einem Albtraum. Nur ungefähr eine halbe Stunde, bevor am Samstag die Massenpanik ausbrach, hatten sich Manuela Neu und ihr Freund mühsam durch den engen Durchgang aufs Festgelände vorgekämpft. Als sie sich dann wenige Stunden später für eine Verschnaufpause auf den Weg zurück in den Tunnel machen, ist es dort bereits zur Katastrophe gekommen.

„Auf dem Boden lagen Verletzte und abgedeckte Menschen“

 „Überall waren Rettungskräfte und Sanitäter zu sehen, auf dem Boden lagen Verletzte und Menschen, die bereits abgedeckt waren.“ Diese Bilder, sagt die Schülerin, werde sie nicht so schnell vergessen.

 Schon zum früheren Zeitpunkt, als sie vom Tunnel aus den Eingang zum Festgelände passiert habe, sei es eng zugegangen. „Polizisten haben die Menschenmenge nur schubweise durchgelassen“, berichtet Neu. Als dann klar war, was sich am Rande der Loveparade ereignet hatte, versuchten Familie und Freunde verzweifelt, die 19-Jährige zu erreichen. Unter anderem habe ihr Bruder per SMS nachgefragt, ob es ihr gut gehe. Nach einigen vergeblichen Versuchen konnte Manuela Neu den Kontakt herstellen und ihn beruhigen.

 Auf dem Festgelände, wo gleichzeitig Hunderttausende junger Leute feierten, hätten viele von dem Unglück zunächst gar nichts mitbekommen. „Das war auch gut so, sonst wäre es vielleicht zu einer weiteren Panik gekommen.“ Diejenigen aber, die wussten, was passiert war, seien „einfach fertig“ gewesen und hätten geweint.

 Nach der Tragödie machte sich Manuela Neu mit ihrem Freund auf den Rückweg ins Hotel. „Dort haben wir die Berichte im Fernsehen verfolgt.“ Am Sonntagmorgen ging es dann um 9 Uhr vom Duisburger Hauptbahnhof zurück in die Heimat.

 Die Atmosphäre im Zug beschreibt die Schülerin als beklemmend. „Ein Mitreisender hat erzählt, dass er ein Kind retten wollte und es in der Panik auf die Schultern genommen hat.“ Wenig später habe er nur noch die Schuhe des Kindes in den Händen gehalten, gibt Manuela Neu eine der dramatischen Schilderungen weiter, die sie auf der Rückfahrt mitbekommen hat.

 Die Kritik, dass das Festgelände grundsätzlich zu klein für die Massenveranstaltung gewesen sei, teilt die 19-Jährige nicht. „Es kam mir nicht zu eng vor.“ Ihrer Ansicht nach war auch genügend Polizei und Security vor Ort. „Was die Ein- und Ausgänge betrifft, hätte man einiges besser machen können“, sagt die Gymnasiastin aus Serres, die betont, dass die Loveparade bis zum Unglück eine „friedlich-freundliche und schöne Atmosphäre“ erlebt habe.

 Solange in den Medien über die Ereignisse berichtet werde, werde sie auch nicht abschalten können, befürchtet Manuela Neu, deren tiefes Mitgefühl allen Angehörigen und Freunden der Opfer gilt.

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