Lienzingen geht andere Wege

Erstellt: 29. Juli 2009, 00:00 Uhr
Lienzingen geht andere Wege Kritischer Blick trotz guter Leistung: Rolf Bauer arbeitet nach der Devise „Man darf nie zufrieden sein“. Foto: Eigner

Fußball: Neuer Trainer verzichtet auf Konditionstraining – Stattdessen verpasst Rolf Bauer dem Team eine neue Taktik

Es gibt noch viel Arbeit. Dieses Fazit zieht Rolf Bauer, der neue Trainer des FV Lienzingen, aus dem ersten Testspiel. Das verlor seine Mannschaft am Sonntagabend gegen den A-Ligisten TSV Ötisheim mit 2:4. Für den Trainer nicht mehr als eine Etappe auf dem Weg zu einem neuen Spielsystem.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker-Lienzingen. Nach zweieinhalb Wochen Vorbereitungstraining, sei die Vorstellung seines Teams „fürs erste Spiel ganz O.k.“, urteilte Rolf Bauer. „Die Mannschaft muss sich erst finden. Es fehlt noch ein wenig an der Improvisation.“ Trotzdem hielt der B-Ligist gegen die höherklassigen Gäste gut mit. Das 0:1 von Thorsten Barho glich Florian Barth aus. Auch das 1:2, erneut durch Barho, egalisierte Lienzingen. Mehmet Ermis, der Neuzugang vom SV Illingen war der Schütze. Erst gegen Ende der Partie, als Lienzingen die Kräfte schwanden, stellten Dirk Weis und abermals Thorsten Barho den Endstand her.

 Zufrieden war der neue FVL-Coach dennoch nicht. Aus Prinzip. Denn: „Zufrieden darf man nie sein“, so Bauer nach dem Spiel mit einem breiten Lachen. Seit er am 9. Juli mit seiner Mannschaft ins Training eingestiegen ist, hat er vor allem im taktischen Bereich mit den Spielern gearbeitet. Ein ungewöhnlicher Ansatz, da die meisten Teams zu Beginn der Saisonvorbereitung vor allem Kondition bolzen, ehe es an die Feinarbeit geht. Der 50-jährige Bauer wählt nun einen neuen Weg: „Kondition bekommen wir auch so.“

Lienzinger Trainer plant ballorientierte Raumaufteilung

 Unter seiner Führung soll das Spiel des FV Lienzingen mit der Zeit neue Strukturen erhalten. „Wir wollen nicht mehr unmittelbar gegen den Mann, sondern mehr gegen den Ball spielen“, kündigt Bauer an. Und: „Über kurz oder lang – eher lang – will ich die Verteidigung auf eine Viererkette umstellen.“ Auf dem Platz ist Mannschaftskapitän Timo Bauer der verlängerte Arm des Trainers. Eine Mannschaft mit dem eigenen Sohn zu führen ist für Rolf Bauer nichts Besonderes. „Das hatten wir schon, als Timo noch ein kleiner Bub war.“

 Überhaupt ist auch der Fußballverein Lienzingen für Rolf Bauer nichts Neues. Vor zehn Jahren lenkte der heute 50-Jährige schon einmal die sportlichen Geschicke beim FVL, der damals noch im Württembergischen Fußballverband spielte. 2000 wechselte Bauer dann zum FC Viktoria Enzberg, den er bis 2005 trainierte. Anschließend war Bauer noch ein halbes Jahr als Trainer beim FV Öschelbronn tätig. Seither pausierte er. „Die zweieinhalb Jahre ohne Engagement haben mir gut getan. Aber jetzt war’s Zeit, mal wieder was zu tun“, sagt Bauer, der in Lienzingen die Nachfolge von Imam Özalp angetreten ist. Özalp hatte bereits im Winter seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt. Der 42-Jährige sitzt in der kommenden Spielzeit beim A-Ligisten TSV Heimsheim auf der Trainerbank.

 Neben Özalp, der auch als Spieler mit auf dem Platz stand, haben nur zwei weitere Aktive den FV Lienzingen verlassen. Abwehrspieler Tayfur Tursun ist zum Bezirksliga-Absteiger Spvgg Zaisersweiher gewechselt. Torhüter Manuel Bergthold ist Trainer Özalp nach Heimsheim gefolgt. Ihn beerbt Murat Adiyaman zwischen den Lienzinger Pfosten, der vom Bezirksligisten FC Mühlacker verpflichtet wurde, und gegen Ötisheim bereits den Kasten des FVL hütete. Weitere Neuzugänge sind die beiden Stürmer Andreas Villa, seither in Zaisersweiher aktiv, sowie der bereits eingangs erwähnte Mehmet Ermis. Außerdem bekommt die erste Mannschaft des FV Lienzingen Zuwachs aus der eigenen Jugend in Person von Fabio Tschätsch und Seven Lindauer für die Abwehr, Serdar Kurt und Sebastian Krauth für das Mittelfeld. Mit Ersan Göre stößt noch ein weiterer FVL-Jungspund zu den Aktiven, kommt laut Angaben des Vereins aber eher für die Reserve infrage.

 Als Ziel für die kommende Saison peilt der FV Lienzingen Platz fünf oder besser an. Als Fünfter hat der Verein auch die abgelaufene Saison in der Kreisklasse B 1 abgschlossen. Damit schraubt der Club seine eigenen Ansprüche nach oben. Denn als der FV Lienzingen Ende April die Verpflichtung Rolf Bauers als neuem Trainer für zunächst einmal eine Saison bekannt gab, nannte FVL-Spielleiter Martin Renner noch einen Platz im vorderen Mittelfeld als Saisonziel.

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