Lieber fair als halbherzig

Erstellt: 30. Mai 2009, 00:00 Uhr
Lieber fair als halbherzig Maßarbeit: Seine Schrotflinte ist Kai Squillante quasi auf die Backe geschneidert. „Warum mit einem Fiat schießen, wenn ich einen Porsche habe?“, fragt der Trapschütze ironisch. Fotos: Hansen

Kai Squillante tritt sportlich kürzer – Viermaliger Deutscher Juniorenmeister sieht Schützen zu Unrecht in Verruf

„Nur ein Hobby“ – auf der persönlichen Bestenliste von Kai Squillante rangiert Sportschießen hinter dem Studium, Jobben und Freundin auf Platz vier: Das hindert ihn nicht daran in den Disziplinen Trap und Doppeltrap die unbestrittenen Nummer eins zu sein. Eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte könnte schwierig werden.

Von Isabel Hansen

Mühlacker.  Viermal ist Kai Squillante Deutscher Meister der Junioren geworden. Doch derzeit lässt sich der 20-Jährige aus Mühlacker so gut wie gar nicht bei seinem Verein, der SG Pforzheim, blicken „Im August beginne ich mein Berufsakademie-Studium bei Blanco in Oberderdingen. Da schadet es nichts, mich vorzubereiten, Deutsch und Mathe-Kenntnisse wieder auf Vordermann zu bringen“, meint Squillante, der gerade seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr absolviert hat. „Außerdem jobbe ich noch viel, mein Auto braucht Benzin, und eine Finanzrücklage für das Studium ist auch nicht schlecht“, erklärt Squillante. „Das Schießen ist für mich nur ein Hobby. Dinge wie Ausbildung und Beruf gehen vor. Trotzdem habe ich natürlich den Ehrgeiz, zu gewinnen.“

 Dieses Jahr fehlt ihm aber nicht nur die Zeit, sondern auch seine Waffe: „Die wird gerade in Italien bei Beretta überholt.“ Eine Alternative zu seiner Schrotflinte gibt es für ihn nicht: „Der Schaft beispielsweise ist für mein Gesicht maßgeschneidert. Vergleichen Sie das mit Automarken. Warum sollte ich mit einem Fiat schießen, wenn ich einen Porsche habe?“ Und bei Preisen, die für Luxus-Modelle durchaus im fünfstelligen Bereich liegen, dürfte ein „Zweitwagen“ auch bei Liebhabern kaum zur Diskussion stehen.

 Aus dem Nationalkader, dem er die vergangenen drei Jahre angehörte, ist er bereits freiwillig ausgeschieden: „Bevor ich etwas halbherzig mache, ist es nur fair, dass ein anderer seine Leistung zeigen kann.“ Es ist nicht das erste Mal, das er einem „Ersatzmann“ als Sportsmann den Vortritt lässt. „Im Jahr 2007 habe ich mich für die Weltmeisterschaft in Spanien qualifiziert, und dann bin ich kurz vorher krank geworden. Ich habe schließlich abgesagt. Das war schon schade“, erinnert er sich.

 Die Deutschen Meisterschaften Ende August will er sich allerdings nicht entgehen lassen, auch wenn er seine Aussichten auf den fünften Meistertitel als niedrig einstuft. Andererseits sind ihm auch seine bisherigen Erfolge – 2006 Deutscher Meister im Trap, 2007 Deutscher Meister im Trap und Doppeltrap, 2008 Deutscher Meister im Doppeltrap – ganz nach der Trainingsphilosophie seines Vaters Nicola eher spielerisch zugeflogen: „Kurz vorher, maximal drei Monate vor großen Wettkämpfen, fangen wir mit dem Training an. Beim Sportschießen ist es wie bei einem Spiel. Wird es zu oft gemacht, hat man die Nase voll“, glaubt Nicola Squillante, dass Spaß und Spannung wichtige Erfolgsfaktoren sind neben Kraft, Ausdauer und Konzentration.

 Pro Durchgang werden 25 Wurfscheiben mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern mal nach links, mal nach rechts, mal geradeaus katapultiert, mal schießen sie flach über die Grasnarbe, dann wieder mehrere Meter hoch. Fünf Durchgänge müssen die Schützen absolvieren, bevor die besten Sechs sich im Finale messen. „Ein Wettkampf zieht sich mit Pausen über den ganzen Tag und das manchmal in praller Sonne. Am Abend bin ich groggy“, sagt Squillante.

 Was für Laien ein ohrenbetäubendes Chaos ist, das in den Ohren klingelt und die Augen nicht zur Ruhe kommen lässt, macht für Squillante den Reiz am Trap-Schießen aus. „In dem Sport steckt viel Bewegung, und er findet draußen statt. Mit dem Luftgewehr am Schießstand auf eine Scheibe zu schießen, finde ich langweilig. Außerdem ist Trap-Schießen natürlich auch etwas Besonderes. Etwas, dass nicht jeder macht. Das ist immer ein Gesprächthema.“

„Wer Sportschützen zum Buhmann macht, macht es sich sehr einfach“

Kai Squillante, Deutscher Juniorenmeister im Trap- und Doppeltrap-Schießen
 In jüngster Zeit indes nervt es ihn manchmal, wenn das Gespräch auf Sportschützen kommt und im gleichen Atemzug Amokläufe genannt werden. „Als Schütze bin ich im Zwiespalt. Beim Amoklauf in Erfurt war ich noch in der Schule und der einzige Sportschütze, den man fragen konnte. Das war in Ordnung. Wer Sportschützen aber zum Buhmann macht, macht es sich sehr einfach und vernachlässigt darüber die Bedeutung von Gesellschaftsstrukturen und Erziehung auf die Menschen. Aber das sind natürlich Faktoren, die schwer zu beeinflussen und nicht so schön plakativ zu verbieten sind.“ Dass die Waffengesetze in Deutschland keineswegs lax sind, hat Squillante als Jugendlicher erlebt. „Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu schießen. Bevor ich ein Waffe in die Hand nehmen durfte, brauchte ich auch ein psychologisches Gutachten.“

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