Lieber acht oder elf Freundinnen sein?

Erstellt: 29. April 2009, 00:00 Uhr
Lieber acht oder elf Freundinnen sein? Schnelles Spiel ist auf dem zu hohen Knittlinger Gras schwierig. Die Fußballerinnen aus Knittlingen (blau) und Enzberg zeigen dennoch vor allem in Halbzeit zwei eine gute Partie. Foto: Eigner

Fußball, Landesliga Frauen: Knittlingen besiegt Enzberg mit 3:0 – Trainer über das badische Ligasystem geteilter Meinung

Mit 3:0 haben die Fußballfrauen des FV Knittlingen ihr Lokalderby gegen Viktoria Enzberg gewonnen, am Montagabend ein 2:0 in Nussbaum nachgelegt. Knittlingen festigte damit Platz zwei in der Landesliga. Am Spielfeldrand indes geteilte Meinungen über das badische Ligasystem.

Von Steffen-Michael Eigner

Eigentlich müsste Francisco Palas mit dem Saisonverlauf hoch zufrieden sein. Immerhin stehen seine Knittlinger Fußballerinnen auf Platz zwei der Landesliga 3. Ist er aber nicht: „Wir haben zwei Siege leichtfertig verschenkt und müssten eigentlich sechs Punkte mehr haben. Das wurmt mich“, räumt der gebürtige Spanier ein, der 1970 als Achtjähriger mit seinen Eltern aus dem andalusischen Jerez nach Deutschland zog. Dennoch zollt der Trainer seinen Frauen ein großes Lob. „Wir haben in dieser Saison wieder einen großen Schritt vorwärts gemacht. Das Stellungsspiel ist besser geworden, die Technik am Ball hat sich stark verbessert.“ Nur drei Spielerinnen im Kader sind älter als 20 Jahre. Aber sie sind gut eingespielt. Seit neun Jahren ist das Team beisammen. Im Jahr 2000 übernahm Palas das Traineramt bei den Mädchen. Einzige Kritik des FVK-Trainers an seiner mittlerweile erwachsenen Frauschaft: „Uns fehlt Kondition. Einige Spielerinnen machen Abitur, andere arbeiten Schicht. Immer wieder fehlen welche im Training.“ Kritik übt Palas auch am Ligasystem des Badischen Fußball-Verbandes (BFV).

 In der Landesliga, der untersten Frauen-Spielklasse im BFV, wird auf dem Kleinfeld und kleinere Tore gespielt. Auf dem Rasen stehen nur sieben Feldspielerinnen je Team, gewechselt werden kann wie beim Handball beliebig oft. „Ich darf maximal fünf Reservespielerinnen benennen“, erklärt Palas, der darin ein Problem sieht. „Wenn eine Mannschaft aufsteigt, muss sie mit elf gegen elf auf dem normalen Fußballfeld spielen. Eine Umstellung und damit ein Nachteil für die Aufsteiger“, findet Palas. Und noch etwas missfällt Francisco Palas: „Bis einschließlich zur B-Jugend gibt es bei den Mädchen im badischen Fußball keine Abseitsregel. Das schränkt die taktischen Möglichkeiten ein. Jeder stellt seine einfach stärkste Spielerin vorne rein, und die wird dann mit langen Bällen gefüttert.“ Vor allem bei Teilnahmen auf Turnieren im württembergischen Raum sei das ein echtes Problem: „Da laufen die Mädchen ständig ins Abseits.“ In taktischer Hinsicht seien die Mädchen aus badischen Vereinen ihren Altersgenossinnen aus Württemberg deshalb „weit hinterher“, so die Beobachtungen von Palas.

 Zumindest was das Spiel mit verkleinerten Teams auf dem Kleinfeld angeht, widerspricht Udo Kowalski seinem Kollegen Palas. „Das mit dem Kleinfeld ist schon O.k.“, findet der Trainer von Viktoria Enzberg. „Bei Acht-gegen-Acht schaffen es mehr Vereine, eine Frauen-Mannschaft zu stellen. Dann sind auch die Wege zu den Spielen nicht so weit.“

 In der Tat spielen in der badischen Landesliga 3 ausschließlich Vereine aus dem Fußballkreis Pforzheim. In der Bezirksliga 2 des Württembergischen Fußballverbandes (WFV), wo beispielsweise die Frauen des TSV Großglattbach spielen, sind die Wege weiter. In der untersten WFV-Frauenklasse heißen die Gegner unter anderem Neubulach, Leonberg-Warmbronn, Bad Teinach-Zavelstein und Stuttgart-Möhringen.
 Auch Udo Kowalski hat bei seinen Enzberger Fußballfrauen eine Leistungssteigerung in den vergangenen Monaten ausgemacht. „Wir spielen deutlich gefälliger und ballsicherer“, lobt er sein Team, das erst seit zwei Jahren zusammen spielt. Die 0:3-Niederlage beim FV Knittlingen sei jedoch verdient. „Knittlingen war das gesamte Spiel über besser. Das muss man einwandfrei zugeben. Außerdem ist unsere Kapitäin Katja Hofmann mit einer fiebrigen Erkältung ins Spiel gegangen.“

 Allerdings hatten sich die Knittlinger Frauen lange schwer getan. In der ersten Halbzeit – die badische Landesliga spielt zweimal 40 Minuten – hatten die FVK-Damen zwar mehr Ballbesitz. Doch im Spiel nach vorne lief nicht viel zusammen. Strafraumszenen bekamen die Zuschauer am Knittlinger Spielfeld kaum zu sehen. Schnelles Spiel war auch nicht sonderlich einfach. Auf dem viel zu hohen Gras – angeblich erst tags zuvor gemäht – kam das Leder gar nicht richtig ins Rollen. Erst in der zweiten Halbzeit schlug Knittlingen aus seiner Überlegenheit Kapital.

 Kurz nach der Pause erzielte Kathrin Burger nach einem Solo die Führung (42.) und legte drei Minuten später nach einer Flanke von Jacqueline Palas das 2:0 nach. Den 3:0-Endstand besorgte die Tochter von Trainer Francisco Palas in der 74. Minute nach einem Alleingang selbst. In der Landeliga-Tabelle liegt Knittlingen mit 26 Punkten an Position zwei, und hat nach dem 2:0-Sieg beim 1. FC Nußbaum zwei Tage später am Montagabend nun sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Schellbronn. Nußbaum folgt mit 19 Punkten auf Rang drei. Viktoria Enzberg ist Tabellensiebter.

FV Knittlingen: Serap Adibelli – Caroline Boßmann, Jennifer Palas, Kathrin Burger, Lara Gillardon, Nucharee Urban, Anna Jantke, Linda Reutlinger, Sara Eberhardt, Jaqueline Palas, Ariane Mschek, Nadja Eberhardt, Adriana Licata

Viktoria Enzberg: Janina Herzog – Sarah Lockner, Julia Leibersperger, Alexandra Gleich, Simone Strud, Anna Schrammel, Katja Hofmann, Kim Barth, Sina Regelmann, Verena Elsäßer, Julia Lockner

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