Letzte Warnung: Wer säuft, der läuft!

Erstellt: 30. März 2010, 00:00 Uhr

Polizei und Behörden setzen im Kampf gegen junge Randalierer auf das Modell der gelben Karte

Wer mit Promille im Blut randaliert oder auf andere einprügelt, sieht künftig die gelbe Karte. Ein weiterer solcher Vorfall, und er geht zu Fuß.

Von Eva Filitz

Pforzheim. Die Ansicht, der Führerschein sei nur bei Verkehrsdelikten in Gefahr, sei ein Irrtum, betonen die Behörden.

 Wer andere verletze und bedrohe, wer seine Aggressionen nicht im Griff habe oder es „cool“ finde, sich bis zur Bewusstlosigkeit zu betrinken, der nehme es vielleicht auch mit den Verkehrsregeln nicht ganz so ernst – und hier könne das falsche Verhalten leicht tödlich enden.

 „Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten innerhalb und außerhalb des Straßenverkehrs gibt“, erläutert der Leiter der Polizeidirektion Pforzheim, Burkhard Metzger. „Der Häufung von Gewalttaten, oft in Verbindung mit übermäßigem Alkoholgenuss, setzen wir die gelbe Karte entgegen. Wo sonstige Maßnahmen bislang nicht gefruchtet haben, wird der Entzug des Führerscheins oder die Verweigerung der Erteilung wegen aktenkundigen Fehlverhaltens weh tun.“

 Die Stadt Pforzheim, der Enzkreis und die Polizei ziehen für die gelbe Karte an einem Strang. Flyer und Plakate sollen überall dort ausgehängt und verteilt werden, wo sich Jugendliche treffen; in Schulen, Diskotheken, in Szenelokalen und an Bus- und Bahnhaltestellen. Die Slogans der Kampagne sind kurz und griffig gehalten. „Wer randaliert, verliert“ und „Wer säuft, läuft“ – klare Aussagen, die sich der Zielgruppe der Aktion rasch einprägen sollen.

 Grundlage für den Führerscheinentzug ist die so genannte Fahrerlaubnis-Verordnung. Darin ist geregelt, dass ein Führerschein verweigert oder eingezogen werden kann, wenn der Fahrer charakterlich nicht geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Dahinter steht der Gedanke, dass derjenige, der keine Verantwortung für sich selbst tragen kann – Beispiel Komasaufen –, auch keine Verantwortung für ein Fahrzeug übernehmen darf. Wer als Schläger oder Randalierer aufgefallen ist und dennoch einen Führerschein beantragen will, muss ebenfalls diverse Eignungsprüfungen über sich ergehen lassen, ein ärztliches Gutachten oder das als „Idiotentest“ bekannte medizinisch-psychologische Gutachten vorweisen. Das kostet Zeit und Geld.

  Die Polizei meldet ein auffälliges Verhalten an die Führerscheinstelle, die dem Sünder seine Verwarnung in Form der gelben Karte ins Haus schickt. Liegt gar eine strafbare Handlung vor, wird Anzeige erstattet. „2009 haben wir rund 200 Führerscheine eingezogen und ebenso viele Anträge auf Erteilung der Fahrerlaubnis abgelehnt“, berichtete Metzger. Das Modell der gelben Karte, das in Karlsruhe schon erfolgreich laufe, werde ab sofort auch in der Region konsequent umgesetzt.

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