Letzte Station: Gnadenhof

Erstellt: 9. Januar 2010, 00:00 Uhr
Letzte Station: Gnadenhof Tierisch glücklich auf dem Gnadenhof: Der riesige, verschmuste Bernhardiner-Mix Ali Baba bekommt Streicheleinheiten von Felicia Ruhland.

Felicia Ruhland, Leiterin von Animal Hope, erreichen immer mehr Hilferufe – Einrichtung braucht dringend Unterstützung

Mit der Pachtverlängerung bis 2015 hat die Zitterpartie um den Illinger Gnadenhof ein glückliches Ende gefunden. Zeit für Besinnlichkeit bleibt Leiterin Felicia Ruhland aber nicht. Haus und Hof müssen renoviert werden, neue Hunde-Herrchen sind Mangelware, und das Budget ist knapp.

 Von Isabel Hansen

Illingen. Geschlagen, vernachlässigt, verdreckt, ausgedient und ausgesetzt – bei Felicia Ruhland haben zahlreiche gequälte oder dem Tod geweihte Tiere ein neues Zuhause gefunden. Merlin, die schwarze Dogge, ist drei Jahre alt und hat schon schlechte Erfahrungen gemacht. „Merlin kam halb verhungert zu uns. Die Familie, bei der er lebte, hatte ihre eigenen Probleme und hat ihn einfach nicht gefüttert“, erzählt Felicia Ruhland. Nur eines der vielen Tierschicksale: Pinscher-Mischling Chuchu verschafft sich inzwischen mit selbstbewusstem Bellen Respekt. Der kleine Frechdachs stammt aus einem Messie-Haushalt und wurde ausschließlich drinnen gehalten. Schäferhündin Uta ist die Letzte aus einem siebenköpfigen Rudel, das die Polizei Ende 2008 in einer Baracke auf dem Illinger Luigareal fand. Es hatte die Leiche ihres Herrchens bewacht. Ein grausiger Anblick: „Es war furchtbar. In jedem Zimmer lag Hundekot auf dem Boden“, erinnert sich Ruhland.

 Hilferufe erreichen die Tierschützerin aus aller Welt. „Besitzer geben Tiere ab, mit denen sie nicht mehr klarkommen oder die sie nicht behalten können, weil Tierhaltung verboten ist. Manchmal fehlen Verantwortungsgefühl und Tierliebe“, klagt Ruhland. Der Anfang einer endlosen Liste: „Bürger bringen ausgesetzte Tiere, Polizei oder Veterinäramt bringen beschlagnahmte Tiere. Manchmal sind wir das Überlaufventil für andere Tierheime.“

Das Hundehaus muss  dringend renoviert werden

 „Nein“, lautet derzeit die Antwort von Felicia Ruhland bei Anfragen, ob der Gnadenhof den Hund noch nehmen könne. „Das Hundehaus muss dringend renoviert werden. Wir haben einfach keinen Platz mehr, um weitere Tiere vernünftig zu halten“, bedauert sie. Das dürfte sich so schnell nicht ändern. 22 Hunde, rund 20 Katzen, etliche Pferde, drei Esel, einige Ziegen, vier Schweine und ein Waschbär tummeln sich auf Weiden, in Ställen, im Zwinger und im Terrarium. „Große und alte Hunde lassen sich nur schwer vermitteln. Futter und Arztkosten können teuer werden. Die Wirtschaftskrise verschlimmert die Situation“, berichtet die Leiterin des Gnadenhofs.

 Außerdem müssen die Tiere zur neuen Familie passen. „Bevor sie hin- und hergereicht werden, bleiben sie besser gleich hier.“ Ruhland betont: „Wir sind keine Durchlaufstation, die Hunde und Katzen so schnell wie möglich an neue Besitzer vermittelt. Wir sind ein Gnadenhof, in dem Tiere, die niemand mehr haben will, zur Ruhe kommen können. Viele haben auch ihre Macken und müssen artgerechtes Verhalten in der Gruppe erst wieder erlernen.“ Nur wenig Verständnis bringt Ruhland für Urlauber auf, die herrenlose Tiere mitbringen, um ihr Souvenir dann in Tierheimen oder Gnadenhof unterzubringen. „Wir können doch bei uns schon nicht alle Tiere retten. Wem das Herz blutet, der sollte die Arbeit der Tierschutz-Organisationen vor Ort unterstützen. Eine Kastration vom Rüden ist langfristig wesentlich sinnvoller als der Tierimport.“

 Kaum eine Vermittlungschance haben „nutzlose“ Nutztiere. Wer will schon ein Schwein? Die Braut, die Gonso als lebendes Spanferkel für die Hochzeit geschenkt bekommen hatte, jedenfalls nicht. „Nachdem das Ferkel im Wohnzimmer übernachtet hatte, wollte die Frau es doch nicht grillen. Behalten wollte sie es aber auch nicht“, erinnert sich Ruhland. „Als das Ferkel kam, stand noch ,Viel Glück’ auf seinem Bauch. Makaber.“

Auch mit vielen Kleinigkeiten lässt sich Großes bewegen

 Glück haben Schwein Gonso, Dogge Merlin oder Ex-Turnierpferd Kuno allerdings bitter nötig, damit sie künftig gut über die Runden kommen. „Das Geld für den Unterhalt zusammenzubekommen, ist ein Drahtseilakt. Allein Pferde- und Hundefutter sowie Tierarztkosten verschlingen jährlich über 40000 Euro; schon das sind rund 3000 Euro, monatlich. Die jüngste Impfaktion hat allein 2500 Euro für das Serum gekostet“, nennt sie einige Kostenfaktoren. „Obwohl uns Initiativen wie Futter für Tiere in Not, Bund deutscher Tierfreunde oder Robin Hood unterstützen, benötigen wir private Spenden, um Heu und Stroh bezahlen zu können.“

 Für Instandhaltungsarbeiten auf dem Gnadenhof reicht das Budget oft nicht mehr aus: Renovierung des Hundehauses, Ausbesserung von Lattenzäunen, Elektroarbeiten. „Wir freuen uns über jeden ehrenamtlich arbeitenden Handwerker, jede helfende Hand, jede Materialspende. Auch mit vielen Kleinigkeiten lässt sich Großes bewegen“, sagt Felicia Ruhland.

 Dabei profitieren auch Menschen von der Einrichtung. Jana Shipulina und Sarah Mullins haben im August ihre Ausbildung zur Tierpflegerin angefangen. „In meiner Familie war ich das Problemkind. Ich leide unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom und bin hyperaktiv. Die Arbeit mit den Tieren ist besser als jedes Medikament. Es gibt immer etwas zu tun. Abends bin ich ausgepowert, freue ich mich auf Badewanne und Bett“, sagt die 21-jährige Sarah.

 Die 18-Jährige Jana hat zuletzt im Heim gelebt. „Ich mag den Umgang mit Tieren. Sie geben mir das Gefühl gebraucht zu werden“, sagt sie.

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