Leben im Zeichen der Nadel

Erstellt: 13. Dezember 2006, 00:00 Uhr
Leben im Zeichen der Nadel Gut verpackt nach Hause: Christbäume sind jetzt vielerorts zu haben. Foto: Becker

Der Weihnachtsbaumverkauf hat begonnen – Edeltannen stehen hoch im Kurs

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen; wie glänzt er festlich, lieb und mild, als spräch’ er: „Wollt in mir erkennen getreuer Hoffnung stilles Bild.“

Bis tatsächlich am Heiligen Abend am Baum die Lichter brennen, vergehen noch einige Tage, doch schon jetzt kreuzen sich vielfach die Wege von Mensch und Baum. So wie vielerorts am Straßenrand, in Baumschulen und bei großen Märkten. So wie in Serres, wo Walter Gille vor allem an den beiden kommenden Adventssamstagen eine Menge Arbeit auf sich zukommen sieht. Der Gärtnermeister im Ruhestand kann sich in den Wochen vor Weihnachten inzwischen ganz auf sein Hobby konzentrieren: Seit rund 30 Jahren zieht er auf einer Fläche von etwa 40 Ar Generation um Generation von Christbäumen heran.

 „Ich bekomme die Pflänzchen, wenn sie etwa 15 Zentimeter hoch sind“, berichtet Gille, „ziehe sie dann zwei bis drei Jahre in meinem Garten und setze sie von dort direkt nach dem Abernten auf den Acker.“ Dort führt er seine Kunden mit ihren zukünftigen Nordmannstannen, Douglasien, Blaufichten, Korea- oder Coloradotannen zusammen.
 „Die Leute suchen sich einen Baum aus, und ich schlage ihn dann für sie ganz frisch“, beschreibt er das Ende eines Lebens im Zeichen der heizungsresistenten Nadel, das runde zehn Jahre gedauert haben wird, ehe die Zimmerhöhe erreicht ist. An der Größe des Baums orientiert sich denn auch der Preis.

 „Eine Blaufichte von 1,50 Meter gibt es schon unter zehn Euro, für eine ähnlich hohe Nordmannstanne muss man aber etwa das Doppelte ausgeben“, begründet der Weihnachtsbaum-Experte diesen Preisunterschied damit, dass die Edeltanne frostempfindlicher sei und gesteigerte Ansprüche an die Bodenqualität stelle.
 „Wo die ihre Bäume herbringen, weiß ich nicht“, wundert sich der ehemalige Vaihinger Stadtgärtner angesichts der „Schleuderpreise“, mit denen so mancher Baumarkt um Käufer werbe. Doch Konkurrenzdruck verspüre er nicht, seien doch seine Stammkunden bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen – das persönliche Kennenlernen am Ort, wo der Wohnzimmergast verwurzelt war, inklusive.

 Das Forstamt des Enzkreises hingegen betätigt sich nicht mehr als direkter Vermittler zwischen Fichte und Frau, Tanne und Mann. „Das rentiert sich nicht“, verweist Fritz Kramer, der stellvertretende Amtsleiter, darauf, dass die Nordmannstanne den Fichten und Weißtannen der regionalen Wälder in der Gunst der Baum-Käufer längst den Rang abgelaufen habe. Die anspruchsvolle Schönheit, die aus dem Kaukasus und dem Schwarzmeergebiet stammt, aber deshalb hier anzubauen, lohne sich nicht. „Die Förster versorgen in der Regel noch Kindergärten, Rathäuser und ähnliche Einrichtungen, in einigen Orten findet auch noch ein eingeschränkter Verkauf statt“, weiß Kramer. So kommen beispielsweise am nächsten Samstag ab 11 Uhr in Schützingen, später auch in Illingen Christbäume bei einer Versteigerung unter den Hammer. Dann wechseln überwiegend einheimische Gewächse den Besitzer. Ein solches, voraussichtlich eine Weißtanne, wird auch in Fritz Kramers Wohnzimmer geschmückt zur Geltung kommen.

 Noch allerdings haben hier Mensch und Baum noch nicht zueinander gefunden – wie in vielen Familien, in denen die Wahl noch nicht getroffen ist. Blaufichte oder Nordmannstanne? Kleine oder große Ausgabe? Diese Fragen gilt es möglichst einvernehmlich zu klären, damit am Ende das Lichtlein am Baum und nicht der Baum in der Familie brennt.Carolin Becker

Weiterlesen

Jugendliche geben gefundenes Geld ab

Mühlacker (pol). Ein dickes Lob der Polizei gibt es für vier junge Leute in Mühlacker, die am Samstagabend auf der Lienzinger Straße ein Päckchen mit etwa 7000 Euro gefunden haben…. »