Landwirtschaft leidet unter der Hitzewelle

Erstellt: 29. Juli 2006, 00:00 Uhr
Landwirtschaft leidet unter der Hitzewelle Hochdruckwetter sorgt auch im Enzkreis für hektische Ernte. Foto: Kroh

Tieren droht Futtermangel, Einbußen bei Ernte erwartet

Enzkreis – Die Landwirte in der Region haben mit dem trockenen und heißen Sommer zu kämpfen. Bei einzelnen Erzeugnissen befürchten sie deutliche Ertrags- und Qualitätseinbußen gegenüber dem Vorjahr.

VON JOHANNES FUCHSLOCHER

Ulrich Jaggy besitzt einen landwirtschaftlichen Betrieb in Ötisheim. Vor allem bei Brau- und Vollgerste rechnet er aufgrund der langanhaltenden Hitze mit Qualitätseinbußen . „Wenn die Qualität nicht stimmt, wird das Korn als Tierfutter verkauft werden müssen“, klagt der Landwirt. Das mache immerhin einen Ertragsunterschied von drei Euro pro Doppelzentner aus. Auch die Sommergerste leidet stark unter der Hitzewelle. Der Grund dafür sei der langanhaltende Winter, erklärt Jaggy das Dilemma. Wegen der langen vierten Jahreszeit sei zu einer verspäteten Aussaat gekommen. „In der verhältnismäßig kurzen Übergangszeit gab es zu wenige Niederschläge“, so Jaggy. Zwar spricht der Ötisheimer noch nicht von einer Noternte, doch „es geht etwas hektischer zu als in den Vorjahren 2004 und 2005“, betont er. Für eine Bilanz in Sachen Ertragsschäden, sei es noch zu früh. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man noch keine präzise Aussage treffen. „Ein weiteres großes Problem ist langanhaltende Trockenheit der Wiesen“, weiß der Landwirt. Aufgrund fehlender Feuchtigkeit würden sie nicht richtig wachsen. „Für unsere Tiere herrscht somit Futtermangel“, erklärt Jaggy.
 Da das Wetter immer extremer werde, empfehle er jedem Bauern eine Hagelversicherung abzuschließen. „Dies ist wenigstens eine Möglichkeit sich für die Zukunft zu wappnen.“ Ulrich Hauser, der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Enzkreis meint, dass das aktuelle Wetter „optimal für die Ernte“ sei, jedoch für die Pflanzenentwicklung „im wahrsten Sinne des Wortes tödlich“. Man spreche in diesem Fall vom notreifen Getreide, welches geerntet werden müsse. „Sonst verbrennt es in der Sonne.“ Der Nachteil sei, dass die Anreicherung der Nährstoffe noch nicht ganz ausgebildet sei, und somit im Endeffekt an Qualität verliere“, so Hauser.
 Der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes gibt im Gegensatz zu Jaggy eine etwas optimistischere Ernte-Prognose ab: „Meiner Einschätzung nach wird es eine Durchschnittsernte geben. Die Einbußen werden nicht die Höhe vom so genannten Jahrhundertsommer 2003 erreichen.“ Für die Maisernte sehen sowohl Jaggy als auch Hauser noch keine Gefahren. „Die Maisernte findet im September statt“, jedoch werde es auch für hier langsam für nasse Unterstützung von oben Zeit“. Aufgrund der immer länger anhaltenden Trockenphasen im Sommer rät Hauser zu einer Bewässerung der Getreidefelder, „wie man sie vom Gemüseanbau her kennt.“ Doch ob sich dies ökonomisch rentiere, sei eine andere Frage.

 Hauser bemängelt unterdessen den fortlaufenden Subventionsabbau der Politik: „Wir Bauern sind einfach Standortgebunden, wir können nicht einfach unsere Böden schnappen und nach Osteuropa abhauen, wo die Personalkosten, die Umweltstandards sowie die Tierhaltungsrichtlinien deutlich geringer sind.“
 Der Vorsitzende der Kreisbauern: „Da können wir einfach nicht mithalten. Das ist ein Aspekt der uns deutlich mehr ins Schwitzen bringt.“

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