Lamm in Sternenfels verkauft

Erstellt: 27. Oktober 2006, 00:00 Uhr
Lamm in Sternenfels verkauft Ortsbildprägendes Gebäude mit langer Tradition: die Gaststätte „Lamm“ in Sternenfels. Foto: Garhöfer

Neuer Besitzer Aydin Cagatay aus Knittlingen will an alte Tradition anknüpfen – Pächter gesucht

Sternenfels – Die Sternenfelser Traditionsgaststätte „Lamm“ hat den Besitzer gewechselt. Der Gebäudekomplex samt dem 11 ar großen Grundstücksareal in der Ortsmitte wurde in dieser Woche an den Knittlinger Aydin Cagatay verkauft. Der neue Besitzer will die Gaststätte und wenn möglich auch die Metzgerei weiter verpachten.

VON ANDREA GARHÖFER

Für den bisherigen Besitzer Alfred Frank geht mit dem Verkauf ein Stück Lebens- und Familiengeschichte zu Ende. „Im November 1905 erwarb mein Vater Christian Frank das Lamm für 32000 Goldmark“, erzählt er. Bereits damals war das Lamm ein Gasthaus mit Tradition: „Nach meinen Recherchen hat die Vorgängerfamilie dort schon seit etwa 1850 ein Gasthaus betrieben.“ Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1933 übernahm Metzgermeister Alfred Frank die Führung des Lamms, zunächst zusammen mit seiner Mutter Frida, später mit Ehefrau Irmgard. In den 50er und 60er Jahren nahm das Lamm – parallel zur touristischen Entwicklung der Gemeinde – einen rasanten Aufschwung und galt schließlich als eines der beliebtesten Speise- und Ausflugslokale in der Region.
 
 „In den Hoch-Zeiten hatten wir etwa 12000 Gäste pro Jahr allein schon von vorangemeldeten Gesellschaften und Ausflugsfahrten“, erinnert sich Alfred Frank. Damals kostete ein Rostbraten im Lamm 3,60 DM, das Viertele Sternenfelser wurde für 1,30 DM serviert. „Die Leute hatten zwar nicht viel Geld, aber die Geselligkeit und Gemeinschaft im Gasthaus war ihnen wichtig, und deshalb lief auch das Geschäft gut“, schätzt Frank die Situation der Gastwirte damals ein. Für den rührigen Lamm-Wirt war es darüber hinaus auch selbstverständlich, sich ehrenamtlich in seiner Heimatkommune zu engagieren: fast 20 Jahre lang als Gemeinde- und Kreisrat, zehn Jahre lang als Bürgermeister-Stellvertreter, als Vorsitzender im Gewerbe- und Verkehrsverein oder als Vorsitzender in der touristischen Fördergemeinschaft Schloßbergturm“. Im Jahr 1988 wurde Alfred Frank mit der Bürgermedaille der Gemeinde ausgezeichnet als „Anerkennung hervorragender Leistungen auf kommunalpolitischem, wirtschaftlichem und sozial-kulturellem Gebiet in seiner Heimatgemeinde“. Heute lebt der 81-Jährige in Bad Wörishofen.

„Natürlich fällt mir der Verkauf schwer“

„Natürlich fällt der Verkauf des ,Lamm‘ schwer, aber in meinem Alter kann man nicht mehr alles selber umtreiben“, meint er. Zumal das „Lamm“, das unter einem Dach eine Gaststätte mit Nebenzimmer, Festsaal, Fremdenzimmer sowie eine Metzgerei mit Verkaufslokal vereint, schon seit einiger Zeit leer steht. Mit seinen Verkaufsabsichten war Alfred Frank lange Zeit nicht erfolgreich: „Es scheiterte immer an der Größe des Objektes. Die Leute wollen heute kleinere Einheiten“, meint er.

 Jetzt hat er in dem Knittlinger Aydin Cagatay einen Käufer gefunden, der Vertrag ist bereits unter Dach und Fach. „Das Lamm soll für Sternenfels das bleiben, was es viele Jahrzehnte lang war: eine beliebte Speisegaststätte mit Metzgerei“, skizziert der neue Lamm-Besitzer seine Pläne. Er ist zuversichtlich, dass er einen Pächter für das „Lamm“ findet. „Am liebsten gut bürgerliche, schwäbische Küche“, sagt er. Er selbst will nicht als Gastwirt in Sternenfels aktiv werden, zumal Aydin Cagatay in seiner Heimatstadt Knittlingen fest verwurzelt ist: Der 40-Jährige ist dort unter anderem Vorsitzender des Fördervereins der Dr. Johannes-Faust-Schule, ehrenamtlich als Jugend- und Übungsleiter beim TSV Knittlingen aktiv, und auch in der Kommunalpolitik engagiert er sich: Bei den letzten Kommunalwahlen kandidierte Cagatay auf der Liste der SPD Knittlingen.

 Die Zukunftspläne für das Lamm werden auch auf dem Sternenfelser Rathaus aufmerksam verfolgt. „Das ,Lamm‘ ist ein ortsbildprägendes Gebäude in unserer Ortsmitte“, stellt Bürgermeisterin Sigrid Hornauer fest. „Und als Gemeinde würden wir es sehr begrüßen, wenn dieses zentrale Gebäude wieder belebt wird, vorzugsweise natürlich mit einer Gaststätte.“ Allerdings stellt die Bürgermeisterin auch fest: „Abgesehen von städtebaulichen Veränderungen haben wir als Gemeinde auf die Nutzung eines Gebäudes in Privatbesitz keinen Einfluss.“ Doch die Bürgermeisterin ist für die weitere Entwicklung des „Lamm“ sehr zuversichtlich: „Herrn Cagatay habe ich bereits kennen gelernt, und das erste Gespräch verlief sehr positiv. Seine bisherigen Vorstellungen für das ,Lamm‘ liegen absolut auch im Interesse der Gemeinde“.

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