Kritik: Ferientage stören Lernrhythmus

Erstellt: 29. September 2007, 00:00 Uhr
Kritik: Ferientage stören Lernrhythmus Keine verfrühten Herbstferien: Die Schulen im Raum Mühlacker haben nächste Woche Unterrichtspause. Foto: Fotomoment

Drei Wochen nach Schulbeginn steht den Schulen im Raum Mühlacker eine Zwei-Tage-Woche bevor

Mühlacker/Enzkreis – Aus Sicht der Schüler kann es gar nicht genug Ferien geben. Doch Elternverbände im Land üben Kritik: Drei Wochen nach Ende der Sommerferien sorgen kommende Woche zwei bewegliche Ferientage vor dem Tag der Deutschen Einheit für einen dreitägigen Unterrichtsstopp.

VON CAROLIN BECKER
UND MAIK DISSELHOFF

Was, schon wieder Herbstferien? Wer seine Schulzeit bereits hinter sich hat, droht den Überblick zu verlieren. Die Ursache sind die insgesamt acht beweglichen Ferientage in Baden-Württemberg. Zwei davon werden im Raum Mühlacker bereits kurz nach dem Schulstart eingesetzt. Kritiker dieser Regelung beklagen eine jähe Unterbrechung im Unterrichts- und Lernrhythmus, bevor dieser nach der langen Sommerpause überhaupt richtig eingesetzt habe.

 Auch der eine oder andere Schulleiter sieht die bevorstehende Zwei-Tage-Woche mit gemischten Gefühlen. „Diese Zäsur nach nur drei Wochen Schule finde ich nicht so glücklich“, bekennt der Leiter des Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), Thomas Mühlbayer. Seine Schule, lässt er auf Anfrage des Mühlacker Tagblatt durchblicken, hätte bei der Verteilung der Ferientage gerne eine andere Lösung gewählt. Die Entscheidung aber trifft die Mehrheit der Schulen und der Elternvertreter in einem standardisierten Verfahren. So sammelt in Mühlacker der geschäftsführende Schulleiter etwa ein Jahr vorher die Wünsche der einzelnen Schulen und legt auf dieser Grundlage gemeinsam mit dem Gesamtelternbeirat den Ferienplan für das nächste Schuljahr fest. Die Eltern sind bei der Terminplanung also mit im Boot.

 „An mich sind keine Klagen herangetragen worden“, sagt denn auch Stefanie Seemann, Elternbeiratsvorsitzende am THG. Auch was mögliche Engpässe bei der Betreuuung der Kinder betreffe, seien ihr keine Einwände zu Ohren gekommen. Dabei müssen, wenn beide Eltern berufstätig sind, die schulfreien Tage außerhalb der Ferien entsprechend umorganisiert werden. „Probleme“, vermutet Seemann, könne dies eher den Eltern der Grundschüler bereiten als den Eltern der Gymnasiasten.

 „Eine flexible Betreuung durch eine Tagesmutter ist ein einem solchen Fall prinzipiell möglich, lässt sich für ein oder zwei Tage schwer realisieren“, gibt Sabine Schäfer zu bedenken. „Sobald die Sache etwas kostet – und wir müssen natürlich die Arbeit der Tagesmutter berechnen –, lässt das Interesse vieler Eltern nach“, schildert die Erste Vorsitzende des Vereins Tagesmütter Enztal ihre Erfahrungen. Also doch zum Ferientag auch noch gleich ein Zwangsurlaubstag für die Eltern? Oder die Großeltern als Betreuungskräfte?

 „Man darf auch nicht übersehen“, mahnt die Leiterin des Maulbronner Salzach-Gymnasiums, Christine Stamler, zur Gelassenheit, „dass die Schüler die Tage zur Erholung nutzen. Schließlich ist der Beginn eines neuen Schuljahres immer sehr anstrengend.“ Die Maulbronner Schulen stimmten sich bei der Festlegung der beweglichen Ferientage nicht nur untereinander, sondern auch mit Mühlacker und Ötisheim ab. „Wenn man sich den Schulkalender in diesem Jahr anschaut, sind dies die Brückentage, die ins Auge fallen“, hält Stamler die Terminwahl für richtig.
 „Beschwerden wegen der beweglichen Ferientage haben uns zwar nicht erreicht, dafür aber eine ganze Reihe von Fragen, ob denn wegen der Schulhauserweiterung im kommenden Jahr sogar die großen Ferien verschoben werden müssen“, berichtet Thomas Mühlbayer von einem weiteren Faktor der Verunsicherung, der mit der Ferienplanung zusammenhängt. Hier kann der THG-Schulleiter aber rasch Entwarnung geben: „An diesem Gerücht ist nichts dran.“ Pfingst- und Sommerferien werden am THG auch in den Zeiten der Großbaustelle nach dem landesweiten Rahmenterminplan für das Jahr 2008 festgesetzt.

 So bleiben denn die acht beweglichen Ferientage, über die im Land unter anderem die Arbeitszeitverkürzung für Lehrer aufgefangen wird, die einzigen Variablen. Aus Sicht Thomas Mühlbayers wäre es von Seiten der Politik konsequenter gewesen, die kürzere Wochenarbeitszeit direkt umzusetzen, als schrittweise die Zahl der schulfreien Tage zu erhöhen, welche im Zweifelsfall der allgemeinen Forderung nach einem kontinuierlichen Fortschreiten des Unterrichts widersprechen.

 „Die zwei zusätzlichen Ferientage könnten wieder gestrichen werden, dafür aber sollte den Lehrern eine Stunde in der Woche eingeräumt werden, um ihre Schüler individuell zu fördern“, schlägt Mühlbayer vor. Auf diese Weise, erinnert der THG-Schulleiter an die Diskussion um die PISA-Studie und die Klage über zu wenige Abiturienten, könnten speziell in der Mittelstufe Schüler vor dem Abbruch ihrer gymnasialen Laufbahn bewahrt werden.

Weiterlesen
Papst antwortet Brezelkünstler

Papst antwortet Brezelkünstler

Roger Roitenstern übergibt Bronzefigur „Das Sonnentor“ an die Gemeinde WiernsheimSeit Jahren befasst sich der (Lebens)Künstler Roger Roitenstern mit der Brezel. Den 68-jährigen Franzosen, der seit zwölf Jahren in Wiernsheim lebt… »