Kristina lebt ihren Model-Traum

Erstellt: 4. Januar 2012, 00:30 Uhr
Kristina lebt ihren Model-Traum Kristina Petrov aus Mühlacker will sich in der Model-Branche durchboxen.

Mühlacker. Affektiert, an der Grenze zur Magersucht und einer Prise Koks nicht abgeneigt. Kristina kennt alle Vorurteile zum Modelbusiness – und träumt trotzdem davon, in dem harten Geschäft ihren Weg zu machen. Wie unerbittlich es sein kann, hat sie erst unlängst beim Casting für „Das perfekte Model“ in Köln erfahren müssen. Von acht Uhr bis 22 Uhr immer unter Hochspannung, verfolgt von den TV-Kameras, die jede Bewegung, Emotionen und Tränen der über 1000 Teilnehmerinnen einfangen wollten. Schließlich muss der Voyeur am TV-Bildschirm bei der Stange gehalten werden, damit er nicht spätestens in der Werbepause wegzappt.

„Das war brutal, aber auch total aufregend“, erzählt Kristina, die sich monatelang mit ihrem Manager und Mentor Igor Rogalski auf das Casting vorbereitet hat. „Wir haben in der Tiefgarage Laufen geübt, Beinübungen für die Körperbalance gemacht, und vor dem Spiegel habe ich meine Mimik beim Reden trainiert“, erzählt die Schönheit aus Mühlacker, die als Vierjährige aus Kasachstan mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Kristina weiß: „Es kommt nicht nur auf die Maße an, sondern auch auf die Ausstrahlung.“ Und die besitzen Top-Models wie Eva Padberg und Karolína Kurková auf jeden Fall. „Als sie beim Casting in Köln mit mir gesprochen haben, hat es mir glatt meine Englisch-Kenntnisse verschlagen“, gesteht Rogalski. „Sie strahlen wie die Sonne.“

Schönheit und Ausstrahlung sind ein anstrengender Job. Beim Casting in Köln mussten die Teilnehmerinnen immer damit rechnen, von einer Kamera in einer ungünstigen Pose überrascht zu werden. „Deshalb habe ich meine High Heels auch nicht ausgezogen, obwohl die Füße fürchterlich schmerzten“, erzählt Kristina, die zwar Verständnis für den Kamera-Hype hat, aber auch möchte, dass Grenzen respektiert werden. „Einige Mädchen sollten den Koffer aufmachen und zeigen was sie alles mitgenommen haben. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Man muss doch auch Mensch bleiben dürfen.“ Nicht jedes angehende Model zieht beim Casting Grenzen, berichtet Kristina. „Einige haben sich ganz schön vor den Kameras produziert und beispielsweise mit einem angeblichen Alkoholentzug regelrecht geprahlt“, würden einige Schönheiten offenbar versuchen, die gängigen Klischees zu erfüllen, um ihre Karriere anzuschieben.

Klischees, die auf Kristina nicht zutreffen. Natürlich besitzt sie auch Modelmaße, auch wenn sie an den magischen 90-60-90 knapp vorbeischrammt. Sie hält ihren Körper mit Hip-Hop-Tanzen in Form, wiegt bei 1,80 Meter Größe 60 Kilo und gefällt sich so: „Kurven sehen schöner aus als ein dürrer Stock“, findet Kristina. „Wenn ich für einen Job zehn Kilo abnehmen müsste, würde ich Nein danke sagen.“

Dass es beim Casting in Köln nicht ganz für die Endrunde gelangt hat, nimmt Kristina gefasst. „Ich war unter den Top-50, dort aber ganz am Schluss dran“, erzählt sie. „Da hatte die Jury sich womöglich schon festgelegt, und ich passte vielleicht auch nicht ganz in ihr Raster.“ Denn auch die Moden bei den Models unterliegen einem schnellen Wandel. „2011 waren vor allem hellhäutige Frauen gefragt“, hat der Latino-Trend eine Pause eingelegt.

Auf die Mode und den Erfolg als Model will Kristina sich deshalb auch nicht verlassen. Zurzeit besucht sie die zehnte Klasse an der Johanna-Wittum-Schule in Pforzheim. Nächstes Jahr möchte sie eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten beginnen und setzt damit auf eine ganz solide Zukunftsplanung, bei der sie aber von ihrem Einsatz als Model durchaus profitiert: „In dieser Branche muss man wahnsinnig diszipliniert und zielstrebig sein. Das kommt mir auch im Leben zugute.“

Den Model-Traum will Kristina auf jeden Fall weiterleben, obwohl er vor zwei Jahren fast geendet hat, ehe er überhaupt richtig begonnen hatte. „Mein erstes Shooting war bei einem Fotografen in Nagold. Er war mir sehr unsympathisch, und ich fühlte mich bedrängt“, erinnert sich die Schülerin.

„Es gibt in der Branche einige schwarze Schafe“, gibt auch Igor Rogalski zu, der Kristina seit einigen Monaten betreut. „Wenn Kristina entdeckt werden will, muss sie sich durchboxen. Noch hat sie keinen Cent verdient.“ Was aber auch nicht unüblich in der Branche ist. Die Super-Gagen bleiben für viele Mädchen ein Traum. Aber Rogalski ist sich sicher: „Kristina kann ihren Weg machen.“

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