Krise in Wiernsheim angekommen

Erstellt: 30. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Krise in Wiernsheim angekommen Voll im Gange: Erschließungsarbeiten im neuen Wiernsheimer Baugebiet „Lochmanns Kreuz/Schelmenäcker. Foto: Franz

Gemeinde muss über 20 Bauplätze verkaufen, um Haushalt 2009 ausgleichen zu können.

In Wiernsheim ist die Finanz- und Wirtschaftskrise voll angekommen. Im Haushalt 2009 fehlen der Gemeinde rund 770 000 Euro im Vergleich zum Haushaltsentwurf. Auch im nächsten Jahr rechnet Kämmerer Matthias Enz „mit einer äußerst schwierigen finanziellen Situation“ für die Gemeinde.

Von Gerhard Franz

Wiernsheim. Die Gemeinde Wiernsheim ist darauf angewiesen, dass die 105 gemeindeeigenen Bauplätze im neuen Wiernsheimer Wohngebiet „Lochmanns Kreuz/Schelmenäcker zügig verkauft werden. Grund: Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat in der Zwischenzeit auch die Kommunen erreicht. Wiernsheims Bürgermeister Karlheinz Oehler spricht „von einer katastrophalen Lage“ bei den Steuereinnahmen.

 Die Kommune im südlichen Teil des Enzkreises ist auf den Verkauf der Bauplätze im künftigen Wohngebiet in Wiernsheim, an der Straße Richtung Serres, angewiesen. Bisher gibt es laut Oehler rund 25 ernsthafte Interessenten an einem Gemeindebauplatz. Die Flächen werden für 210 Euro pro Quadratmeter voll erschlossen verkauft. Neben zahlreichen Wiernsheimer Bauwilligen gibt es Interessenten aus dem Raum Ludwigsburg/Leonberg/Weissach und Pforzheim, sagt Karlheinz Oehler auf Nachfrage. Kämmerer Matthias Enz, also der „Finanzminister der Gemeinde“, muss einerseits das Geld für die Erschließungsmaßnahmen „Lockmanns Kreuz/Schelmenäcker“ vorfinanzieren, auf der anderen Seite müssen noch in diesem Jahr 20 bis 25 Bauplätze verkauft werden, um den laufenden Haushalt ausgleichen zu können, erläutert Enz. Während der Finanzexperte der Gemeinde im laufenden Haushaltsplan mit rund 1,26 Millionen an Gewerbesteuer kalkulierte, musste er jetzt diesen Betrag für den Nachtragshaushalt auf 820 000 Euro reduzieren, was 440 000 Euro weniger Einnahmen bedeutet. Bei der Ausgabenseite hat der Kämmerer unter anderem eine Verpflichtung von 1,47 Millionen Euro für die Erschließung des Baugebiets „Lockmanns Kreuz/Schelmenäcker. Eine weitere Rate wird im nächsten Haushaltsjahr in Höhe von 2,08 Millionen Euro fällig.

  Im nächsten Jahr rechnet der Wiernsheimer Kämmerer, dass die finanzielle Situation der Gemeinde „noch ein Stück härter wird“. Eine der Gründe: Bei Zuweisungen und Abgaben wird immer der Haushalt vor zwei Jahren als Grundlage genommen. Dieser war für Wiernsheim noch recht günstig. Problem für den Kämmerer: Durch dieses Prozedere muss die Gemeinde Wiernsheim höhere Umlagen bezahlen, obwohl die aktuelle Finanzlage eigentlich deutlich schlechter ist.

  In der nächsten Woche wird sich der Gemeinderat mit dem Nachtragshaushalt 2009 beschäftigen, kündigt Matthias Enz an. Er habe zwar noch keine schlaflosen Nächte aufgrund des Haushaltsplanes, doch sei es eine besondere Herausforderung für den Kämmerer und den Bürgermeister, die Finanzen zu gestalten und zusammen mit dem Gemeinderat nach Lösungen zu suchen. Fürs Haushaltsjahr 2011 sei er „vorsichtig optimistisch“, so abschließend Kämmerer Enz.

Weiterlesen
Der Patient Wald schwächelt weiter

Der Patient Wald schwächelt weiter

Keine Entwarnung in Sicht – Oberforstrat Wölfle informiert Kreistagsgremium – Zustand der Eichen kritisch Pforzheim/Enzkreis (ert) – Nach wie vor problematisch ist die Situation für die Wälder im Enzkreis. Dieses Resümee zog… »