Kripo will in Mühlacker bleiben

Erstellt: 28. Februar 2012, 00:30 Uhr
Kripo will in Mühlacker bleiben Hofft, dass seine Kriminalaußenstelle erhalten bleibt: der Mühlacker Kripochef Waldemar Großöhmigen mit zwei echten Tatwaffen.

Mühlacker. Als sich 1973 der Enzkreis neu gründet und der Altkreis Vaihingen der Vergangenheit angehört, wird auch die Polizeipräsenz in Mühlacker auf eine neue Basis gestellt. Aus dem früheren Polizeiposten in einem Anbau des alten Rathauses wird ein eigenständiges Revier im Bürohaus Wertle. Schon ein Jahr später zieht hier die Kriminalpolizei mit einer Außenstelle ein, und seither habe sich die enge Zusammenarbeit in vielen Fällen bewährt, sagt der heutige Leiter der Kriminalaußenstelle Mühlacker, Erster Kriminalhauptkommissar Waldemar Großöhmigen.

Seine Kripo ist für alle Verbrechenstatbestände zuständig: Mord und Totschlag, Raub, Erpressung, Drogenhandel, Sexualdelikte, Betrügereien. Außerdem übernimmt das derzeit elfköpfige Team die Ermittlungen nach mysteriösen Todesfällen, nach Suiziden und Arbeitsunfällen und bei Vermisstenfällen. Politisch motivierte Straftaten, organisierte Kriminalität und größere Wirtschaftsdelikte werden von den Kollegen in Pforzheim bearbeitet.

Im Jahr 2010 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – haben die Beamtinnen und Beamten der „Kast“ Mühlacker 300 Straftaten bearbeitet. Der Zuständigkeitsbereich der Polizisten in Zivil ist deckungsgleich mit dem ihrer uniformierten Kollegen und reicht mit etwa 90000 Einwohnern von Sternenfels bis Heimsheim und von Niefern bis Illingen.

Schon vor Jahren habe es in der Politik erste Überlegungen für eine Polizeireform gegeben, erinnert sich Waldemar Großöhmigen, der den aktuellen Plänen für eine Umstrukturierung auch „gute Ansätze“ bescheinigt. So sei es durchaus sinnvoll, gewisse Spezialdienste zentral zusammenzufassen, gebe es doch gerade in der Kriminaltechnik enorme Fortschritte. Auch bei der Bekämpfung der Internetkriminalität seien echte Spezialisten gefordert.

Die Kripo in Mühlacker habe dennoch ihre Berechtigung, ist sich Großöhmigen sicher. „Die Nähe zu den Bürgern, Behörden, Schulen oder zu den Kollegen der Schutzpolizei hat große Vorteile.“ Bei einer Verlagerung der Dienststelle nach Pforzheim drohten längere Wege – für die Polizei wie für den Bürger. Andererseits gebe es in der Bevölkerung keinen Grund, um die persönliche Sicherheit zu fürchten: „Die Beamten der Reviere und der Polizeiposten werden weiterhin die ersten Ansprechpartner für den Bürger sein.“

Bisher gibt es in Baden-Württemberg 25 Kriminalaußenstellen, in der näheren Umgebung unter anderem in Vaihingen, Bietigheim-Bissingen, Bruchsal und Leonberg. Nach den Vorstellungen der Landesregierung sollen in absehbarer Zeit viele Außenstellen aufgelöst werden, was Waldemar Großöhmigen für einen zu radikalischen Schnitt hält. Sein eigenes Team sei „erstaunt bis überrascht“ gewesen, als es von den Plänen erfahren habe. Landesweit sei von der Polizeiführung zugesichert worden, im Falle einer Verlagerung von Arbeitsplätzen die persönlichen Belange so weit möglich zu berücksichtigen.

Im Zuge der Reform soll, wie berichtet, flächendeckend ein Kriminaldauerdienst eingerichtet werden, den es bislang nur in Großstädten wie Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim oder Freiburg gibt. Damit stehen analog zur Schutzpolizei künftig auch Kriminalbeamte rund um die Uhr für den Fall der Fälle zur Verfügung. In kleineren Einheiten wie in Mühlacker werden die Einsätze der Kriminalpolizei nach Dienstschluss bisher über eine Rufbereitschaft organisiert.

Ziel der Polizeireform soll es laut Innenminister Reinhold Gall (SPD) sein, die Führungsstrukturen zu straffen, um auf diese Weise bis zu 600 zusätzliche Ordnungshüter „auf die Straße“ zu bekommen und so das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken, ohne zusätzliche Ausgaben im Landeshaushalt zu verursachen. Mühlackers Kripochef Großöhmigen hält eine Präsenz seiner Abteilung in Mühlacker dennoch für wichtig: „Wir werden um den Erhalt der Kriminalaußenstelle kämpfen.“

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