Krämpfe, Qualen, Kinderfasching

Erstellt: 31. August 2006, 00:00 Uhr
Krämpfe, Qualen, Kinderfasching Nach dem Husarenritt über die Alpenpässe, freuen sich Alexander Hofmann (l.) und Heinz Spörr über ihre Topleistung. Foto: p

Heinz Spörr und Alexander Hofmann knacken beim Ötztaler Radmarathon die Neun-Stunden-Marke.

Sie können wieder lachen: Nach knapp achteinhalb Stunden knochenharter Anstrengung am Sonntag fiel das nicht ganz so leicht. Völlig ausgepowert strampelten Heinz Spörr und Alexander Hofmann über den Zielstrich in Sölden. Wieder einmal hatten sie es ihrem inneren Schweinehund gezeigt und den Ötztaler, den härtesten Radmarathon der Welt, gemeistert. Und wie! Für beide hagelte es Top-Zeiten.

VON MIRKO BÄHR

Die nackten Zahlen sprechen für sich: Alexander Hofmann quälte sich am Sonntag exakt 8:26,40 Stunden lang und kam als 182. ins Ziel. Routinier Heinz Spörr benötigte etwas länger. Der 41-Jährige passierte nach 8:41,43 Stunden das Ziel und durfte sich über den 251. Rang freuen. Beide strahlen jetzt um die Wette, hat das Duo doch tatsächlich die Neun-Stunden-Marke geknackt. Das erklärte Ziel der beiden Senderstädter.

 Guckt man sich die Durchschnittsgeschwindigkeit der Extremsportler an, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als den Hut vor ihnen zu ziehen. Hofmann kommt dabei nämlich auf 28,18 km/h, während Spörr mit 27,37 km/h nur knapp darunter blieb. „Das bekommen viele Hobbysportler nicht einmal auf der Ebene hin“, zwinkert Alexander Hofmann gut gelaunt. Auch Heinz Spörr sitzt der Schalk schon wieder im Nacken. „Hier gibt es nicht so viele, die so bescheuert sind wie wir“, sagt er lässig und tippt sich an die Stirn.

 Spörr, zum zehnten Mal dabei, hat nichts an seiner Jubiläums-Stramplerei auszusetzen. „Wenn man die schlechte Vorbereitung aufgrund des Virus-Infekts anschaut, dann bin ich hochzufrieden.“ Schneller sei er gewesen, als gedacht. Und wenn zu Beginn des Rennens nicht so „rumgegondelt“ worden wäre und er beim Anstieg auf den Brenner eine bessere Gruppe erwischt hätte, dann… . Aber hätte, wäre, wenn: „Es passt schon“, nickt der alte Hase. Sein Pendant ist ebenfalls „sehr, sehr zufrieden“. Sein Ziel habe er schließlich deutlich unterschritten. Vielleicht hätte es hinauf auf den Timmelsjoch noch etwas schneller sein können.

 So sind sie eben, die Extremen unter den Sportlern. Haben immer eine Kleinigkeit auszusetzen, dabei ließen sie glatt mal über 3000 Mitstreiter hinter sich. Wie sagte Alex Hofmann vor dem Rennen noch: „Wenn das Wetter mitspielt, dann…“ Diesmal spielte es mit, zumindest die beiden Mühlackerer hatten Glück. „Nur auf dem Jaufenpass hat es genieselt“, sagt der 30-Jährige. „Kinderfasching“, ergänzt Spörr, der schon die Welt untergehen sah. Dies mussten auch die vielen Biker im hinteren Feld über sich ergehen lassen. Es hat gehagelt, ein heftiger Gewitterregen und dazu gerade einmal drei Grad. Beim Ötztaler ist es halt wie im richtigen Leben: „Die Letzten beißen die Hunde“, lacht Spörr.

 Völlig ausgebrannt kam dieser im Ziel an. Trotzdem will er wieder mitmachen. „Wer zehn Mal dabei war, macht das auch ein elftes Mal.“ Für Hofmann war es die zweite Auflage, und obwohl er dabei rund „8000 Kalorien rausgejagt“ hat, steht für ihn fest „Mitmachen? Ich habe es schon wieder vor.“ Für beide strahlt dieser Marathon über vier Alpenpässe halt eine besondere Faszination aus. Und vor allem der letzte, gleichzeitig der härteste Berg des Rennens, hat etwas Mystisches. „Auf dem Timmelsjoch“, erzählt Hofmann, „ist es ganz still, da redet keiner mehr.“ Alle leiden, haben Schmerzen und sind einfach nur müde. „Hier fängt der Ötztaler an“, sagt Hofmann. „Wenn man davor über seinen Verhältnissen gelebt hat, geht man ein.“ 30 Kilometer nur bergauf und das sage und schreibe 1700 Höhenmeter am Stück. Und als Krönung noch ab rund 2000 Metern Serpentinen mit rund 15-Prozent-Steigung. Die Luft ist dünn. „Da steigen viele ab.“

 Ist man oben, dann hat man es noch lange nicht geschafft. So muss man noch den Gegenanstieg zur Mautstadion hinauf keuchen. „Das sind nochmals knapp 150 Höhenmeter, aber jetzt macht der Kopf nicht mehr mit, die Motivation ist am Boden“, erklärt Alexander Hofmann, der sich trotz schmerzhaftem Krampf im rechten Oberschenkel hinauf quälte. „Beim Ötztaler gibt es keine Erholungsphase“, berichtet Heinz Spörr.

 Zwar sei er in diesem Jahr vom Mann mit dem Hammer verschont geblieben, angeklopft habe er allerdings schon. Spörr hat ihm allerdings nicht aufgemacht, sondern ist wieder im „roten Bereich“ die Anstiege mit Puls 180 hochgekraxelt und die gefährlichen Abfahrten hinunter geschossen. „Gegen Ende tut es nur noch weh“, so der 41-Jährige. Er weiß ganz genau: „Bringst du auf das Timmelsjoch keinen Druck mehr auf die Pedale, dann bist du auf dem Weg zum Sterben.“ Höllisch!

 Gesehen haben sich die beiden Senderstädter beim Ötztaler gleich zweimal. Zum ersten Mal beim Anstieg auf den Kühtai. „Komm fahr“, pushte Spörr Hofmann nach vorne. Der ließ sich nicht zweimal bitten, „schwamm mit“ und kam am Ende rund 15 Minuten vorher in Sölden an. Das zweite Mal fielen sie sich im Ziel in die Arme. Erschöpft, aber glücklich.

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