Konkurrenz bedauert Aus für Averna

Erstellt: 6. November 2010, 00:00 Uhr
Konkurrenz bedauert Aus für Averna Abschiedsgetränk: Das beliebte Bistro-Restaurant „Averna“, das 13 Jahre lang an der Vetterstraße die Gäste bewirtete, hatte am Freitagabend zum letzten Mal geöffnet. Foto: Fotomoment

Kollegen sind sich einig: Der gastronomische Standort Mühlacker büßt an Attraktivität ein.

Arbeiten, während andere ihre Freizeit genießen, und freundlich lächelnd gegen schlechte Zeiten und hohe Kosten ankämpfen: Gastwirte haben es nicht immer leicht. In Mühlacker findet der „Averna“-Chef keinen Nachfolger, was nicht nur die Stammgäste des Bistro-Restaurants bedauern, sondern sogar die Konkurrenten in der Stadt.

Von Maik Disselhoff

Mühlacker. Es ist Herbst, die Blätter fallen, und das „Averna“ an der Vetterstraße, das gestern letztmals geöffnet hatte, ist Geschichte. „Ein großer Verlust für Mühlacker“, findet Bernd Huber, Betreiber der „Kloinen Kelter“ in der Stadtmitte. „Dadurch wird der Standort nicht attraktiver.“ Erneut sei in Mühlacker ein Teil des gastronomischen Angebots weggebrochen.

 Von einem starren Konkurrenzdenken halten die Mühlacker Wirte nichts. Schon eher von der Formel, wonach Konkurrenz das Geschäft belebt. Gibt es verschiedene attraktive Angebote, lohnt es sich, in Mühlacker auszugehen; dann profitiert das Restaurant von der Kneipe und umgekehrt –  davon sind Huber und seine Kollegen überzeugt. „Wenn Leute aus den Stadtteilen oder den Nachbargemeinden kommen, tingeln sie gern von einer Gaststätte zur anderen“, weiß der Kelter-Wirt.

 Doch die Zeiten sind schwierig, und die Rahmenbedingungen auch, wie Hans-Dieter Ezel vom „Averna“ gegenüber unserer Zeitung sagte. „Es ist nicht mehr, wie es früher mal war, und dafür gibt es verschiedene Gründe“, bestätigt Bernd Huber und meint nicht nur die hohe Steuerbelastung und das strenge Rauchverbot. Wer nach Feierabend durch Mühlacker gehe, den beschleiche angesichts der vielen verdunkelten Schaufenster unweigerlich das Gefühl, in der Stadt sei abends nichts geboten. Sogar die Tiefgarage Stadtmitte, bemängelt Huber, habe ausgerechnet am für ihn wichtigen Wochenende geschlossen.

 Doch es gibt nicht nur spezifische Mühlacker Phänomene. „Den Leuten bleibt angesichts von hohen Lebenshaltungskosten und Spritpreisen immer weniger Geld für ein Feierabendbier oder einen Restaurantbesuch mit der Familie.“ Mit den Preisen der Fastfood-Ketten könnten die Wirte nicht mithalten. „Dazu kommt die wachsende Zahl von vollkonzessionierten Weinstuben, die früher Besenwirtschaften waren.“ Umstände, die den Rückgang der klassischen Gastronomie beschleunigten.

 Heinz Frommherz, Inhaber des Hotel-Restaurants „Scharfes Eck“ und Vize-Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Enzkreis-Pforzheim, bedauert ebenfalls das Ende des Bistro-Restaurants „Averna“: „Das war eine der Adressen, die ich meinen Übernachtungsgästen empfehlen konnte.“ Frommherz vermisst in seinem Restaurant, wie schon „Averna“-Chef Ezel, die Gäste aus der eigenen Stadt. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Mühlackerer kommen. In unserer Stadt kann man gut essen gehen.“

 Neben dem Boom der Besenwirtschaften sieht es der DEHOGA-Funktionär auch kritisch, dass heute nahezu jeder Verein ein eigenes Clubhaus betreibe. „Dort finden an jedem Wochenende Familienfeiern statt“, weiß Frommherz, der in der verschärften Promillegrenze für Autofahrer einen weiteren kleinen Baustein für den Besucherschwund in Kneipen und Gaststätten sieht.

 DEHOGA-Landessprecher Daniel Ohl, der ganz Baden-Württemberg im Blick hat, klagt insbesondere über „paragastronomische Angebote“, die dem klassischen Gastwirt auf dem Land das Leben schwer machten: „Es gibt im Land jährlich 80000 Vereins-, Kirchen- und Feuerwehrfeste und damit fast kein Wochenende ohne Fest mehr.“ Gerade das Wochenende sei jedoch für die Gastronomie besonders wichtig. „Die bewirteten Feste stellen eine harte Konkurrenz dar, schließlich arbeitet das ,Personal‘ dort auf ehrenamtlicher Basis.“

 Das „Jim Beam Club Bistro“ feiert im Januar 25-jähriges Bestehen. Zu den Gästen an der Bahnhofstraße zählt hauptsächlich junges Publikum. „Die Älteren werden weniger. Wer eine Familie hat, geht nicht mehr aus wie früher“, sagt Beam-Chef Ulrich Oßwald, und Heinz Frommherz hat festgestellt, dass es generell einen „Trend zur Bequemlichkeit“ gebe – indem die Leute lieber daheim auf dem Sofa bleiben.

 Ulrich Oßwald will aber nicht jammern, schließlich seien die Probleme nicht neu. „Das Geschäft war und ist schwer.“ Biss und Durchhaltevermögen seien gefragt, „aber das ist doch überall wichtig“.

  Huber und seine Kollegen hoffen, dass es an der Vetterstraße auch nach der Zeit des „Averna“ irgendwie gastronomisch weitergeht. „Doch wer will da draußen investieren?“, stellt Huber die Gretchenfrage.

 Der Wirt der „Kloinen Kelter“ sieht bezüglich der Ezel-Nachfolge bereits ein potenzielles Handlungsfeld für den neuen City-Manager Thomas Müller: „Das wäre doch eine erste Aufgabe, schließlich geht es um die Attraktivität des Ausgeh-Angebots und damit um den Standort Mühlacker.“

INFO

„Systemgastronomie“ ist auf dem Vormarsch

Laut Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Baden-Württemberg liegt die Zahl der gastgewerblichen Betriebe im Land in den vergangenen Jahren konstant bei etwa 33000. Innerhalb der Branche gewinnt jedoch die „Systemgastronomie“ an Gewicht. Dazu zählen Ketten wie McDonald’s oder Vapiano. Im Enzkreis arbeiteten laut Statistischem Landesamt im Jahr 2008 im Gastgewerbe 761 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Pforzheim: 1046).

 Umsatzzahlen für das Gastgewerbe im Enzkreis liegen zuletzt für 2007 vor. In diesem Jahr erwirtschafteten 412 Betriebe (ohne Hotellerie) 62 Millionen Euro. Landesweit wurden 8,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Derzeit entwickelt sich der Umsatz in der Gastronomie im Land laut Daniel Ohl, Pressesprecher des DEHOGA Baden-Württemberg, „leicht negativ“.

 Das Schicksal des Bistro-Restaurants „Averna“ in Mühlacker werden Ohl zufolge weitere Gastronomiebetriebe erleiden. „4000 gastgewerbliche Betriebe stehen im Land vor der Übergabe an die nächste Generation. Das ist eine der großen Herausforderungen der Branche. Ein Teil dieser Betriebe wird verschwinden.“ (md)

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