Konjunkturampeln stehen auf Wachstum

Erstellt: 31. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Konjunkturampeln stehen auf Wachstum Konjunkturampeln stehen auf Wachstum

Mühlacker/Enzkreis. „Der Handel ist sehr stark von psychologischen Faktoren abhängig“, weiß Citymanager Thomas Müller, der allerdings kein Freund des Jammerns und Klagens ist. „Wir können mit erhobenem Haupt durch unsere Stadt laufen, müssen allerdings unsere Qualitäten noch besser darstellen.“ Mit Stärken wie Nähe, Service und Sympathie könne der Handel in Mühlacker punkten gegen den Konkurrenzdruck aus den umliegenden Metropolen und dem Internet.

Wie sehr die Psychologie das Konsumklima beeinflussen kann, weiß kaum jemand besser als Klaus Sämann vom gleichnamigen Kaufhaus mit Standorten in Mühlacker und Vaihingen. Nach den Zuwächsen im Jahr 2010 habe die Mehrheit der Händler damit gerechnet, dass die gute Grundstimmung sich auch durch das Jahr 2011 ziehe, blickt Sämann zurück. Das sei anfangs tatsächlich der Fall gewesen, bis die Euro-Schuldenkrise immer weiter in den Fokus gerückt sei und das Konsumklima – trotz hervorragender Nachrichten vom Arbeitsmarkt – verhagelt habe. Unter dem Strich, so Sämann, gehe der Textileinzelhandel für das Jahr 2011 von einem Minus von einem Prozent aus.

Aber nicht nur die Umsätze bereiten Kopfzerbrechen, auch das Pendel auf der Kosten-Ertragsseite schlage zur falschen Seite hin aus, bedauert Sämann und weist nicht nur auf gestiegene Energiekosten hin, sondern auch darauf, dass sich für die Textilwirtschaft der Beschaffungsmarkt nachteilig verändert hat. „Weil die Rohstoffe in Fernost teurer geworden sind, muss der Handel klassische Eckpreislagen korrigieren“, so Sämann, der erwartet, dass die Entwicklungen der vergangenen Monate auch unverändert ins neue Jahr hineinreichen. „Vieles hängt am Konsumklima und der gesamtwirtschaftlichen Situation“, so Sämann.

Und was die gesamtwirtschaftliche Situation für die Industrie in der Region betrifft, erwartet Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, keine negative Trendwende, auch wenn generell die Wachstumsraten für die Betriebe in der Region nicht so hoch sein dürften wie in der Vergangenheit, was aber auch nicht schlecht sei. „Das Wachstum in den letzten Monaten war zuletzt überdimensional“, hält Keppler eine Konsolidierung auf hohem Niveau für kein schlechtes Zeichen. Konjunkturtreiber in der Region dürfte weiter die Automobilbranche bleiben, vermutet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Aber auch die Themen Erneuerbare Energien, Windkraft und Ausbau der Stromnetze dürften der Wirtschaft in der Region positive Impulse verleihen. „Das sind Wachstumsbranchen, an denen sehr viele Zuliefererbetriebe hängen“, sagt Keppler, der einzig für die Firmen, die eng am Solargeschäft hängen, dunkle Wolken sieht. „Hier gibt es eine Überproduktion in China, die für einen Preisdruck auf dem Weltmarkt sorgt.“

Nach wie vor sei der Export der Motor, der auch in der Region 70 Prozent zur Konjunktur beisteuert. Allerdings läuft laut Keppler die Binnenkonjunktur ebenfalls auf Hochtouren. Der private Konsum sei dabei ein stabilisierender Faktor.

Von privaten Investitionen hat 2011 vor allem das Handwerk profitiert. Gerade die Bau- und Ausbaugewerke könnten sich nicht über eine schlechte Auftragslage beklagen, berichtet Kreishandwerksmeister Rolf Nagel, der 950 Betriebe mit 10000 Mitarbeitern in 20 Innungen vertritt. „Ich gehe davon aus, dass der Trend anhält.“ Überspitzt formuliert würde das Handwerk sogar von den Turbulenzen an den Finanzmärkten profitieren, weil die Verbraucher sich wieder auf echte Werte besinnen würden und lieber in ihr Haus investieren – vor allem auch im Hinblick auf die galoppierenden Energiekosten. „Immer mehr Verbraucher erkennen, dass sich Investitionen schnell amortisieren“, hat Nagel beobachtet.

Aber leider gebe es nicht bei allen Handwerkssparten Grund zum Jubeln. So sei die Schmuckbranche nach wie vor sehr schwierig, und auch die Betriebe des Nahrungsmittelhandwerks würden vom Preiskampf der Discounter, etwa durch billige Backwaren aus dem Automaten, bedrängt. Kreishandwerksmeister Nagel ist trotzdem optimistisch: „Qualität siegt.“

Bei allen positiven Vorzeichen für das Jahr 2012 verfolgen die Gewerkschaften die Entwicklung dennoch mit gemischten Gefühlen. „Problematisch ist nach wie vor der Niedriglohnsektor, der sich weiter ausgedehnt hat“, sagt Martin Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall. „Die Löhne sinken – und das in Zeiten des Aufschwungs.“

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