Kommunen stellen sich auf Nachfrage ein

Erstellt: 27. Februar 2007, 00:00 Uhr
Kommunen stellen sich auf Nachfrage ein Modellprojekt: Im Mühlacker „Rabennest“ sind Krippenplätze äußerst gefragt. Foto: Goertz

Diskussion um Krippenplätze – Kooperation mit Tagesmütter Enztal als Alternative

Enzkreis – Während Familienministerin von der Leyen die Muskeln spielen lässt und den Kommunen droht, einen Rechtsanspruch auf Kinderkrippenplätze ab 2010 durchsetzen zu wollen, sehen sich Städte und Gemeinden in der Region gut gerüstet für die Nachfrage nach Betreuungsplätzen auch für Kinder unter drei Jahren.

VON FRANK GOERTZ

Allerdings: Es gibt auch Wartelisten. So etwa im „Rabennest“ am Mühlacker Krankenhaus. Dort bietet derzeit eine Krippengruppe zehn Plätze am Vormittag und eine altersgemischte Ganztagsbetreuung sechs Plätze für Kinder unter drei Jahren. Hinzu kommen noch zwei Teilzeit-Spielgruppen. „Wenn Kommunen Krippenplätze anbieten, werden sie auch angenommen“, hat Ute Beyerle vom Rabennest-Leitungsteam festgestellt. Um dem Bedarf gerecht zu werden, will ihr Kindergarten im Herbst eine Gruppe mit zehn weiteren Krippenplätzen anbieten.

 Allerdings verzichten viele Kommunen auf explizite Krippenplätze in festen Einrichtungen und setzen auf eine Kooperation mit dem Verein Tagesmütter Enztal. „Wir haben vor zwei Jahren einen Kooperationsvertrag mit dem Verein Tagesmütter Enztal unterzeichnet. Für uns ist die Diskussion um die Krippe damit abgehakt“, sagt beispielsweise Barbara Pfisterer, Hauptamtsleiterin der Stadt Maulbronn. Allerdings bietet Maulbronn in Zaisersweiher auch Plätze für Kinder unter drei Jahren an. „Dort können sogar noch kleinere Kinder aufgenommen werden“, sagt Stefanie Gläsle vom Maulbronner Amt für Ordnungs- und Sozialwesen. Eine Umfrage unter Maulbronner Eltern habe hingegen eine ganz andere Nachfrage aufgedeckt. Gläsle: „Viele Eltern wünschen sich verlängerte Öffnungszeiten.“

„Wir brauchen Plätze für Ganztagesbetreuung“Diesen Wunsch kann Winfried Scheuermann, CDU-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Illinger Bürgermeister, gut verstehen: „Die Zahl der Alleinerziehenden wächst. Vielen müssen deshalb arbeiten und brauchen daher Plätze für eine Ganztagesbetreuung – auch für Kinder unter drei Jahren.“ Der Vorstoß der Familienministerin fällt daher bei Scheuermann auf fruchtbaren Boden. Allerdings: „Kindergärten sind Angelegenheit von Land und Kommunen. Da sollte der Bund sich jetzt nicht auch noch einmischen.“
 Seine Heimatgemeinde Illingen sieht Scheuermann derweil gut aufgestellt: „Wir bieten in verschiedenen Kindergärten altersgemischte Gruppen an und haben erst kürzlich eine Kooperation mit Tagesmütter Enztal unterzeichnet. Im Gemeinderat haben wir uns darauf verständigt, dass wir abwarten, wie sich der weitere Bedarf entwickelt, und dann über entsprechende Angebote nachdenken.“

 Nachgedacht hat auch Knittlingens Schultes Heinz-Peter Hopp. Er sieht in der Fauststadt steigenden Bedarf an Kindergartenplätzen – unter anderem durch das Neubaugebiet Römerweg. Hopp: „Dort sind bis jetzt 60 Plätze verkauft. Es liegt dann doch auf der Hand, dass wir bald auch Kinderkrippenplätze brauchen.“ Zum Glück sei aber der Kindergarten an der Goethestraße erweiterbar. In den nächsten Wochen will die Stadt einen fünfjährigen Kindergartenplan verabschieden. Eine weitere Option sei eine Zusammenarbeit mit Tagesmütter Enztal. Es habe schon erste Gespräche gegeben.

Tagesmütter kooperieren mit 13 Kommunen

Bislang kooperiert Tagesmütter Enztal mit 13 Kommunen in der Region – unter anderem Mühlacker, Maulbronn, Illingen und Ötisheim. Die Vorsitzende Sabine Schäfer sieht weiterhin große Nachfrage, auch wenn 2006 die Zahl der betreuten Kinder von 250 im Vorjahr auf 231 leicht rückläufig war. Kräftig zugenommen habe hingegen die Zahl der Beratungsgespräche von 1063 (2004) auf 1729 (2006).

 „Kleinere Gruppen und ein familiäres Umfeld“, zählt Schäfer die Vorteile auf, die ihrer Meinung nach eine Tagesmütterbetreung bietet. „Kinder brauchen eine feste Bezugsperson.“ Außerdem fragt sie sich selbst: „Wie sollen sich kleinere Gemeinden Kinderkrippenplätze leisten ?“ Andererseits würde sie sich wünschen, dass Tagesmütterplätze irgendwann genauso subventioniert werden wie Kindergartenplätze. Immerhin würde auch von den Tagesmüttern eine hohe Qualifikation verlangt.

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