Können nicht sagen, wohin die Reise geht

Erstellt: 3. Juli 2008, 00:00 Uhr

 Trockenmauern am Klosterberg verfallen weiter – Sanierungsstau hält an – Denkmalschutz ist erneut am Zug

Maulbronn – Das Ringen um ein tragfähiges Konzept für die Sanierung der Trockenmauern am Maulbronner Klosterberg geht weiter. Zwar hat das Landesamt für Denkmalschutz inzwischen ein Gutachten erstellt, doch die Auswertung des Papiers kann dauern.

VON MAIK DISSELHOFF

Ein Großteil der Trockenmauern des Klosterbergs muss dringend hergerichtet werden (MT berichtete). Doch noch fehlt ein schlüssiges Konzept, das vorgibt, wohin die Reise bei einer Instandsetzung geht. Fakt ist: Die Stadt Maulbronn will etwas tun. Ein Großteil der Bürgervertreter im Gemeinderat drängt ebenfalls auf eine Sanierung der maroden Mauern. Doch wie können die Grundstücksbesitzer mit ins Boot geholt werden? Und vor allem: Was fordern die Denkmalpfleger des Landes mit Blick auf eine Instandsetzung der Mauern, die zum Unesco-Weltkulturerbe der Stadt zählen? Noch gibt es „einen riesigen Berg von Problemen“, macht der Maulbronner Bauamtsleiter Dieter Rein klar. Bis eine Lösung auf dem Tisch liegt, müssen noch „viele dicke Bretter gebohrt werden“. Nach Einschätzung Reins kann es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis ein Plan für die Sanierung der vielen Mauern fertig ist. Zwar gab es in der Vergangenheit aus den Reihen der Stadträte scharfe Kritik an der schleppenden Arbeitsweise der Denkmalschützer. Doch auch Rein warnt: „Schnellschüsse sind nicht wünschenswert.“ Dem städtischen Bauexperten stellen sich immer dann die Nackenhaare auf, „wenn ich mitbekomme, dass es heißt, dass die Stadt nur das nötige Geld in den Haushalt einstellen muss und dann klappt alles“.

 Die Hauptschwierigkeit ist neben der Beantwortung denkmalschützerischer Fragen die Finanzierung der gewünschten Sanierung. Die Stadt alleine kann die Kosten für eine aufwendige Instandsetzung alleine kaum tragen. Und die Mauern, die ihr gehören, liegen in einem unproblematischen Bereich, wo es nicht mehr viel zu sanieren gibt. Und die privaten Eigentümer haben von einer kostspieligen Sanierung wenig. Rein dazu: „Wenn sich an der Nutzung der Grundstücke als Obstwiese ohnehin nichts ändert, woher soll dann die Bereitschaft der Eigentümer für eine teure Sanierung kommen?“ Es geht also wie so häufig wieder einmal um Zuschüsse. Doch allzu viel Hoffnung macht sich der Bauamtsleiter diesbezüglich nicht: „Zwar müssen wir das Land für eine Förderung mit ins Boot holen, doch die Regierung peilt eine Nullverschuldung an.“ Alles in allem könne man den Eigentümern, die ein Grundstück am Klosterberg besitzen, nach wie vor noch nicht sagen, wohin die Reise gehe.

 Ein denkbarer Ansatz für eine Aufwertung und künftige Nutzung des idyllischen Hangs beim Maulbronner Kloster könnte sein, die Weinbauflächen weiter auszudehnen. „Wir gehen davon aus, dass bei denjenigen, die jetzt schon Weinberge dort bewirtschaften, auch Interesse da ist“, sagt der Maulbronner Bauamtsleiter unserer Zeitung. Doch auch hier stellt sich die Situation äußerst kompliziert dar. Denn in der EU würden Weinbau-Flächen reduziert. Das bedeutet, dass eine Entwicklung gegen diesen Trend, schwer durchsetzbar erscheint. Während das zuständige Landesamt für Denkmalpflege weiter über dem Gutachten brütet, bröckeln in Maulbronn die Mauern. Jeder Stein, der sich zusätzlich löst, verursacht Kosten. „Starke Regenfälle sind für die Mauern immer eine Gefahr“, sagt Rein und fügt hinzu, dass die Stadt erst im Frühjahr am Weg hinter der Klosteranlage ein Stück Trockenmauer geflickt habe. Trotz der großen Schwierigkeiten, mit denen sich die Stadt an einem ihrer Hausberge konfrontiert sieht, hält sie an ihrer Vision eines touristisch attraktiven Klosterbergs fest: „Wir können nur versuchen, einen Prozess in Gang zu setzen. Die Sache ist es auf jeden Fall wert, dass man sich dafür die Zeit nimmt“, betont Rein. Im Laufe des Monats, kündigt der Amtsleiter an, soll es wegen der Trockenmauern das nächste Spitzengespräch geben.

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