Knittlingen kommt nicht aus der Krise

Erstellt: 13. Mai 2010, 00:00 Uhr
Knittlingen kommt nicht aus der Krise Knittlingen (mit Jeff Reichstetter am Ball) erlebt in Niefern ein weiteres Debakel. Foto: Eigner

Spiel des Tages: 2:6-Niederlage beim FV 09 Niefern

Was für ein Glück für den FV Knittlingen, dass in der Kreisklasse A1 längst weder Auf- noch Abstieg mehr möglich sind. Schon seit Wochen sind die FVK-Fußballer völlig von der Rolle. Gestern kassierte Knittlingen eine 2:6-Niederlage beim einstigen Rivalen FV Niefern.

Von Steffen-Michael Eigner

Niefern. Nur zu gerne erinnern sich die Knittlinger an das Aufstiegsjahr 2007 zurück, als sie sich mit dem FV Niefern in der Kreisklasse B1 ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Am Ende feierten beide Teams den Aufstieg: Knittlingen als Meister, Niefern als Sieger der Relegation. Auch in der darauffolgenden Saison hatte das Duell noch so etwas wie Derbycharakter, und um jeden Ball wurde verbissen gekämpft. Doch das ist Vergangenheit. In der Gegenwart stehen zwei Niederlagen und ein Unentschieden aus den letzten drei Punktspielen zu Buche. 0:6 gegen die Kieselbronn-Reserve, 1:9 beim FSV Buckenberg, zuletzt ein 4:4 gegen den Abstiegskandidaten Königsbach. Dazwischen lag noch das 1:7 im Kreispokal-Halbfinale gegen den 1. FC Dietlingen aus der Nachbar-Liga. Trainer Ulli Huber versteht die Welt nicht mehr, hat aber immerhin die zwischenzeitlich gehegten Rücktrittsgedanken ad acta gelegt. „Wir müssen nach vorne schauen“, lautet nun sein Credo. Eine Erklärung für die Pleitenserie mit nun 32 Gegentoren in fünf aufeinander folgenden Pflichtspielen hat auch er freilich nicht.

 „Ich kann den Jungs eigentlich keinen Vorwurf machen. Die wollen ja, die hängen sich im Training rein. Aber wir dürfen eben hinten nicht so auseinanderfallen“, sagt Huber und breitet ein wenig ratlos die Arme aus. Die gestrige Niederlage allerdings haben sich die Knittlinger Kicker schon selbst zuzuschreiben. Viel zu passiv präsentieren sie sich in der Anfangsphase, viel zu zaghaft in den Zweikämpfen.

 Keine 20 Minuten sind gespielt, da liegt der FVK schon mit 0:3 hinten. Erst darf Julian Schöpf nach einer Flanke ungstört einschieben (7.). Wenig später wird Jeremy Baum am Strafraumeck sträflich alleine gelassen, bekommt den Ball und überwindet FVK-Keeper Stefan Müller (17.). Dann ein völlig überflüssiger Fehlpass in der eigenen Platzhälfte, ein Zuspiel, und Julian Schöpf hat alleine vor Stefan Müller wenig Mühe (19.).

 Trainer Huber fuchtelt und brüllt an der Seitenlinie und reagiert: Angreifer Fabian Neugebauer kommt für Verteidiger Mehmet Duman bereits nach 25 Minuten. Sekunden später lenkt Sascha Bergemann einen Freistoß von Ugur Kocaoglu mit dem Außenrist ins Nieferner Tor. Das 3:1 kommt zwar wie aus dem Nichts, doch damit scheint ein Ruck durch die Knittlinger Mannschaft zu gehen, die nun den Kampf annimmt.

 In der 30. Minute müsste Ugur Kocaoglu eigentlich selbst abschließen, entscheidet sich jedoch auf Bergemann zu spielen, der zwar ins Tor trifft, jedoch im Abseits steht. Ein Schiedsrichterpfiff, der den Knittlinger Anhang auf die Palme bringt. Doch der Unparteiische aus Bauerbach hat Recht: Abseits ist eben, wenn bei der Ballabgabe weniger als zwei Gegenspieler näher zur Grundlinie stehen als der Passempfänger. Da aber Nieferns Schlussmann Ronny Krause längst herausgerückt ist, um Kocaoglu zu stoppen, genügt der eine Feldspieler auf der Torlinie nicht mehr, die Abseitsposition Bergemanns aufzuheben.

Knittlingen probiert’s, doch Niefern macht’s

 Der 3:2-Anschlusstreffer glückt Knittlingen wenig später dennoch auf spektkuläre Weise. Ein Zuspiel von Serdem Yoldas leitet Fabian Neugebauer weiter auf Abu Kocaoglu, der erst den Pfosten trifft, aber im Nachschuss doch noch einnetzt.

 Nach dem Seitenwechsel sind sich beide Mannschaften ebenbürtig, und Knittlingen ist dem Ausgleich schon ganz nahe, als Bergemann eine Freistoßflanke von Ugur Kocaoglu am Fünfmeterraum nur noch mit den Haarspitzen erreicht (50.). Auch der eingewechselte Hans Tödter hat nicht mehr Fortune, sein Kopfball zischt einen Meter über die Querlatte (65.). Stattdessen wird Knittlingen kalt erwischt.

 Erst pariert Stefan Müller einen strammen Hammer von Julian Schöpf, doch die FVK-Abwehr bekommt den Ball nicht weg, und mit dem zweiten Nachschuss verwandelt Jeremy Baum zum 4:2 (69.). „Wir probieren’s und die machen’s“, bringt es ein Knittlinger Fan an der Bande auf den Punkt. Der FVK steckt zwar nicht auf, doch sämtliche Versuche verfehlen das Nieferner Tor. Stattdessen machen die Gastgeber mit einem Konter das 5:2 (75.).

 Jetzt geben die Knittlinger allmählich klein bei, zumal sich Abu Kocaoglu zehn Minuten vor Schluss das Knie verdreht. Der FVK spielt den Rest der Partie in Unterzahl, da das Wechselkontingent schon erschöpft ist. Am Ende gelingt dem gerade eingewechselten Lukas Christen noch das 6:2 (86.), nachdem Timo Kersting mit einem Heber über Müller hinweg nur den Pfosten getroffen hat.

Tore: 1:0 Julian Schöpf (7.), 2:0 Jeremy Baum (19.), 3:0 Julian Schöpf (21.), 3:1 Sascha Bergemann (28.), 3:2 Abdullah Kocaoglu (43.), 4:2 Jeremy Baum (69.), 5:2 Jeremy Baum (75.), 6:2 Lukas Christen (86.)

FV Niefern: Krause – Gantelas, Schindele (78. Christen), Kersting, Yesildag, Scheffelmeier (71. Ruggaber), Kurbatfinski, S. Schöpf (76. Krause), J. Schöpf, Mehn, Baum

FV Knittlingen: Müller – Duman (27. Neugebauer), Thome, Genthner, Yoldas, A. Kocaoglu, Lang (58. Tödter), Bergemann, Ug. Kocaoglu, Tasdan (62. Kaya), Reichstetter

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