„Klimawandel ist Herausforderung“

Erstellt: 28. Dezember 2011, 00:30 Uhr
„Klimawandel ist Herausforderung“ Oberforstrat Guido Wölfle bei der Blockhütte im Eckenweiher neben einer ungefähr 60 Jahre alten Douglasie. Foto: Sadler

Enzkreis. Fast 30 Jahre lang hat Guido Wölfle Sorge für den Wald rund um Mühlacker getragen. Zum Ende des Jahres geht der Oberforstrat, der einen Tag vor Heiligabend 65 Jahre alt wurde, in Ruhestand.

Nach dem Studium der Forstwissenschaften und verschiedenen Tätigkeiten, darunter als zuständiger Mann für Forsteinrichtung in seinem Geburtsort Biberach/Riss, als Geschäftsführer eines Holzbetriebs in Bad Schussenried und stellvertretender Forstamtsleiter in Wangen/Allgäu, kam Wölfle 1982 in den Enzkreis. Seine erste Station war Wiernsheim, wo er als Vize des damaligen Forstamtsleiters Hans Albrecht einstieg, dessen Nachfolge er sechs Jahre später antrat. Im Januar 2000 erfolgte dann die Verlegung des Amts nach Mühlacker, ehe es 2005 ins Landratsamt eingegliedert wurde, wo Wölfle bis heute als einer von drei Forstbezirkschefs tätig und verantwortlich ist für den ehemaligen Bereich Mühlacker und zwei weitere Forstreviere im westlichen Enzkreis.

Keine Frage, Guido Wölfle ist ein ausgewiesener Experte in Sachen heimischer Forst. „Der Wald im Enzkreis ist außerordentlich vielfältig aufgrund seiner ganz unterschiedlichen Zusammensetzung“, weiß der Fachmann, wobei in Mühlacker die Buche dominiere. „Die Wälder sind in einem sehr gepflegten Zustand. Die Förster legen großen Wert auf Pflege und Förderung der Mischbestände.“ Das sogenannte Waldsterben scheint gestoppt zu sein. „Dem Forst geht es laut Waldzustandsbericht heute besser als vor Jahren – trotz des zunehmenden Verkehrs.“ Was nicht heißt, dass keine Gefahr mehr drohe. „Die größte Herausforderung ist die Klimaveränderung“, stellt Wölfle fest. Durch den Wandel träten immer mehr auffallend heftige Stürme auf. Und nach einem Sturm nehme regelmäßig das Borkenkäferaufkommen rapide zu. Ein weiterer Risikofaktor sei Hitze. Das habe sich 2003 gezeigt, als nach einem außergewöhnlich trockenen Sommer viele Buchen hätten gefällt werden müssen, weil sie zu wenig Wasser bekommen hatten.

Besonders vom Klimawechsel betroffen ist die Fichte. „Die Fichtenfläche ist zwischen 1980 und 2010 im östlichen Enzkreis von 2100 Hektar auf knapp 800 Hektar geschrumpft“, berichtet Wölfle. Aus dem Stromberg werde diese Art wohl bald verschwinden und durch widerstandsfähige Douglasien ersetzt.

Einschneidende Ereignisse in Wölfles Zeit als Forst-Verantwortlicher waren wiederum zwei Orkane: 1990 Wibke und 1999 Lothar. Nach Lothars Wüten „ist der Holzmarkt auf ein Viertel des vorherigen Umfangs zusammengebrochen“, erinnert er sich. Weil keine guten Preise mehr zu erlösen waren, wurden Stämme in berieselten Nasslagern deponiert, bis die Preise wieder angestiegen waren.

Doch nicht nur Unwetter sind dazu angetan, Kummer zu bereiten. „Der menschliche Tiefpunkt in meiner Laufbahn war der Tod eines jungen Waldarbeiters, der im Mühlacker Stadtwald tödlich verunglückte“, erinnert Wölfle sich schmerzlich. Überhaupt pflegte er stets engen Kontakt zu seinen Mitarbeitern vor Ort, für die er voll des Lobes ist. „Ich hatte immer gute Förster, auf die ich mich verlassen konnte.“ Um die Unversehrtheit der Männer zu gewährleisten, ist er stets darauf aus, dass sie auf ihre Sicherheit achten und Helme sowie Schutzhosen tragen. Auch auf Schulungen legt er immer Wert.

Wichtig war ihm auch die Zusammenarbeit mit Jägern, deren Dienste benötigt würden, um den Bestand der Rehe, die Bäume durch Verbisse schädigen, in Grenzen zu halten. Wildschweine hingegen bedeuteten für den Wald kaum eine Gefahr.

Um der Öffentlichkeit den Wald und die Arbeit der Forstverwaltung näherzubringen, organisierte Wölfle, Forstmann mit Leib und Seele, seit 1998 fast jedes Jahr einen Waldtag im östlichen Enzkreis mit einem vielfältigen Programm, das Tausende Interessierter angezogen habe.

Am Freitag verlässt der 65-Jährige – dreifacher Vater, zweifacher Opa – seinen Schreibtisch im Landratsamt. Dann geht’s in den Ruhestand. Wie er den Zugewinn an freier Zeit nutzen wird, weiß er schon: sportliche Betätigungen. „Das Bergsteigen ist meine Leidenschaft“, bekennt er, wobei er mit Vorliebe in den Alpen Gipfel stürmt. Um die nötige Kondition zu bekommen, läuft er viel – am liebsten Strecken zwischen acht und zwölf Kilometern. Gelegentlich möchte er es freilich auch mal gemächlicher angehen lassen. „Ich will zusammen mit meiner Frau jede Woche einmal irgendwo innerhalb Deutschlands wandern und kulturelle Einrichtungen besichtigen“, kündigt er an. Und die Vorfreude ist ihm dabei deutlich anzumerken.

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