Klimaveränderung hinterlässt Spuren

Erstellt: 21. Juni 2006, 00:00 Uhr
Klimaveränderung hinterlässt Spuren Die Wissenschaftler Dr. Harald Gebhardt (l.) und Werner Franke (2. v.l.) sind die Experten für das SWR-Filmteam. Foto: Goertz

SWR-Kamerateam dreht für den Film „Signale der Natur“ in Illingen – Schutzfläche an den Neuen Weinbergen.

Illingen – Wissenschaftler Werner Franke von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz muss sich konzentrieren. In wenigen Worten sollte er gestern erklären, welche Erkenntnisse sein Team aus den Beobachtungen auf der Schutzfläche oberhalb der Neuen Weinberge zwischen Illingen und Schützingen zieht. Dabei läuft die Kamera eines Fernsehteams des SWR. „Das versteht jetzt wohl kein Mensch“, lacht Franke, als er merkt, dass er ins Fachchinesisch abdriftet. Aber bei der zweiten Einstellung ist die Szene im Kasten.

VON FRANK GOERTZ

„Signale der Natur“ heißt die Sendung, die am 5. August um 19.15 Uhr als Beitrag der „Landesschau unterwegs“ im Dritten Programm des SWR ausgestrahlt wird. Dafür weilte gestern Mittag SWR-Redakteur und Autor Reinhard Schneider mit Kameramann und Tontechnikerinnen zu Filmaufnahmen in Illingen. Denn an der Schutzfläche der Landesanstalt werden Signale der Natur dokumentiert.

 „Diese Fläche ist eine von 60, die wir in Baden-Württemberg haben“, erklärt Werner Franke. „Sie wurden Anfang der 80er Jahre eingerichtet, um die Einflüsse der Luftverunreinigung auf die Natur zu dokumentieren.“ Das etwa 500 Quadratmeter große Gelände liegt verborgen im Wald und wird nicht bewirtschaftet oder in irgendeiner Art und Weise gepflegt. Die Natur kann sich völlig frei entwickeln. „Die Fläche an dem Höhenzug ist besonders geeignet, um die Auswirkungen der Luftverschmutzung zu untersuchen“, sagt Franke. So würden beispielsweise die Abgase von der Autobahn dorthin hochziehen.

 „In den letzten Jahren wurde allerdings sehr viel für die Luftreinhaltung getan“, so Franke. Die Erfolge seien auch auf der Illinger Schutzfläche messbar. „Die Vegetation ändert sich. Die säure-toleranten Flechten verschwinden allmählich und werden von säure-sensiblen verdrängt“, erklärt Franke.

 Inzwischen haben die Wissenschaftler den Fokus ihrer Untersuchungen etwas verlagert: „Die Schutzfläche in Illingen hat einen großen Vorteil, an den in den 80er Jahren kaum jemand gedacht hat. Hier lassen sich sehr gut die Folgen der Klimaveränderung für Flora und Fauna nachvollziehen.“ Meteorologische Messungen in Baden-Württemberg hätten ergeben, dass hier die Erwärmung weit über dem globalen Durchschnitt liegt. Dies schlägt sich natürlich auch in der Natur nieder. „Wir stellen einen immer früheren Beginn der Pflanzenblüte fest und eine Verlängerung der Vegetationsperiode um drei bis vier Wochen. Außerdem finden wir immer mehr Pflanzen, die einen erhöhten Wärmebedarf haben“, erklärt der Wissenschaftler der Umweltbehörde.

 Aber auch auf die Tierwelt hat die Erwärmung der Atmosphäre in unserer Region große Auswirkungen. „Immer mehr Insekten aus dem Mittelmeerraum werden bei uns heimisch“, weiß Franke. Dazu zählen beispielsweise Schwammspinner-Raupen, die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammen, aber an dem Höhenzug zwischen Illingen und Schützingen schon so geballt aufgetreten sind, dass die Schädlinge zuletzt aus der Luft bekämpft werden mussten.

 Am Nachmittag, nachdem alle Illinger Szenen abgedreht waren, zog das Filmteam weiter Richtung Kaiserstuhl, um in der wärmsten Region Deutschlands die Auswirkungen der Klimaveränderung mit Kamera und dem O-Ton der Experten festzuhalten. „Dort sind inzwischen Orchideen gefunden worden, und auch der Bienenfresser, ein Vogel, der eigentlich nur in warmen Gefilden vorkommt, hat am Kaiserstuhl eine neue Heimat gefunden“, hat SWR-Autor Reinhard Schneider schon im Vorfeld seiner Filmreise recherchiert.

Weiterlesen

Freibad-Wasser bleibt warm

Mühlacker Stadtverwaltung will Temperatur auf 21 Grad senken – Heftige Proteste – Ausschuss widerspricht Mühlacker – Entscheidung im Gemeinderats-Ausschuss: Das Wasser im Mühlacker Freibad wird weiterhin 24 Grad warm sein… »