Kinderpornos: Rektor akzeptiert Urteil

Erstellt: 29. Februar 2012, 00:30 Uhr

Pforzheim (dpa/lsw/weg). Ein wegen Kinderpornografie angeklagter Schulleiter ist vom Pforzheimer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von insgesamt 6750 Euro verurteilt worden. Das Geld, 150 Tagessätze à 45 Euro, gehe an die Staatskasse, sagte Staatsanwalt Peter Stadler.

Mit dem Urteil akzeptierte der 58 Jahre alte Angeklagte doch noch einen im vergangenen Jahr gegen ihn ergangenen Strafbefehl. Die Rechtsfolgen allerdings fielen milder aus: Auf die ursprünglich verhängten sechs Monate auf Bewährung verzichtete das Gericht. Im Gegenzug zahlt der vom Dienst suspendierte Rektor nun eine deutlich höhere Geldstrafe als die ursprünglich verlangten 2000 Euro.

Der 58-Jährige, der zu einem ersten Verhandlungstermin am 8. November nicht erschienen und deshalb in Abwesenheit zu einem halben Jahr auf Bewährung verurteilt worden war, hatte bis zuletzt bestritten, entsprechende Dateien heruntergeladen zu haben. Als Zeugen hörte das Gericht unter anderem einen Kriminalbeamten, der den Angeklagten bereits 2005 im Zusammenhang mit einer einschlägigen E-Mail vernommen hatte. Auch ein technischer Sachverständiger war hinzugezogen worden. Unter anderem sollte er Auskunft darüber geben, wie die Dateien auf die Rechner gekommen sein könnten.

Der Pädagoge, der zuvor eine weiterführende Schule in Pforzheim leitete, soll knapp 60 Kinder- und Jugendpornos auf vier Festplatten gespeichert haben – 42 Bilder von Kindern und 16 Aufnahmen von Jugendlichen. Er machte jedoch geltend, von der Existenz der Dateien, die in professionell gelöschtem Zustand entdeckt worden waren, nichts gewusst zu haben. Vielmehr hätten sich die Bilder vermutlich bereits auf den Festplatten befunden, als er diese von einer Privatperson kaufte.

Nach dem Gutachten des Sachverständigen allerdings kam das Gericht zur Überzeugung, dass der Lehrer eben doch die Dateien auf seinen PC geladen hatte. Experten der Kriminalpolizei hatten auf den Festplatten Teile der professionell gelöschten Fotos in einem sogenannten „Schattenspeicher“, einem Safe, wiederentdeckt, den nur der Angeklagte mit einem Passwort öffnen konnte. Es sei „völlig ausgeschlossen“, so der Gutachter, dass die Bilder versehentlich auf dem Computer des Rektors gelandet seien. Der angebliche Verkäufer der Festplatten bestritt den Verkauf.

Die Staatsanwaltschaft war vor zwei Jahren im Rahmen eines anderen Verfahrens auf den Schulleiter aufmerksam geworden. Damals hatte es erste Hinweise gegeben, dass der Mann Kinderporno-Dateien von einem Sexualstraftäter im Raum Bruchsal erhielt, der die Kinder einer Verwandten für die Fotos missbrauchte.

Verteidiger Klaus Schroth plädierte angesichts der Lage seines Mandanten – er ist Alleinverdiener mit zwei Kindern, seine berufliche Zukunft ist unsicher – auf eine deutlich mildere Strafe als von der Anklage gefordert. „Kein Reuegeständnis“ habe der Angeklagte abgelegt, beklagte dagegen Staatsanwalt Peter Stadler. Dem widersprach der Anwalt und verwies darauf, dass die Dateien gelöscht worden seien.

Gegen den Angeklagten läuft auch ein Disziplinarverfahren. Das zuständige Regierungspräsidium müsse nun prüfen, welche Folgen das Urteil für die weitere Laufbahn des Rektors hat, sagte ein Sprecher.

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