Kein Job für schwache Nerven

Erstellt: 29. September 2011, 23:00 Uhr
Kein Job für schwache Nerven Reine Routine? Die Monteure hängen in 60 Meter Höhe unter dem Hubschrauber.

Mühlacker/Enzberg. Der Job von Tobias Wiegmann und Stefan Maucher ist nichts für schwache Nerven. Sie schwebten, wie schon häufiger in den vergangenen Tagen, in luftiger Höhe in einer Arbeitsbühne zum Einsatzort an der 110-kV-Leitung zwischen Mannheim und Stuttgart, die auch über Enzberger Gemarkung führt.

Hubschrauberpilot Gunter Wlasak brachte die Monteure 60 Meter über dem Boden in Position, so dass sie die Tragklemmen austauschen konnten. „Bis zu 30 Minuten muss ich den Hubschrauber in der gleichen Position halten“, berichtete der 56-jährige Mann am Steuerknüppel. Seit über zehn Jahren fliegt der Mitarbeiter der Firma Meravo aus Oedheim bei Heilbronn solche und ähnliche Einsätze.

Gestartet war er auf einer Wiese beim EnBW-Bezirkszentrum an der B10. Dort hatte das Begleitteam die Arbeitsbühne vorbereitet, während Wiegmann und Maucher auf die Nachricht warteten, dass der Strom der Freileitung abgeschaltet ist.

Er habe zwar keine Angst, sagte Tobias Wiegmann, aber einen gesunden Respekt vor der Aufgabe. „Wir müssen uns ganz auf den Piloten und die Sicherung verlassen.“ Aus Sicherheitsgründen habe der Hubschrauber, ein Eurocopter AS 355 N, zwei Triebwerke, erzählt Pilot Wlasak. Doch bei starkem Wind hilft auch das nichts, dann muss abgebrochen werden.

Nachdem die Arbeiten aus diesem Grund bereits von Dienstag auf Donnerstag verschoben worden waren, war gestern in nur rund 15 Minuten die Tragklemme ausgetauscht. Dabei wird nicht an den der eigentlichen Stromleitung gearbeitet, sondern an den Luftkabeln, die der Übermittlung von Daten ans Umspannwerk dienen.

In ihrem Versorgungsgebiet im ganzen Land hat die EnBW über Tage hinweg an acht Standorten die Halterungen ausgetauscht, um sich einen Eindruck von der Abnutzung und der möglichen Materialermüdung zu verschaffen. Eine genauere Überprüfung soll Aufschluss darüber geben, ob die Klemmen noch die nächsten Jahre überstehen, oder ob sie in größerem Umfang erneuert werden müssen.

Bei ihrem Einsatz stehen die Monteure über Sprechfunk in direktem Kontakt mit dem Piloten. Der hat über mehrere Außenspiegel Sichtkontakt zum Arbeitskorb. Früher sei das Seil mit großem Aufwand auf den Boden abgelassen worden, hieß es von Seiten der EnBW. Die Montagearbeiten mit dem Hubschrauber wirkten dagegen zwar spektakulär, seien aber mit über 400 Einsätzen bereits Routine.

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