Kein Grund zur Euphorie

Erstellt: 28. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Kein Grund zur Euphorie Hoffen auf eine Beseitigung des störenden Strommasts (v. li.): die betroffenen Nachbarn Anette Kummer mit Tochter Milena und Ulrike Zorn mit Sohn Michael. Foto: Tilo Keller

Kommt 110-kV-Leitung wirklich weg? Anwohnerin Ulrike Zorn ist erst mal skeptisch

Mühlacker-Enzberg. Die Familie Zorn in Enzberg wird in den nächsten Jahren vielleicht ein Problem los, das sie seit langer Zeit beständig plagt: eine Stromleitung samt störendem Mast.

Von Thomas Sadler

 Die Vorgeschichte des Dauerbrenners, der immer wieder für Unmut bei den Betroffenen und wiederholt für Schlagzeilen sorgte, reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Denn schon damals war geplant, eine über das Baugebiet Lämmerzunge verlaufende 110-Kilovolt-Leitung zurückzubauen und auf eine vorgesehene neue 380-kV-Leitung zu verlegen. Doch daraus wurde nichts. Obwohl dem Vorhaben planungsrechtlich nichts mehr im Wege stand und das Verfahren abgeschlossen war, überlegte es sich das Energieversorgungsunternehmen plötzlich anders. Die EnBW habe das eigene Stromnetz nicht mehr ausbauen wollen, weil es billiger gewesen sei, Strom aus dem Ausland zu beziehen, erzählt Ulrike Zorn unserer Zeitung.

 Sie lebt mit ihrer Familie seit 1998 in der Lämmerzunge. Und seither kämpfen sie und Ehemann Thomas Zorn gegen die Leitung und den auf einem Nachbargrundstück stehenden Mast, die eine Wertminderung ihres Anwesens bewirkten, moniert die Anwohnerin. Zum einen nerven Vögel, die sich auf die Leitung setzen und Kot auf die darunter liegenden Grundstücke fallen lassen. Zum anderen „geht’s uns aber auch um Elektrosmog“, berichtet Ulrike Zorn besorgt.

 Immer wieder wehrten sich die Anlieger – sechs Grundstücke sind betroffen – gegen die ungeliebte Leitung. Als Beschwerden und Schreiben an die Stadt nichts halfen, schalteten die Beistand Suchenden den Petitionsausschuss des Landtags ein. Der machte sich vor etwa drei Jahren bei einem Besichtigungstermin vor Ort ein Bild und befand laut Ulrike Zorn, dass die von der Stadt gegenüber den Betroffenen gemachte Zusage, bis 1995 werde die 110-kV-Leitung abgebaut, eigentlich einzuhalten sei.

 Jetzt keimt erneut ein Funken Hoffnung auf. Wie berichtet will die EnBW zwischen dem Umspannwerk Birkenfeld und der 380-kV-Leitung Philippsburg-Pulverdingen nun doch eine 380-Kilovolt-Leitung ziehen. Dazu gibt es drei mögliche Planvarianten. Bei zweien würden die 110-kV-Leitung samt störendem Mast abgebaut, bei einer nicht. Auch wenn die Stadt sich erfreulicherweise für die Varianten einsetze, die die Lämmerzunge von der seitherigen Leitung befreien würde, „besteht noch kein Grund, euphorisch zu werden“, warnt Ulrike Zorn. Schon deshalb nicht, weil außer Mühlacker etliche andere Gemeinden um eine Stellungnahme gebeten werden, darunter Ötisheim, Kieselbronn und Ölbronn-Dürrn. Am Ende komme es auf die EnBW an, die die Entscheidung treffe.
 Die Lämmerzunge-Bewohnerin ist skeptisch. „Alles, was wir bisher gemacht haben, hat uns nichts genutzt. Jetzt fangen wir von vorne an. Wir müssen einfach abwarten, wie es läuft.“

 Und dazu ist einige Geduld nötig. Wie Armin Dauner, Leiter des städtischen Bau- und Planungsamts, weiß, kann sich das Verfahren leicht zwei, drei Jahre hinziehen.

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