Kein Bürger soll einsam bleiben

Erstellt: 27. Dezember 2010, 00:00 Uhr
Kein Bürger soll einsam bleiben Pastor Markus Kersten erzählt den Besuchern eine zu Weihnachten passende Geschichte.Foto: Filitz

Der ansonsten nüchtern wirkende Illinger Ratssaal wird an Heiligabend in eine heimelige Stätte verwandelt

Es ist schon fast Tradition in Illingen: Wer, aus welchen Gründen auch immer, den Nachmittag an Heiligenabend nicht allein zuhause verbringen möchte, ist von der Gemeindeverwaltung in den Ratssaal eingeladen.

Von Eva Filitz

Illingen. „Kein Bürger der Gemeinde soll allein und einsam bleiben, in der Gemeinschaft ist Platz für ihn – so der Sinn des nachmittäglichen Beisammenseins“, begrüßte Bürgermeister Harald Eiberger die Gäste. Ein Vorbereitungsteam mit Sabine Eiberger und Monika von Puttkammer, verwandelte mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helferinnen den sonst so nüchternen Ratssaal in einen fast heimelig wirkenden Raum. Für die festlich mit Tannenreisig, Zapfen, Sternchen und Lichtern dekorierten Tische sorgte wieder Gertrud Hopf, und der Anblick der bunten Teller, gefüllt mit einer bunten Mischung aus Weihnachtsgebäck und Stollen, versprach Gaumenfreuden.

 „Die Neuapostolische Kirche stiftet uns die Brötle“, erzählte Sabine Eiberger dankbar.
„Jedes Jahr übertreffen sich die Frauen selbst, dabei hat doch in der Vorweihnachtszeit jede genug zu tun.“ Im Sankt Clara wird der Kaffee gekocht, den die Hausleiterin Ursula Günster mitbringt und am Ende das gesamte gebrauchte Geschirr wieder mitnimmt. Nur zwei Heimbewohner haben sie begleitet. „Manche wollen bewusst daheim bleiben oder haben Besuch von Angehörigen“, berichtete Günster. An mangelnden Transportmöglichkeiten habe es nicht gelegen, einen Fahrdienst hätte sie bei entsprechender Nachfrage organisiert.

 Bläser des Musikvereins Illingen erfreuten mit weihnachtlichen Weisen. „Wir kommen gerade aus Schützungen, seit heute früh sind wir unterwegs“, erzählte Jugendleiter Uwe Mantei. Vor dem Sankt Clara habe man begonnen, jetzt freuten sich die Musiker nach ihrem Vortrag auf einen Tasse Kaffee zum Aufwärmen, und dann würden sie noch an fünf verschiedenen Plätzen in Illingen spielen. „Das Heiligabend-Musizieren hat bei uns auch schon Tradition, selbst für viele Jugendliche im Verein.“ Schnell noch ein Kipferl und einen Schluck Kaffee, und dann ging es wieder hinaus in eisiges Schneetreiben. Drinnen war es behaglicher, und gespannt lauschten die Gäste der Geschichte vom „Stummelchen“, die Pastor Markus Kersten von der Liebenzeller Mission mitgebracht hatte.

 Stummelchen ist der Rest einer Kerze. Es fühlt sich einsam und ganz überflüssig und möchte doch so gern sein kleines Licht noch leuchten lassen. Es schleicht sich auf einen Geburtstagsleuchter, wird davongejagt, bewundert auf dem Friedhof eine Kerze an einem Sarg und ist traurig, dass es nie so schön sein wird. Dann folgt es Glockengeläut, entdeckt den kerzengeschmückten Altar in der Kirche und stellt sich dazu. „Ich bin doch auch eine Kerze und will nur leuchten“, fleht das Stummelchen die Mesnerin an, die den kümmerlichen Kerzenrest entdeckt und hinauswirft.

 Auf seiner Wanderung durch das Jahr kommt es im Sommer zu einem Bienenhaus. „Der Imker wird dir helfen“, rät eine Biene. Doch weit gefehlt. Der findet, dass unter seinen wohl duftenden Bienenwachskerzen das Stummelchen stinke, und jagt es wütend davon. Inzwischen ist es Herbst geworden. „Wenn ich jetzt sterbe, habe ich umsonst gelebt“, denkt es, als es traurig in einem dunklen Hauseingang hockt. Auf einmal hört es ein heftiges Husten, steigt die Treppe hinauf und entdeckt eine alte kranke Frau. „Einen Wunsch habe ich noch. Kannst du nicht das Bild da auf der Kommode erleuchten?“ Stummelchen stellt sich vor das Bild. „Nein, nicht so, du musst dahinter gehen.“ Und zu beider Freude erstrahlt transparent das Bild der Krippe mit der heiligen Familie. Stummelchen hat seine Aufgabe gefunden.

 „Für Gott ist keiner zu gering, und niemand ist verloren“, machte der Pastor den Sinn der Geschichte deutlich.

 In der Runde vermisst wurde der neue evangelische Pfarrer Wolfgang Schlecht. „Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, ihn etwas näher kennenzulernen“ ließen etliche Besucherinnen der Veranstaltung verlauten. Für ungeteilte Harmonie sorgte Andreas Scheytt mit seinem Akkordeon. Der junge Musiker griff in die Tasten, stimmte vertrauten Weihnachtslieder an, die zum Mitsingen einluden. Am Ende erhielt jeder Gast ein kleines Geschenk. Mit einem selbst gegossenen Engelslicht wünschten Bürgermeister und Familie Eiberger allen eine frohe Weihnacht.

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