Kaufland am Tor zur Innenstadt?

Erstellt: 30. September 2010, 00:00 Uhr
Kaufland am Tor zur Innenstadt? Bestätigt ein Interesse am Standort Mühlacker: die Handelskette Kaufland. Foto: Ochs

Eckgrundstück zwischen B10 und Goethestraße wird neu überplant.

Von Thomas Eier

Mühlacker. Am Tor zur Innenstadt, zwischen B10 und Goethestraße, plant ein Stuttgarter Projektentwickler die Ansiedlung eines Einkaufszentrums. In dieser Woche hat der Gemeinderat zunächst die Weichen dafür gestellt, das Gelände, auf dem derzeit Parkplätze und eine Werkstatt liegen, grundlegend neu zu überplanen.

 Bereits vor Jahren hatte die SEPA Projekt- und Entwicklungsgesellschaft mit Sitz in Stuttgart einen Vorschlag für die künftige Nutzung des Areals vorgelegt, das damals noch das Grundstück des benachbarten Bauernhofs beinhaltete. Doch dessen Besitzer hat offenbar kein Interesse an einem Verkauf, weshalb der Bebauungsplan „Belzäcker 3. Änderung“, den der Gemeinderat am Dienstag auf den Weg gebracht hat, nur noch das Gelände eines ehemaligen Autohauses und den weitläufigen Schotterparkplatz an der Zufahrt zum DRK-Seniorenzentrum umfasst. „Die heute angesichts ihrer Zentralität als Parkplatz und Werkstätte deutlich untergenutzte Fläche trennt die Einkaufsinnenstadt vom Durchgangsverkehr auf der B10, könnte aber bei entsprechender Ausgestaltung eine Klammer- und Hinweisfunktion übernehmen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme aus dem städtischen Planungs- und Baurechtsamt. Die Stadtverwaltung hat daher dem Gemeinderat empfohlen, „im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens die Nutzbarkeit der Fläche für Einzelhandel zu prüfen und bei positivem Ergebnis die planungsrechtliche Voraussetzung für deren Realisierung zu schaffen“. Ein Vorschlag, der im Gemeinderat kurzerhand durchgewunken wurde.

 Was zunächst vergleichsweise abstrakt klingt, hat einen konkreten Hintergrund. Immer wieder gibt es Gerüchte, das Unternehmen Kaufland habe Interesse an einer Ansiedlung in Mühlacker. Von der Idee, in den Mühlehof einzuziehen, hat sich die Handelskette dem Vernehmen nach wegen der Mängel des Gebäudes verabschiedet. „Für Kaufland ist es durchaus interessant, sich in Mühlacker anzusiedeln, da die Stadt gut in unser Expansionskonzept passt“, teilt Kaufland auf Anfrage unserer Zeitung schriftlich mit. Mit Aussagen zu Details hält sich das Unternehmen noch zurück: „Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir derzeit keine Aussagen zu konkreten Standorten treffen können.“

 Allerdings braucht es nicht viel Fantasie für die These, dass jedes Einkaufszentrum einen Standort an der stark frequentierten B10 bevorzugen würde. Andererseits fährt die Stadt, gestützt auf diverse Gutachten, die Strategie, bewusst die Innenstadt zu stärken und Neuansiedlungen von Einzelhandel fernab vom Zentrum auszuschließen, wobei der betreffende Standort durchaus zur Innenstadt gezählt wird. Gleichzeitig, erinnert das Planungsamt, verzeichne die Stadt einen „erheblichen Kaufkraftabfluss“: „Nach dem Einzelhandelsgutachten des Büros Acocella besteht ein erheblicher Nachholbedarf bei Einzelhandelsflächen. Im Bereich der Innenstadt sind nur wenige Flächen für eine entsprechende Nutzung vorhanden und geeignet.“ Abgesehen vom Mühlehof – aber dort will keiner rein.

 Dr. Ulrike Fuchs, Sprecherin der Liste Mensch und Umwelt, dämpfte dennoch die Euphorie, was ein mögliches neues Einkaufszentrum auf dem Eckgrundstück B10 und Goethestraße betrifft. Zwar mache es Sinn, das Gelände mithilfe eines Bebauungsplans neu zu strukturieren, doch müsse das Ziel „nicht unbedingt“ großflächiger Einzelhandel sein, welcher der Bahnhofstraße schaden könne, mahnte Fuchs.

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