Kampftrinker verwüsten Idylle im Wald

Erstellt: 30. Juli 2008, 00:00 Uhr
Kampftrinker verwüsten Idylle im Wald Der Waldspielplatz könnte eine Oase für Erholungssuchende sein. Foto: Goertz

Spielplatz an den Klosterseen gleicht einer Müllhalde – Besucher finden auch Spritzen – Gemeinde will reagieren.

Illingen – Idylle für Erholungssuchende oder Treff für Kampftrinker und Drogenkonsumenten? Der Waldspielplatz an den Klosterseen erfüllt derzeit beide Funktionen. Von einem „Aha-Erlebnis der unangenehmen Art“ berichten Eltern, Kinder und Erzieherinnen des Kindergartens Schützingen, die dort am Wochenende ein gemütliches Beisammensein feiern wollte.

VON FRANK GOERTZ

„Als wir dort ankamen, endete unsere Freude und gute Laune schlagartig“, bedauern Ute und Ronald Freyer. „Das Areal war übersät mit Müll und leeren Flaschen, alleine mindestens 30-mal Wodka. Viele waren zertrümmert, Scherben überall. Erst nachdem wir eine Stunde aufgeräumt hatten, konnten die Kinder den Platz zum Spielen nutzen.“ Die Überreste des Trinkgelages seien noch nicht alles gewesen. Wie die Schützinger berichten, hätten sie neben dem „normalen“ Müll leere Tablettenschachteln, Spritzen und Kanülen gefunden. Außerdem seien viele Spielgeräte mit Erbrochenem verschmutzt gewesen.

Kaum ist der Müll weg, wird der Platz wieder verwüstet

Revierförster Rolf Esslinger schüttelt den Kopf: „Mittwoch war der letzte Schultag, und am Donnerstag war der Platz extrem verschmutzt. Doch kaum hatten wir den Müll weggeräumt, ist der Waldspielplatz wieder Schauplatz eines neuen Gelages geworden.“ Dabei hätte sein Vorgänger, Dieter Trampus, den Platz in liebevoller Arbeit angelegt, um Erholungssuchenden im familiären Rahmen festliche Aktivitäten zu ermöglichen. „Doch Auswüchse wie in den letzten Tagen sind der Grund, dass derartige Einrichtungen von öffentlichen Trägern oft nicht mehr betrieben werden, weil sie sich zu einem Fass ohne Boden entwickeln“, weiß Förster Esslinger.

„Wir haben vor nicht allzu langer Zeit über den Gesamtaufwand für Anlagen wie den Waldspielplatz gesprochen“, berichtet Illingens Verwaltungschef Harald Eiberger. „Ich war ziemlich erschrocken, wie hoch er ist.“ Ihm gehe manchmal „das Messer in der Tasche auf“, wenn er mit ansehen müsste, wie viele Pritschenladungen Müll der Bauhof regelmäßig auf öffentlichen Plätzen einsammeln müsse.

 Die Eltern aus Schützingen haben sich am Wochenende auch gleich mit dem Polizeirevier Mühlacker in Verbindung gesetzt, um den Vorfall zu melden. Die Reaktion sei ernüchternd gewesen, so Ute Freyer. Sinngemäß habe die Antwort gelautet, dass die Grillplätze am Wochenende alle so aussehen würden.

 „Ich denke, dass es sich unsere Ordnungshüter nicht ganz so einfach machen sollten“, findet die Schützingerin. „Es reicht doch vollkommen aus, wenn die Polizei oder der Gemeindevollzugsdienst solche neuralgischen Punkte einmal pro Nacht anfährt und die Personalien einer anwesenden Person oder das Kennzeichen eines Autos notiert, damit jemand greifbar ist, wenn solche sinnlosen Verwüstungen nach einem Fest übrig bleiben.“

„Polizeirevier Mühlacker ist sehr dünn besetzt“

Harald Eiberger sind solche Forderungen wohl bekannt, er gibt aber zu bedenken, dass der Vollzugsbeamte der Gemeinde bereits „flächendeckend präsent“ sei, er aber auch nur begrenzte Kapazitäten und Illingen mehrere Brennpunkte habe. Und wie Eiberger weiß, ist das Polizeirevier Mühlacker – vor allem in den Nachtstunden – auch nicht üppig mit Personal ausgestattet. „Meines Wissens gibt es alleine im Bereich des Reviers Mühlacker 39 Jugendtreffpunkte“, weist Eiberger darauf hin, dass die Beamten nicht überall gleichzeitig sein könnten. Was nicht heißt, dass er mit der Situation zufrieden ist, aber: „Sicherheit ist Landessache. Auch wenn ich ein Freund von Haushaltskonsolidierung bin, das Revier Mühlacker ist definitiv sehr dünn besetzt.“

 Die Hände in den Schoß legen und die Verantwortung Richtung Stuttgart schieben will Eiberger aber auch nicht. „Wir werden auf die Vorkommnisse reagieren“, verspricht der Bürgermeister. „Der Ordnungsbereich wird nach der Sommerpause Thema im Gemeinderat sein.“ Dabei könne man auch über einen privaten Sicherheitsdienst diskutieren. Dessen Kräfte müssten aber nicht nur entsprechend ausgebildet, sondern auch mit bestimmten Rechten ausgestattet sein.

 „Letzten Endes muss der Gemeinderat entscheiden, ob er in solche Kräfte investieren möchte“, macht Eiberger deutlich, dass es mehr Sicherheit nicht zum Nulltarif gibt, sondern nur aus Steuergeldern finanziert werden kann.

Weiterlesen
Kampf gegen Müllacker

Kampf gegen Müllacker

Stadtverwaltung reagiert auf die Berichterstattung unserer Zeitung Von Gerhard FranzMühlacker. Den Patrouillen des privaten Sicherheitsdienstes zum Trotz lässt sich in der Innenstadt das Problem des Mülls auf Straßen und in… »