Junge Täter immer öfter bewaffnet

Erstellt: 28. Mai 2010, 00:00 Uhr
Junge Täter immer öfter bewaffnet Die richtige Ausrüstung ist eine Sache – aber nicht in jedem Fall bewahrt sie den Polizisten vor gefährlichen Situationen. Foto: Franz

Im vorigen Jahr 54 Gewaltdelikte gegen Polizisten in Pforzheim und dem Enzkreis

Von Thomas Sadler

Enzkreis/Pforzheim. Polizisten, die von Gewalt bedrohten Menschen beistehen, fallen im Dienst selbst immer häufiger brutalen Attacken zum Opfer. Dieser deutschlandweite Negativtrend zeichnet sich auch in Pforzheim und dem Enzkreis ab, wie der Polizeisprecher Frank Otruba im Interview mit unserer Zeitung sagt.

Nimmt die Gewalt gegen die Polizei auch im hiesigen Bereich zu?

Es gibt bundesweit vermehrt Angriffe gegen Polizeibeamte – auch in Pforzheim und dem Enzkreis. Dabei handelt es sich um Widerstand gegen Polizisten, Beleidigungen, Bedrohungen und Nötigung bis hin zu Körperverletzung. Wir haben uns an einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen beteiligt, für die mehr als 21000 Beamte aus zehn Bundesländern befragt wurden, die in den vergangenen vier Jahren derlei Probleme hatten. Fazit: 82 Prozent der Beamten wurden 2009 beschimpft, beleidigt oder verbal bedroht. In Baden-Württemberg hat die Zahl der Gewaltdelikte innerhalb von fünf Jahren um zehn Prozent zugenommen. 2009 wurde im Land ein Höchststand von 501 verletzten Polizisten registriert.


Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Im Bereich der Polizeidirektion Pforzheim gab es 2009 54 Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte, dabei handelte es sich in 33 Fällen um Widerstand gegen die Staatsgewalt. Das bedeutet, wir haben hier einmal in der Woche mit einem Gewaltdelikt gegen Polizisten zu tun. In Baden-Württemberg gibt es täglich acht Übergriffe gegen Polizisten und somit rund 3000 im Jahr.

In welchen Situationen kommt es zu solchen Übergriffen?

Das kann damit anfangen, dass wir, was zunehmend geschieht, zu harmlosen Bagatellfällen gerufen werden. Doch wenn dann jemand angetrunken ist, kann die Situation schnell eskalieren. Oder: Wenn Polizisten zwischen zwei Kontrahenten schlichten wollen, kann es sein, dass die sich plötzlich einig sind und gemeinsam gegen die Polizei vorgehen. Im vorigen Jahr wurde bei einer Schlägerei vor einer Diskothek auf der Wilferdinger Höhe einem Beamten von hinten der Schlagstock entrissen und ihm damit ein Schlag auf den Kopf versetzt. Danach war er kurzzeitig dienstunfähig.

Werden Polizisten oft verletzt?

Nicht oft, aber immer mal wieder – meistens an den Händen, was zu mehrwöchigen Personalausfällen führt. So wie im April dieses Jahres in Mühlacker: Als ein Kollege das DRK dabei unterstützen wollte, einen Mann nach dessen Suizidversuch zu fixieren, brach dieser ihm den rechten Daumen.

Was sind die Gründe für die Übergriffe?

80 Prozent der Gewalttäter stehen unter Alkoholeinfluss, ein weiterer Anteil unter der Einwirkung illegaler Drogen.
 Im Übrigen werden die Täter immer jünger. Außerdem sind sie immer öfter bewaffnet. Ein aktuelles Beispiel: Ein 18-jähriger BMW-Fahrer, der in der Nacht auf Donnerstag von einer Streife kontrolliert werden sollte, hatte einen Schlagstock griffbereit neben sich liegen.

Hat die Polizei ein schlechtes Image?

Nein, eher im Gegenteil. Es gibt in der Bevölkerung generell keine Abneigung gegen die Polizei. Unsere Arbeit wird anerkannt; wir bekommen dafür sogar Lob von vielen Menschen.

Was tut die Polizei, um Gewalt gegen Beamte zu verhindern oder dagegen besser gewappnet zu sein?

Wir setzen verstärkt auf Prävention und Antiaggressionstraining, um Konflikte zu vermeiden. Darüber hinaus verbessern wir unser Einsatztraining und erhalten eine bessere Ausrüstung und wirkungsvollere Schutzkleidung. Bei familiären Auseinandersetzungen werden auch weibliche Beamte eingesetzt, weil dadurch das Aggressionspotenzial oft verringert werden kann, wie die Erfahrung zeigt.

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